Academy: Industrierohstoffe

Bei Rohstoffen erfolgt die Klassifizierung nach unterschiedlichen Kriterien. Einerseits werden Rohstoffe anhand ihrer natürlichen Eigenschaften klassifiziert. Organische Verbindungen stammen aus der belebten Natur, und sind bis auf ganz wenige Ausnahmen immer mit Kohlenstoff als Hauptelement „beladen“. Zu diesen Vertretern gehören z.B. Rohöl oder auch Holz. Das „Pendant“ dazu sind die sog. anorganischen Rohstoffe, wie z.B. Eisenerz, Silber oder aber auch Wasser.

Eine weitere Unterscheidung der Rohstoffe erfolgt aufgrund der Regenerierbarkeit. So ist z.B. Erdöl wie wir in Absatz 1 gelernt haben, organischen Ursprungs, aber nicht erneuerbar, da es sich nicht durch menschliche Einwirkung erneuern lässt, bzw. sich erst in geologischen Zeitfenstern bildet. Holz dagegen ist erneuerbar.

Nach Art der Gewinnung/Verwendung wird zwischen Industrierohstoffen, was das Hauptthema des Artikels darstellen soll, und Agrarrohstoffen unterschieden. Agrarrohstoffe werden von der Land und Forstwirtschaft zur Verfügung gestellt. Das bedeutet aber nicht, dass ein Agrarrohstoff nicht auch ein Industrierohstoff sein kann. Holz zum Beispiel ist gleichzeitig ein wichtiger Rohstoff für die Industrie, und wird somit als industrieller pflanzlicher Rohstoff bezeichnet. Das gleiche gilt natürlich auch für Baumwolle oder Kautschuk und andere Industrierohstoffe. Landläufig sind unter Industrierohstoffen die anorganischen Ressourcen gemeint, was aber laut der obigen Ausführungen, überhaupt kein Vollständigkeitskriterium für Industrierohstoffe darstellt. Vertreter dieser Gattung wie z.B. Eisenerz wurden schon genannt. Eine Besonderheit unter den anorganischen Rohstoffen stellen die sog. Edelmetalle dar. Diese werden nächste Woche in einem separaten Artikel behandelt.

Was ist bei Investments in Industrierohstoffen zu beachten bzw. wie kann man in diese investieren?
Rohstoffe stellen eine eigene Anlageklasse dar, und sind sehr häufig Gegenstand spekulativer Investments. Eine Investition in Industrierohstoffe kann durch kaufen physischer Bestände erfolgen, was aber für Privatanleger eher nicht infrage kommt, da Transportkosten, Lagerkosten und Versicherungskosten anfallen Meist erfolgt ein Rohstoffinvestment über Zertifikate oder sog. ETC‘s. ETC’s sind börsengehandelte Wertpapiere und eine Sonderform von Zertifikaten. Zertifikate sind rechtlich gesehen keine Sachwertanlagen, sondern verbriefen Verbindlichkeiten des Emittenten. Auf das Thema Zertifikate wird in der Bargain Academy noch separat eingegangen. Man kann aber auch in (Rohstoff)Aktien investieren wie z.B. in Eisenerzförderunternehmen, wie die Vale SA oder Rio Tinto. Dies ist nun keine reines Investment auf den Industrierohstoff selbst, aber man besitzt dadurch im vgl. zu Zertifikaten einen Sachwert. Welche Risiken bestehen bei Investments in Industrierohstoffe? Einerseits spielt natürlich das aktuelle Verhältnis von Angebot zu Nachfrage eine große Rolle bei Investments in Industrierohstoffe. Im Bargain Magazine hat Daniel Koinegg dies sehr gut für den Ölpreis analysiert. Eine weitere gute Analyse findet sich im auch im Bargain Magazine bei der Unternehmensanalyse der Vale SA. Diese behandelt den Eisenerzpreis. Gerade bei Industrierohstoffen kommt es zyklisch zu Angebotsüberhang oder auch Unterversorgung, da die Produzenten der Rohstoffe z.B. Kapazitätserweiterungen aufgrund von langfristigen Prognosen, für den einzelnen Rohstoffmarkt vornehmen, aber auch kurzfristige Schwankungen oder Abschwächungen der Nachfrage aufgrund von z.B. Kriegen, makroökonomischen Problemen in einem Land das den Industrierohstoff sehr stark nachfragt, oder auch weil eine neue Technologie, eine alte die den Industrierohstoff benötigt hat ersetzt, können das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage stören, was die Preise sehr stark beeinflusst. Weitere Faktoren können auch der Kampf der Unternehmen um Marktanteile sein, der den Preis eines Industrierohstoffs nach unten drückt. Dabei erhöhen die „Low Cost“ Produzenten, ihren „Output“, und versuchen somit die Produzenten mit höheren Kosten aus dem Markt zu drängen. Investments in Industrierohstoffe sind sicherlich sehr schwierig zu durchschauen, da ein Industrierohstoff für so viele unterschiedliche Produkte und Branchen eingesetzt wird, und ein umfassendes Wissen dieser nötig ist, um sich einen guten Überblick über die gegenwärtige, und zukünftige Situation zu am Markt zu verschaffen.

Academy: Immobilien

Im heutigen Artikel der Bargain Academy geht es um Immobilien. Immobilien stellen gemäß unserer Definiton im Artikel Geldnahe Werte einen Sachwert dar. Wie bei jedem Investment, erfordern Immobilieninvestments ein großes Maß an spezifischem Fachwissen. Wenn es der Markt zulässt, und man sein erworbenes Fachwissen geschickt einsetzt, sind bei Immobilieninvestments sehr große Gewinne möglich. Weiters wird durch die Vermietung der Immobilie ein laufender Cashflow generiert. Oder aber man kauft die Immobilie auf Wertsteigerung basiert. Das kann bedeuten, dass z.B. eine Wohnung gekauft wird die renovierungsbedürftig ist, und der Käufer nach Addition der Renovierungskosten, die Wohnung wieder verkauft, und somit seinen Gewinn daraus erwirtschaftet.

Im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie z.B. Aktien oder Anleihen, sind Immobilien illiquides Vermögen. Das heißt, ich kann meine Immobilie nicht unbedingt sofort veräußern, wenn ich Geld brauche. Ein Immobilienkauf, kann sich je nach Lage und Zustand dieser, auch über mehrere Jahre hinziehen.

Grundsätzlich  wird bei der Art Immobilien unterschieden in:

Wohnimmobilen
Büroimmobilien
Hotels
Fachmarktzentren

Wobei, jede Gattung für sich spezifische Risiken birgt. Fachmarktzentren zum Beispiel, werden durch den immer stärker werdenden Onlinehandel immer weniger nachgefragt werden. Ausnahmen bilden natürlich die wirklichen Top Adressen wie z.B. der Graben in Wien, denn Flagshipstores werden auch in Zeiten des Onlinehandels in sehr guten Lagen präsent sein. Damit kommen wir nun auch zum nächsten Punkt, der Lage und der Zustand einer Immobilie.

