Quickcheck: Goldminen

Ein weiteres Feld, das einen Value Investor momentan interessieren könnte, ist jenes der Goldminenaktien. Der Goldpreis scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen, die Berichterstattung ist durchwegs negativ und alle rechnen wahrscheinlich durch die kommende Zinserhöhung in den USA mit weiterem Abwärtsdruck: das perfekte Umfeld also für einen Value Investor, um sich nach potenziellen Käufen umzusehen. Goldminen tauchen immer wieder mal auf meinen Screens auf. Aus meiner Sicht spielen in dieser Branche folgende Kriterien eine tragende Rolle:

  • Die finanzielle Stabilität der Gesellschaft (wie überall)
  • Die Förderkosten
  • Die Lage der Minen

Finanzielle Stabilität ist für mich ohnehin bei allen meinen Investments ein entscheidender Punkt. Ich mag einfach keine Unternehmen erwerben, die nach Schuldenturnaround aussehen. Als Unternehmensaußenseiter fehlt mir da so gut wie immer der notwendige Einblick in die Gesellschaft, um die Totgeweihten von einem möglichen Phönix zu unterscheiden. Die Förderkosten sind bei Rohstoffaktien im Allgemeinen sehr wichtig. Wenn man eine Commodity herstellt bzw. anbietet, besteht der Wettbewerbsvorteil, wenn überhaupt einer vorhanden ist, wahrscheinlich in der Kostenstruktur. Bei der Lage der Minen möchte ich darauf schauen, in welchen Ländern das Unternehmen seinen Bergbau betreibt. Wenn der Großteil der geförderten Volumina in politisch instabilen Regionen abgebaut werden, ist entweder ein höherer Risikozuschlag zu fordern oder von einem Engagement überhaupt abzusehen.

Ich habe mir in einem ersten Schritt zehn verschiedene Goldminenbetreiber herausgesucht und nach vier verschiedenen Kennzahlen beurteilt: Eigenkapitalquote, Goodwill/Intangibles-Quote, Verschuldungsgrad und Verhältnis von schnell liquidierbaren Assets (UV*) zu Gesamtverbindlichkeiten:

EK-Quote Intangibles Finanz- verschuldung UV*/ Verbindlichkeiten
Agnico-Eagle 60,50% 14,65% 26,63% 32,60%
Barrick Gold 37,90% 34,60% 83,50% 27,50%
Minas Buenav. 80,00% n.a. 10,00% 65,00%
Eldorado Gold 75,40% 9% 2% 44%
Goldcorp 61% 3% 20% 19%
Gold Fields 53% 10,60% 42% 30%
Iamgold 66% 20,00% net cash 78%
Kinross 55% 3% 20% 65%
Newmont 52