Die Lage und der Zustand sind für ein Immobilieninvestment die wichtigsten Kriterien für zukünftige Wertsteigerungen. Unterschieden wird grundsätzlich in Makrolage und Mikrolage.
Die Makrolage kann von unterschiedlichsten Parametern abhängig sein. Zum Beispiel von den Jobangebot welches quantitativ in dieser Stadt herrscht, und welche Zukunftsaussichten die Jobs bzw. die einzelnen Branchen in dieser Stadt haben. Was auch ein Kriterium für die Makrolage sein sollte ist, ob es in periodischen Abständen in diesem Gebiet Naturkatastrophen gibt. Z.B. gibt es in Passau immer wieder Hochwasser, was der Bausubstanz der Immobilie doch sehr zusetzt. Und ob das so gut ist für ein Investment in Immobilien sei dahingestellt.

Die Mikrolage bezieht sich auf den Bereich um die Wohnung herum, wie der Bezirk, die Verkehrsanbindung (sind Öffis wie z.B. Busse, S- Bahn, U-Bahn etc. in der Nähe schnell erreichbar). Entscheidend ist auch die Lokale Infrastruktur wie das örtliche Vorhandensein von Supermärkten, Arzt oder Apotheken.

Der Zustand des Hauses ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium für den Immobilieninvestor, da er ja mit seinem Anteil an den Renovierungskosten beteiligt ist. Und sollten beim Haus gravierende Mängel vorhanden sein, so wird die Reparaturrücklage die einbezahlt wird, nicht ausreichen um die Kosten die z.B. für neue Wasserleitungen, oder eine Dachsanierung anfallen, zu decken. Diese Kosten senken mir die Rendite eines Objektes natürlich sehr stark. Damit erschließt sich jetzt auch die Aussage, dass für Immobilieninvestments ein Fachwissen anzueignen ist, um die zukünftige Lebensdauer von Rohren, Dächern oder v.a. auch vom Haus insgesamt abschätzen zu können. V.a. Risse in den Wänden könnten ein Zeichen für ein Haus sein, welches statische Probleme hat, und somit kann es in seltenen Fällen auch zum Verlust von einem Großteil des investierten Kapitals kommen.

Wichtig für den Immobilieninvestor ist auch ein gutes Netzwerk an Personen/Unternehmen für die Finanzierung, Kaufabwicklung, Vermittlung und Vermietung, und für Reparaturen und Sanierungen.

Weiters ist bei Immobilien zu beachten, dass der Kaufpreis für die Immobilie durch Grundsteuer, Eintragungsgebühr ins Grundbuch, Maklergebühr, Notariatskosten um ca. 10% erhöht wird. Dies ist für eine Renditebetrachtung der Immobilie unbedingt zu berücksichtigen.

Als Fazit kann gesagt werden, dass ein Investment in Immobilien durchaus lukrativ und gewinnbringend sein kann. Es kommt halt wie bei jedem Investment darauf an ob man günstig kauft, und wie man die Zukunftsaussichten in Bezug auf Makrolage und Mikrolage sieht. Wenn die Substanz, (in diesem Fall die Bausubstanz) eine gute Absicherung nach unten bietet, kann ein Immobilieninvestment etwas sein, an dem man durchaus seine Freude haben kann.

Interview mit Valueandopportunity.com

Der Betreiber der wirklich lesenswerten Plattform Valueandopportunity.com stand dem Bargain Magazine vor kurzem für ein kleines Interview Rede und Antwort. Dessen Ergebnis soll den Inhalt des heutigen Artikels bilden.

Die Fragen sind in kursiv gehalten, die Antworten jeweils darunter in normaler Formatierung:

Als Einleitung: Wie ist Dein Interesse an Aktien und anderen Wertpapieren entstanden? War es immer schon der Value-Ansatz?

Meine erste Berührung hatt ich in der Schulzeit (10te Klasse) als ein Lehrer im Fach Wirtschaft & Recht uns bei einem Sparkassen Börsenspiel anmeldete. Das war 1986. Ich kann mich erinnern, dass meine Performance unterirdisch war da ich alles auf eine Aktie setzte (Nixdorf), die dann pleite ging. Dermaßen motiviert investierte ich mein erstes eigenes, durch einen Ferienjob verdientes Geld im Sommer 1987. Damit hatte ich denn 2 Monate später im Oktober 1987 gleich mal auch die erste Erfahrung mit einem Börsencrash. Zum Glück hat mich das nicht entmutigt, sondern im Gegenteil angestachelt mehr über diesen Markt zu verstehen. Einen generellen Value Ansatz verwende ich seit Ende der 90er, zuvor war es eher zufallsgesteuert. Mein Value-Ansatz selber hat sich in der Zeit auch verändert. Ich würde sagen dass ich auch in gewisser Art die Reise von Graham zu Buffett/Munger mitgemacht habe. Ich bin noch nicht beim „späten Buffett“ aber schon ziemlich weit weg von Graham’s Net-Net.

Was sind für Dich die qualitativ hochwertigsten Tages- und Wochenzeitungen im Wirtschaftssegment, aus denen man sinnvolle Informationen als Investor gewinnen kann?

Für mich sind die Financial Times, Wall Street Journal und der Economist die besten Print Publikationen. Ansonsten lese ich eigentlich wenig Print sondern eher Internet Quellen. Die Finanzteile großer Deutscher Zeitungen, insbesondere die Anlagetipps in Handelsblatt, FAZ &Co sind allerdings oft als Kontraindikator wertvoll. Viel besser als die Zeitungen sind meiner Meinung nach Fondskommentare guter Investoren, die man im Internet eigentlich relative einfach bekommt.

Wenn Du ein Unternehmen beurteilen möchtest: Gibt es etwas, auf das Du vorweg schaust, sozusagen als Vorauslese? Es muss ja irrsinnig schwer sein, zu erkennen, ob das Unternehmen im Circle of Competence liegt, wenn man sich noch nicht damit beschäftigt hat?

Es gibt für mich eigentlich keinen festen „Circle of Competence“ bzw. bin ich noch in der Phase wo ich den möglichst stark erweitern möchte. Auch Waren Buffett und Charlie Munger wurden nicht mit Ihrem jetzigen Circle of Competence geboren. Deshalb schaue ich mir gerne auch Firmen an, die entweder in Ländern agieren die ich noch nicht kenne oder in unbekannten Branchen arbeiten. Als Vorauslese verwende ich eine Checkliste (z.B. geringe Verschuldung, Entwicklung der Aktienanzahl, Art der Präsentation im Geschäftsbericht) in Verbindung mit einem mechanischen Bewertungsmodell. Ich schaue mit aber auch gerne Firmen an ohne wirklich investieren zu wollen, einfach um zu lernen und den Circle of Competence zu erweitern. Gute Erfahrungen habe ich immer dann gemacht wenn neue Firmen eine Verbindung haben zu einer Firma die ich gut kenne, z.B. auf der Kunden- oder Lieferantenseite. Da kommt man schnell rein und lernt auch nochmal was über die Wertschöpfungskette.

Falls Du überhaupt auf den Substanzwert eingehst: Wie gehst Du bei der Bewertung der Unternehmenssubstanz vor? Hast Du eine gewisses Schema bzw. eine gewisse Reihenfolge, welche Du „abarbeitest“? Oder ergibt sich die Arbeitsweise anhand der Bilanz, die Du vom Unternehmen vor Dir liegen hast?

Der Substanzwert (bzw. Buchwert pro Aktie) ist für mich eine Kennzahl unter vielen. Wirklich relevant ist er bei mir eigentlich nur bei kapitalintensiven Geschäftsmodellen oder bei „Distressed Debt“. Ich starte in diesen Fällen immer bei der Bilanz und arbeite dann die üblichen Verdächtigen ab (Goodwill, Leasing, Pensionen etc.). Von Zeit zur Zeit schaue ich mir auch „Sum of parts“ Investments an. Generell arbeite ich seit ein paar Jahren verstärkt mit Enterprise Value Kennzahlen (v.a. EV/EBIT), die m.E. deutlich aussagekräftiger sind als P/E und P/B.

Wie schwierig ist es für Dich, Goodwill und andere immaterielle Vermögensgegenstände des Unternehmens zu bewerten? Wie gehst Du dabei vor?

Stand-alone lassen sich Goodwill und andere Intangibles eigentlich nie bewerten. Das geht immer nur im Zusammenhang mit Renditekennzahlen wie Return on Assets oder Return on Equity. Bei einer Firma mit hohem Goodwill und niedrigem ROE ist der Goodwill vermutlich nicht besonders werthaltig. Gefährlich ist die Kombination von hohem Goodwill (aus Akquisitionen) und hoher Verschuldung. Das kann oft zu einem schnellen Ende führen wenn Probleme im Geschäft auftauchen. Im Gegensatz zu früher sehe ich Goodwill nicht kritisch, wenn er durch Eigenkapital gedeckt ist und ordentliche Returns produziert werden.

Was sind Deiner Meinung nach die „gemeinsten“ Tricks und Schwächen im IFRS-Accounting, um unbedarfte außenstehende Investoren in die Irre zu führen?

Da gibt es zu viele um diese aufzuzählen. Am meisten verbreitet ist sicher das Problem, dass viele negative Entwicklungen mittlerweile im Eigenkapital verbucht werden und im Gewinn pro Aktie nicht zu sehen sind. Deshalb konzentriere ich mich bei der Bilanz neben den Cashflows immer auf das „Comprehensive Income“, also der Gewinn inklusive aller Veränderungen im Eigenkapital. Das ist insbesondere bei Finanztiteln die einzige Möglichkeit, die Entwicklung tatsächlich einzuschätzen. Vorsichtig sollte man auch immer bei Unternehmen sein, die oft M&A Transaktionen machen. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, die Bilanz kurzfristig sehr gut aussehen zu lassen.

Hand aufs Herz: Wie schwer fällt es Dir, die teilweise irrationale Volatilität auszuhalten? Hättest Du Tipps für jene Leser, die hiermit noch Probleme haben?

Das ist in der Tat mit der schwierigste Punkt beim investieren. In der Theorie sieht alles ganz einfach aus: Kaufen bei Panik, Verkaufen im Boom oder so. Mir hilft es vor allem, immer mal wieder historische Finanzbücher zu lesen. Besonders wichtig ist es, impulsive Investmententscheidungen zu vermeiden, da man dort den ganzen „behavioural biases“ ausgesetzt ist. Das funktioniert bei mir durch das aufschreiben ganz gut. Bevor ich kaufe oder verkaufe, schaue ich mir meine ursprüngliche These an und versuche dann schriftlich auch das Pro und Contra festzuhalten. Da gehen dann meistens ein paar Tage vom ersten Impuls ins Land. Insgesamt erreicht man dadurch schon eine gewisse Abkopplung vom täglichen und teilweise irrationalen „auf und ab“ an der Börse. Ich glaube von einem „Investment Tagebuch“, ob online oder offline könnte jeder Investor profitieren.

Zum Abschluss noch ganz allgemein: was sind Deine Ziele für die Zukunft? Was möchtest Du erreichen und was vermeiden?

Neben einer möglichst positiven Depotperformance geht es mir vor allem um den Spaß an der Sache. Das Schreiben des Blogs und der Informationsaustausch mit Investoren aus aller Welt motiviert mich ungemein. Wie schon angemerkt, möchte ich auch meinen Circle of Competence möglichst erweitern, auch wenn das oft mit Anfangsproblemen verbunden ist. Meiner Erfahrung kommt mit dem Spaß der Erfolg dann auch irgendwann von selbst.

Vermeiden möchte ich ich vor allem einfache Fehler, insbesondere zu spontanes Handeln und insgesamt noch deutlich langfristiger zu agieren als bislang.

Analyse der Vale Teil 4- Ertragswertschätzung

Liebe Leser, nun kommen wir zur Analyse der Vale Teil 4.

In diesem Teil möchte ich versuchen, den inneren Wert der Vale mit einer Art Ertragswertmodell zu bewerten, welches ich mir von Prof. Max Otte abgeschaut habe. Es ist eine Equity Methode, und orientiert sich beim Abzinsen der zukünftigen Erträge an den Kapitalkosten für Eigenkapital.

Dazu verwende ich die Umsätze und Gewinne/Aktie der letzten 10 Jahre, naja eigentlich 11, da ich für 2014 den Gewinn pro Aktie, anhand der ersten drei Quartale auf 0,6$/Aktie geschätzt habe. Das gleiche habe ich auch beim Umsatz  für 2014 gemacht. Somit ergibt sich eine durchschnittliche Umsatzrendite von 27%. Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass diese Umsatzrendite in den letzten 3 Jahren deutlich unter den 27% gelegen ist, und irgendwo bei 8% „herumdümpelt“. Diese durchschnittliche Umsatzrendite multipliziere ich mit dem letztjährigen Umsatz, um so einen normalisierten Wert für den „nachhaltigen“ Gewinn zu bekommen. Damit ergibt sich ein „nachhaltiger“ Gewinn aus den letzten 11 Jahren von 1,88USD/Aktie. Aber mit welchem Zinssatz, sprich Eigenkapitalkosten diskontiere ich die zukünftigen Erträge? Dazu gibt es ja verschiedenste wissenschaftliche Abhandlungen, die trotz aller Wissenschaft, alle ihre Schwächen haben. Ich mache es mir einfach, und gehe von einem langfristigen risikolosen Zins, von 5%-7% aus, und schlage ein paar Prozentpunkte drauf. In diesem Fall, weil die Vale ein zyklisches Unternehmen ist, das sehr stark mit anderen Minenbetreibern im Wettbewerb steht, habe ich Eigenkapitalkosten von 12% angenommen. Und wer Teil 3 meiner Bewertung gelesen hat, der wird feststellen, dass ich mit Hilfe des fairen KBV Modells Eigenkapitalkosten von 9% ermittelt habe um auf ein faires KBV zu kommen, welches sich mit dem KBV aus der Bilanz deckt. Aber gerade bei Ertragswertschätzungen gehe ich auf Nummer sicher, und nehme doch lieber einen höheren Wert. Somit ergibt sich mit 12% Eigenkapitalkosten ein Multiplikator von 8,33‘ und damit ein nachhaltiger Wert pro Aktie von 15,68USD. Besitzt das Unternehmen Cash (in diesem Fall hat Vale Cash von 1,47$/Aktie), so addiere ich den Cashbestand dazu, wodurch sich ein innerer Wert/Aktie von 17,15USD ergibt. Mit einem aktuellen Kurs der Vorzugsaktie von 6,28USD, ergibt sich eine Margin of Safety von 63%. Langfristiges Gewinnwachstum wurde in der Formel keines berücksichtigt, um auf der konservativeren Seite mit meiner Berechnung zu bleiben.

Ertragswertverfahren haben natürlich einen großen Schwankungsbereich, da sehr viele Eingangsparameter in der Berechnung angenommen werden. Wie z.B. die EK Kosten ,die Ermittlung des nachhaltigen Gewinns, oder wenn man ein langfristiges Gewinnwachstum berücksichtigt, die Höhe von diesem in der Zukunft. Ich persönlich kaufe Aktien die ich mittels Ertragswertverfahren analysiert habe, nur wenn die Margin of Safety mind. größer 50% ist. (Zumindest bei normalen Unternehmen die keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil haben). Eventuell wird es für Vale noch einen 5. Teil geben, wo ich versuchen werde, den Wert der Vale über die Reproduktionskosten zu rechnen. Mal schauen ob dies möglich ist.

Screen der Woche: KW 7

Im Screen der Woche kann ich heute ein Unternehmen aus der Kategorie Cigar Butts vorstellen. All jene Leser, die die Unterteilung, die ich intern für meine Investments zu Grunde lege, noch nicht kennen, können diese im Einleitungsartikel nachlesen.

Geospace Technologies

Dieses Unternehmen entwickelt verschiedene Produkte, die zur Erschließung und Verarbeitung von seismischen Daten in der Öl- und Gasexploration verwendet werden. Das sind beispielsweise Kabel, Sensoren, etc. die in seismischen Untersuchungen eingesetzt werden. Andererseits wird ein kabelloses System namens GSX verkauft. Die Produkte werden onshore und offshore verwendet. Daneben werden Werkzeuge für die Grafikindustrie angeboten. Niederlassungen hat man in den USA, Kanada, China, Russland, England und Kolumbien.

Es wird keine besonders tiefgründige Erläuterung notwendig sein, was den Aktienkurs des Unternehmens derzeit beeinflusst. Wenn quer durch die Öl- und Gasindustrie die Capex drastisch gekürzt werden, sind Unternehmen wie Geospace besonders stark betroffen. Dementsprechend düster wird momentan wahrscheinlich der kurz- und mittelfristige Ausblick vom Markt wahrgenommen. Wie in meinem Artikel „Rechecking the oil bet“ dargelegt, kann man nicht wirklich sagen, wie sich kurz- und mittelfristig der Ölpreis entwickeln wird. Es kann sein, dass sich der Ölpreis schnell wieder auf das Niveau erholt, welches noch vor einem halben Jahr gegeben war, es kann sein, dass es eine mehrjährige, mühsame Marktbereinigung mit längerfristigen niedrigen Preisen gibt, wo die Industrie quer durch die Bank kaum etwas in E&P investieren wird. In so einem Szenario wird es für Unternehmen wie Geospace einige Jahre sehr schwer sein, ordentlich zu verdienen. Was aber aus meiner Sicht eine logische Implikation des zweiten Szenarios ist, dass es gegen Ende dieser Marktbereinigung einen erneut höheren Investitionsbedarf geben muss. Wenn eine Zeit lang mehr Quellen ausgebeutet werden, als neu erschlossen werden, muss das zwangsläufig irgendwann zu einem Versorgungsengpass führen, wenn gleichzeitig die Nachfrage durch eher niedrige Preise hochgehalten wird. Für Zulieferer und Dienstleister für die Ölindustrie wird es so sein, dass sich enorme Chancen auftun können, wenn sie genügend Finanzkraft haben, um eine mehrjährige Tiefphase zu überstehen. Dies gilt es also auch für Geospace herauszufinden.

Geospace hat eine Eigenkapitalquote von über 93% und überhaupt keine Finanzschulden. Es existiert eine nicht genutzte Kreditlinie in Höhe von 50 Mio. USD. Die nichtfinanziellen Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf knapp 22 Mio. USD. Man hat knapp 50 Mio. USD Cash und kurzfristige Investments. Insgesamt beträgt das Nettoumlaufvermögen knapp 210 Mio. USD, bei einer Marktkapitalisierung von ungefähr 250 Mio. USD. Ein vorläufiger Haken an der Sache ist, dass ein wesentlicher Teil des Umlaufvermögens Vorräte sind, nämlich ca. 147 Mio. USD. Es ist schwer zu beurteilen, um wie viel diese Vorräte abzuschreiben sind, wenn im Rahmen einer Marktbereinigung in der Öl- und Gasindustrie kaum etwas zu verkaufen ist. Wie hart es das Unternehmen momentan trifft, zeigt die GuV im letzten 10Q mit Ende Dezember. Der Umsatz im Quartal ist von über 100 auf etwas über 20 Mio. gesunken. Im letzten Jahr hat es anscheinend einen größeren Auftrag gegeben, der mittlerweile abgearbeitet worden ist. Im Risikobericht wird noch dargelegt, dass etwas mehr als 10 Mio. USD an Netto-Working Capital in Russland und Kolumbien „liegen“. Was mir nicht gefällt, ist, dass das Management laut finance.yahoo.com kaum Anteile am Unternehmen hält.

Ich werde mir in den nächsten Tagen noch intensiv den Kopf darüber zerbrechen, wie variabel die Kostenstruktur des Unternehmens sein könnte. Wenn es scheint, dass die Gesellschaft notfalls in der Lage ist, mehrere Jahre negativer Ergebnisse zu verkraften, dann könnte das eine interessante Gelegenheit sein.

Academy: Anleihen

Im heutigen Artikel der Bargain Academy geht es um Anleihen. Es sollen einige grundlegende Konzepte und Begriffe in diesem Zusammenhang erklärt werden.

Gemäß unserer Definition, die wir bereits vorgestellt haben, zählen Anleihen zu den sogenannten geldnahen Werten, weil sie ebenfalls auf dem dort erklärten Konzept beruhen: Man übergibt eine bestimmte Menge Geld an jemand anderen, und erhält dafür das Versprechen, diese Geldsumme irgendwann wieder zurückzubekommen. Als „Miete“ für die Überlassung dieses Kapitals wird ein Zinssatz vereinbart und bezahlt.

In diesem Zusammenhang gibt es einige Begriffe, die man lernen und begreifen muss:

  • Der international gebräuchliche Begriff für eine Anleihe ist das englische Wort „bond“.
  • Mitunter werden Anleihen auch mit einem anderen Begriff, der „Schuldverschreibung“ bezeichnet.
  • Derjenige, der das Geld übergibt, wird zum Anleihegläubiger.
  • Derjenige, der das Geld erhält, wird zum Anleiheschuldner. Mitunter wird er auch Emittent genannt.
  • Der zu bezahlende Zins wird auch Kupon genannt. Der Prozentsatz bezieht sich immer auf das Nominale (siehe unten).
  • Der Zins- oder Kupontermin ist jener Tag, an dem der Anleihegläubiger den vereinbarten Zins erhält.
  • Der Stückzins ist der aliquote Anteil des Kupons, der seit dem letzten Zinstermin bereits angewachsen ist. Kauft man eine Anleihe über die Börse, muss man im Normalfall diesen Stückzins mitbezahlen.
  • Die genauen rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen eine Anleihe behandelt wird, werden im sogenannten Prospekt niedergelegt. Diese umfassen im Normalfall mehrere hundert Seiten.
  • Die Stückelung einer Anleihe ist der Betrag, um den der kleinste handelbare Teil einer gesamten Schuldverschreibung gehandelt wird. Diese Bandbreite reicht von wenigen hundert Euro, bis zu relativ hohen Beträgen. Daraus leitet sich auch die Zielgruppe ab, die man mit der Anleihe ansprechen will.
  • Das Nominale ist der gesamte Geldbetrag, der über eine Anleihe eingesammelt wird.
  • Man unterscheidet in Bezug auf den Handelsplatz der Anleihe den Primärmarkt und den Sekundärmarkt. Auf dem Primärmarkt werden Anleihen zum ersten Mal gehandelt, wenn sie also neu emittiert werden. Auf dem Sekundärmarkt werden bereits emittierte, das heißt, im Umlauf befindliche Anleihen gehandelt.

Es gibt unzählige verschiedene Arten und Ausgestaltungen von Anleihen, deren genau Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Es gibt aber unterschiedliche Kriterien, nach denen Anleihen im Groben weiter unterteilt werden können. Einige davon sind:

  • Nach dem Emittenten: Es gibt verschiedene Arten von Schuldnern, die Anleihen begeben. Es können öffentliche Einrichtungen, wie der Staat, oder ein Bundesland, sein, aber auch Unternehmen.
  • Nach der Laufzeit: Anleihen können über kurze Zeiträume von wenigen Monaten ebenso aufgelegt werden, wie im Extremfall über mehrere Jahrzehnte. Auch de facto unendliche Schuldverschreibungen sind denkbar.
  • Nach der Art der Verzinsung: Es sind fixe Zinsen ebenso denkbar und üblich, wie variable Zinsvereinbarungen.
  • Nach der Rangordnung: Anleihen können unterschiedliche Ränge in der Kapitalstruktur eines Unternehmens einnehmen und entweder besichert sein, oder nicht. In einem Fall, wo der Emittent in Zahlungsschwierigkeiten gerät oder gar in die Insolvenz schlittert, entscheiden Rangordnung und Besicherung ganz wesentlich mit, ob und wieviel Geld man vom Schuldner möglicherweise noch zurückerhalten kann.

Anleihen werden oftmals auch an der Börse gehandelt. Anders als beispielsweise Aktien wird ihr Preis aber nicht in Geldeinheiten ausgedrückt, sondern in Prozent. Diese Prozentzahl bezieht sich auf das Nominale der Anleihe. Zur Preisbildung verweisen wir noch auf die Ausführungen weiter unten.

Anleihen sind ganz allgemein mit einer Vielzahl von Risiken behaftet. Das offensichtlichste ist logischerweise, dass man sein Geld vom Schuldner möglicherweise nicht, nicht vollständig, oder nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurückerhält.

Ein weiteres, etwas verstecktes Risiko ist jenes durch die Inflation. Was Inflation genau ist und welche Ursachen sie haben kann, wird erst später erläutert, aber ganz allgemein ist mit dem Begriff der Verlust von Kaufkraft einer bestimmten Menge Geld im Verlauf der Zeit verbunden. Aus bestimmten Gründen kann ich wahrscheinlich heute um den Betrag von eintausend Euro mehr Güter erwerben, als ich es in zehn Jahren tun könnte. Wenn ich heute diese eintausend Euro verborge, und erst in zehn Jahren wiederbekomme, verliert diese Summe an Kaufkraft. Je höher dieser Kaufkraftverlust in der Zukunft sein wird, desto höher muss logischerweise die Überlassungsprämie, der Zins der Anleihe, sein, damit ich nicht Teile meines Kapitals in realem Wert gemessen verliere.

Ein drittes, etwas komplexeres Konzept ist das sogenannte Zinsänderungsrisiko. Ganz allgemein ist es so, dass der Wert einer Anleihe (und damit zusammenhängend natürlich auch ihr Preis, wenn sie an der Börse gehandelt wird) von verschiedenen Dingen abhängt. Erstens hängt der Wert der Anleihe von der Zahlungskraft des Schuldners ab. Je unsicherer das finanzielle Schicksal des Schuldners ist, desto weniger Interessenten wird es für Schuldverschreibungen desselben geben, weshalb der Preis nach unten geht. Ein weiterer Punkt, der Wert und Preis einer Anleihe beeinflusst, ist das allgemeine Zinsniveau. Wie bereits erklärt ist der Zins sozusagen der Preis für Geld. Je tiefer der Preis für Geld fällt, desto höher steigt der Wert jener Anlageformen, die noch höhere Erträge abwerfen.

Ein kurzes Beispiel: Ich leihe jemandem zu fünf Prozent Fixzinsen über zehn Jahre eintausend Euro und lasse mir darüber einen Schuldschein ausstellen. Zum Zeitpunkt dieser Transaktion steht das allgemeine Zinsniveau, das auch durch die Politik der Zentral- und Notenbanken beeinflusst wird, bei zwei Prozent. Ein Jahr später sinkt dieses Zinsniveau auf ein Prozent. Damit gehen logischerweise auch die Zinsen nach unten, die man für ein Sparbuch bekäme. Jemand der nach diesem Jahr selbst Geld veranlagen möchte, würde möglicherweise für meinen Schuldschein, der ihm fünf Prozent auf tausend Euro im Jahr bringt, mehr als tausend Euro bieten. Der Wert desselben geht also nach oben. Dasselbe Konzept gilt auch vice versa für steigende Zinsen und lässt sich dem Grunde nach auf alle Arten von Anleihen übertragen. Das Risiko, dass sich das allgemeine Zinsniveau in Zukunft ändert und damit auch den Wert meiner Anleihen beeinflusst, nennt man Zinsänderungsrisiko.

Mit all dem jetzt beschriebenen sollte man in der Lage sein, den Unterschied zwischen Verzinsung und Rendite einer Anleihe zu begreifen. Der Zins bzw. Kupon bezieht sich wie gesagt immer auf den nominellen Betrag einer Anleihe. Da der Preis einer Anleihe aber variiert (u.a. aus den oben genannten Gründen), ist die tatsächliche Verzinsung, die man mit einer Anleihe erzielt, vom Preis abhängig, den man für die Anleihe bezahlt. Diese tatsächliche Verzinsung heißt Rendite.

Zum Abschluss noch ein Beispiel dafür:

Ich gebe jemandem via Schuldverschreibung 1000 EUR für ein Jahr. Als Zins werden 5% vereinbart, also 50 EUR. Wenn wir es dabei belassen, bekomme ich in einem Jahr die 1000 zuzüglich 50 EUR Zinsen wieder retour. Meine Rendite sind 5% und gleich dem Zins. Wenn ich aber plötzlich kalte Füße bekomme, ob ich mein Geld überhaupt wieder zurückerhalte, könnte ich beispielsweise an einen ahnungslosen Dritten die Anleihe verkaufen und diesem alle Anspruche aus der Schuldverschreibung übertragen. Dieser könnte 900 Euro dafür bezahlen. Wenn der Dritte nach Ablauf des Jahres tatsächlich seine Ansprüche (Zins und Rückzahlung) durchsetzen kann, ist seine Rendite höher. Er bekommt nämlich 1000 zurück und zusätzlich den Zins von 50, weil die 5% ja immer auf das Nominale bezogen sind. Insgesamt erhält er also 150 Euro Gewinn, und hat 900 riskiert. Das wäre eine Rendite von 16,67% für ein Jahr. Umgekehrt geht die Rendite natürlich unter den nominellen Zins zurück, wenn man mehr als den Nominalwert für die Anleihe bezahlt.

Vale Analyse Teil 3

Vale Analyse Substanzwert :

Die Annahmen beruhen alle auf USD Basis, da mir die relevanten Daten in USD zur Verfügung standen. Für die Betrachtung des Substanzwertes wurde der Bericht zum Q3 2014 herangezogen.

Ende des dritten Quartals 2014, hatte Vale einen Cashbestand von 7,882 Mrd USD. zuzüglich einer Position von 450 Mio USD an Wertpapieren ergibt, einen Bestand an Zahlungsmittel, und kurzfristig liquidierbaren Assets von 8,332 Mrd USD. Das Eigenkapital von Vale beläuft sich auf 62,099 Mrd USD und die Eigenkapitalquote beträgt 51%. Die Finanzverbindlichkeiten belaufen sich auf 29,3 Mrd USD. Damit ergibt sich ein Gearing von ~34%. Das Gearing liegt  im vgl. zu BHP Billiton (23,2%) und Rio Tinto (22%) höher, jedoch für ein zyklisches Unternehmen trotzdem in einem Bereich der eine gute finanzielle Stabilität erahnen lässt. Der Freie Cashflow ist positiv und die Dividendenzahlungen die für 2015 in der Größenordnung von 2 Mrd. USD angekündigt sind, sollten daraus ohne Probleme finanzierbar sein.

Wenn ich vom Eigenkapital die gesamten immateriellen Vermögenswerte abziehe, und die erhaltene Zahl durch die Anzahl der Aktien dividiere, erhalte ich eine gute Indikation, wo der Substanzwert der Aktie liegt. Das Ergebnis ist 9,72 USD, was einem Betrag von 8,6€ zum heutigen USD/€ Kurs entspricht. Vergleicht man diesen Betrag mit dem aktuellen Kurs der Vorzugsaktie von 5,55 €, so ergibt sich ein Abschlag von ca. 35% zum angesetzten Substanzwert. Damit  ist das Risiko nach unten, alleine durch die Margin of Safety im vgl. zum Substanzwert schon stark begrenzt.

Nun stellt sich die Frage, warum die Aktie recht deutlich unter Substanzwert, und noch deutlicher unter dem Buchwert gehandelt wird?

Ein möglicher Grund dafür wäre, dass Vale Verluste schreibt, was Sie aber derzeit nicht tun. (Zumindest über die ersten 3 Quartale 2014 gesehen)

Eine andere Möglichkeit ist, dass die Eigenkapitalrendite die sich die Investoren erwarten, einfach zu gering ist, und das scheint bei Vale auch der Fall zu sein. Das KBV liegt genau bei 1, wenn die Eigenkapitalrendite die Eigenkapitalkosten abdeckt. Nicolas Schmidlin, hat eine Formel für das faire KBV daraus entwickelt. Ich habe mir dies durchgerechnet, und komme auf ein faires KBV, welches  dem aus der Bilanz gerechneten KBV (o,54) entspricht, bei Eigenkapitalkosten von ca. 9%. D.h. die Eigenkapitalkosten liegen bei 9%, und dies ist bei weitem höher als die rund 5% Eigenkapitalrendite, die Vale heuer wahrscheinlich erzielen wird. Dies rechtfertigt derzeit, durchaus einen Abschlag zu einem KBV von 1.

Somit bleibt die Fragestellung offen, kann Vale in Zukunft wieder höhere Renditen erwirtschaften ?

Aber dazu mehr in Teil 4, wo eine Ertragswertberechnung für die Vale durchgeführt werden wird.

Anbei noch ein Interessanter Link zum Thema:

http://seekingalpha.com/article/2873476-only-the-strong-can-survive-in-the-iron-ore-industry-when-prices-are-falling

Portfolio Update

Im heutigen kurzen Artikel sollen einige News und Entwicklungen im Hinblick auf Unternehmen, die sich im Bargain-Portfolio befinden, behandelt und reflektiert werden.

Apache

Der seit Jahrzehnten erfolgreiche Value Investor Charles Brandes hat sich deutlich über 1 Million Aktien des Ölförderers Apache gekauft. Außer bei meinen Trittbrettfahrer-Entscheidungen, zu denen aus heutiger Sicht lediglich die Sodastream International zählt, ist die Präsenz von bekannten Investoren für mich kein Entscheidungskriterium per se. Trotzdem ist es aus meiner Sicht zumindest kein Nachteil, wenn jemand von der Reputation Brandes` in Bezug auf ein Unternehmen ähnliche Gedanken im Hinblick auf dessen Attraktivität zu haben scheint. Generell ist bei Brandes im letzten Quartal 2014 ein Trend hin zu mehr Öl und Gas zu erkennen, wenn man sich dessen Handlungen auf Gurufocus ansieht.

Beta Systems

Hier habe ich in den letzten Tagen meine Position zu Kursen von 1,70 EUR je Stück weiter ausgebaut. Von der Gewichtung her macht die Beta mittlerweile deutlich mehr als 3% des Portfolios aus. Die Sektion Bargain Portfolio wird in den nächsten Tagen dementsprechend aktualisiert.

Das Unternehmen hat vor kurzem bekanntgegeben, dass es einen neuen Chef hat, nämlich Armin Steiner. Viel konnte ich hinsichtlich der Qualifikation und der Vorgeschichte des „Neuen“ noch nicht in Erfahrung bringen.

Do&Co

Eine äußerst erfreuliche strategische Entscheidung hat Do&Co per ad hoc am 10.02.2015 bekannt gegeben. Man werde zusammen mit Nestle Nespresso Cafehäuser eröffnen und betreiben. Ich bin der Meinung, dass dieses Modell perfekt in den Rahmen der Wettbewerbsvorteile von Do&Co passt, die ich auf der Absatzseite bei der Marke und auf der Inputseite bei Synergie- und Skaleneffekten bei Personal- und Rohstoffbeschaffung sehe. Hinsichtlich der Marke glaube ich, dass es hier nicht nur um die Bekanntheit geht, sondern auch um die Preissetzungsmacht, die die Marke verleiht. Gerade für die Marken, die im Do&Co-Portfolio sind (Do&Co, Henry, Hediard, Demel) sind Kunden im Normalfall bereit, etwas mehr zu bezahlen, als für ein sonst äquivalentes Nichtmarkenprodukt. Auf der Beschaffungsseite meine ich, dass man enorme Kostenvorteile gegenüber kleinen Anbietern hat, wenn man in großen Mengen Rohstoffe und Nahrungsmittel erwirbt und außerdem sein eigenes Personal ausbildet. Hier entsteht in jeder Stadt, in der Do&Co bereits Airline-Catering und Event-Catering anbietet, ein toller Netzwerkeffekt.

IBM

IBM Watson hat Japanisch gelernt. Man hat eine Partnerschaft mit SoftBank bekannt gegeben, einem japanischen Multimediakonzern, der auch unter anderem Roboter entwickelt. Ziel der Partnerschaft ist vorerst die Entwicklung von Apps, die Fragen in natürlicher Sprache erfassen und Probleme diesbezüglich unter Durcharbeitung gewaltiger Datenmengen lösen können – die Kernkompetenz von Watson. Man möchte damit in verschiedenen Branchen reüssieren, wie bspw Banken, Erziehungswesen, oder auch dem Gesundheitswesen.

Die Ausbreitung dieser Kompetenzen auf mehrere Branchen und vor allem noch mehr Länder wird meines Erachtens der Wachstumstreiber des Unternehmens sein – und seine bereits atemberaubend gute Vernetzung in der „corporate world“ ist der Grund dafür, warum dieser Wachstumspfad in den nächsten beiden Jahrzehnten meiner Meinung nach gelingen wird. Ein weiterer Gedanke darf bei IBM nicht vergessen werden: die Kompetenz von Watson wird meines Erachtens dazu führen, dass mittelfristig extrem viel Personal im Unternehmen selbst – vor allem im Consulting-Bereich – eingespart wird, was die Kosten senken wird, ohne das Geschäftsvolumen zu beeinträchtigen.

Posco

Hier gilt das bereits zu Apache Gesagte, nur vice versa. Ich führe Posco als cigar butt und deshalb grundsätzlich unabhängig von den Handlungen eines einzelnen anderen Investors. Allerdings kann man es trotzdem zum Anlass nehmen, die eigene Investmentthese erneut zu hinterfragen, wenn jemand vom Format Charlie Mungers zu ähnlichen Preisen seine Position im Unternehmen größtenteils liquidiert. Posco kommt deswegen also unter nähere Beobachtung in den nächsten Wochen und gesellt sich zu Transocean, wo zu überlegen ist, wie das Management in Zukunft seine Kapitalallokation gestaltet, v.a. in Bezug auf die Dividendenzahlungen für das kommende Geschäftsjahr.

Performance Check Austria: AMAG

Im dieswöchigen Performance-Check ist – nachdem ich die Andritz bereits vorige Woche behandelt habe – die AMAG dran, ein österreichischer Aluminiumkonzern. Der heutige Beitrag und die bereitgestellten Zahlen gestalten sich etwas kürzer, da das Unternehmen erst im April 2011 an die Börse gekommen ist. Auf die Einbeziehung irgendwelcher pro-forma-Zahlen habe ich verzichtet. Die Zahlen verfügen aufgrund der Kürze des betrachtbaren Zeitraumes natürlich noch über keine wirkliche Aussagekraft.

Wie gehabt soll vorerst lediglich die Darstellung der Zahlen, möglichst ohne subjektive Wertung, erfolgen. Alle Leser, die mit den Motiven des performance checks noch nicht vertraut sind, können diese im Einleitungsartikel nachlesen.

Entwicklung Buchwert je Aktie

Buchwert
(MEUR)
Aktienzahl
(Tsd.)
BW je
Aktie
Divi Gewinn
je Aktie
2011 543 35.264 15.40 0 2.5
2012 544 35.264 15.43 1.5 2.02
2013 584 35.264 16.56 0.6 1.59
Sep-14 599 35.264 16.99 0.6 1.27
Summe 2.7 7.38
Wertzuwachs 1.59
Einbehalten 4.68
Differenz -3.09

Entwicklung Ertragslage

Hier musste ich die Darstellung auf mehrere Tabellen splitten, da das Unternehmen freundlicherweise bereits nach kürzester Zeit in der GuV-Darstellung vom Gesamtkostenverfahren auf das Umsatzkostenverfahren umgestellt hat. Soviel zum Anspruch der „comparability“, der von den IFRS erhoben wird…

Gesamt-
Leistung
(MEUR)
Material-
kosten
Personal-kosten Sonstige betr.
Aufw.
Gewinn
(MEUR)
2011 828 531 99 46 59 86
2012 830 536 102 51 57 71
Umsatz Umsatz-
kosten
Vertrieb Verwaltung F&E sonstiger
Aufwand
Gewinn
2013 786 657 36 17 8 3 56
Sep-14 607 514 27 15 6 5 45
Marge
(in %)
Material-
kosten-
quote
Personal-
kosten-
Quote
  1. Quote
Sonst.
Betr.
Aufw.
Quote
2011 10.39% 64.13% 11.96% 5.56% 7.13%
2012 8.55% 64.58% 12.29% 6.14% 6.87%
Marge Umsatz-
kosten-
quote
Vertriebs-
kosten-
quote
Verw.-
kosten-
quote
F&E
quote
sonstige
Aufwands-
quote
2013 7.12% 83.59% 4.58% 2.16% 1.02% 0.38%
Sep-14 7.41% 84.68% 4.45% 2.47% 0.99% 0.82%

Entwicklung Verschuldung

Konzern-EK Finanzschulden Cash und
Wertpapiere
Gearing
2011 543 74 61 2.39%
2012 544 110 85 4.60%
2013 584 130 79 8.73%
Sep-14 599 140 56 14.02%
Konzern-EK Bilanzsumme EK-Quote
2011 543 876 61.99%
2012 544 880 61.82%
2013 584 933 62.59%
Sep-14 599 991 60.44%

Entwicklung Cashflow-Statement

lfd. CF Netto-
Investitionen
Free
Cashflow
AfA Zahlungen für
Akquisitionen
2011 105 44 61 46 0
2012 117 77 40 51 0
2013 122 126 -4 50 0
Sep-14 80 95 -15 40 0

Entwicklung der Rentabilitätskennzahlen

Gewinn Zinsen EK Bilanz-
summe
ROE ROA
2011 86 5 543 876 15.84% 10.39%
2012 71 4 544 880 13.05% 8.52%
2013 56 4 584 933 9.59% 6.43%

Kommentierte Links

Auch diese Woche gibt es wieder einige Links zu bestimmten Artikeln in den Medien mit Finanzmarktbezug, garniert mit eigenen Anmerkungen.

http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/4655430/Niedrigvolatile-Aktien-als-Geheimwaffe-im-Depot

Die Quintessenz des Artikels ist, dass manche Investoren offenbar bewusst Aktien mit niedriger Schwankungsanfälligkeit, dh geringem individuellem Risiko im Sinne des CAPM, auswählen und sich damit erhoffen, Überrenditen zu erzielen. Die Begründung dafür scheint zu sein, dass es in der Vergangenheit auch funktioniert hätte.

Wie hat Warren Buffett schon gesagt: „The beta of a stock doesn`t tell you a damn thing about it“. Das ist also wenig überraschend kein Standpunkt, den ich teile, weil ich mich mit dem Gedanken nicht anfreunden kann, dass man aus historischen Preisdaten etwas über das individuelle Risiko eines Unternehmens, also einen Wertfaktor, ablesen können soll. Es läuft im Prinzip immer auf dasselbe hinaus: Entweder man akzeptiert für sich die Grundannahme, dass Preis und Wert zwei völlig verschiedene Dinge sind, oder man akzeptiert es nicht.

Man kann als Value Investor meinetwegen zwei Zugänge zur Volatilität haben: entweder kann man sich überhaupt nicht darum scheren, wie stark der Preis in der Vergangenheit geschwankt ist (auch in Relation zum Referenzportfolio). Letztendlich geht es darum, Unternehmen zu bewerten und solche zu kaufen, die höchstwahrscheinlich mehr wert sind, als sie momentan kosten, und darauf zu warten, dass der Markt diese Lücke irgendwann in den nächsten Jahren schließt. Oder man kann es so betrachten, dass hohe Volatilität den Value Investor sogar begünstigt. Je stärker die kurzfristigen Schwankungen auf der preislichen Ebene ausfallen, und je öfter sie wiederkehren, desto größer ist der Vorteil für den, der einen kühlen Kopf bewahrt und genau das tut, was vorher beschrieben wurde. Der Ansatz, dass man sie bewusst meiden soll, um Mehrwert zu generieren, ist mE aber Blödsinn.

Besonders amüsant ist die Aussage des Fondsmanagers in dem Artikel: „Wenn ich heute antizipieren kann, wie der Markt Gewinne einschätzt oder auf Veränderungen bei Schätzungen reagiert, kann ich einen Mehrwert generieren“ – Wenn ich weiß, was passieren wird, kann ich was gewinnen. Was für eine Erkenntnis…

http://www.cnbc.com/id/102398488

Der großartige Seth Klarman schreibt über das, was er von Warren Buffett gelernt hat. Ich will hier gar nicht viel dazu sagen, Klarman spricht im Normalfall für sich selbst.

Nur eines kann ich mir nicht verkneifen: Punkt 5 entspricht hier genau dem, was unter dem ersten Artikel gesagt wurde: „Risk is not the same as volatility“. Das kann man gar nicht oft genug hervorheben.

http://www.ft.com/intl/cms/s/0/57ca1244-ad26-11e4-bfcf-00144feab7de.html

Das ist ein Artikel über ein Treffen zum Lunch mit Virginia „Ginni“ Rometty, sozusagen der „godmother“ von IBM. Ich muss gestehen, dass ich mir den Beitrag selektiv zu Gemüte führen musste, weil mich die Teile mit dem Essen nicht sonderlich interessiert haben. Wenn man etwas zwischen den Zeilen liest, bekommt man aber interessanten Input.

Er zeigt zunächst vor allem, wie stark IBM in den Geschäften der Welt verankert ist: 70% aller Unternehmen, 90% der Banken und 80% der Airlines nutzen zumindest in irgendeiner Art und Weise Technologien von IBM.

Das zweite, was mich fasziniert, ist ihre Haltung zum Unternehmen. Diese Frau hat genau zwei Jahre ihrer Karriere woanders verbracht, die restlichen 33 Jahre stand und steht sie im Dienste von Big Blue. Sie betont die starke Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Sie nennen sich „IBM-er“. Ob das auch für jene gilt, die in den nächsten zehn Jahren von Watson wegrationalisiert werden?

Wo ich völlig anderer Meinung bin, als die Grande Dame der Unternehmenswelt, ist in Bezug auf die Frage, ob Maschinen wie Watson, die cognitive computing „können“, gefährlich seien oder nicht. Natürlich sind sie das! In diesem Zusammenhang leide ich vielleicht auch an einer Art Meinungsschizophrenie. Vom ökonomischen Standpunkt her hoffe ich als IBM-Aktionär klarerweise, dass das Thema „cognitive computing“ möglichst schnell, effizient und gewinnbringend eingesetzt wird. Moralisch habe ich so meine Zweifel daran, welche Auswirkungen Effizienzgewinn in diesem Segment auf die Menschheit insgesamt haben wird. Aber so funktioniert eben der Kapitalismus, und diese Art Trennung von moralischer und wirtschaftlicher Perspektive wird wahrscheinlich für jede Branche darstellbar sein müssen.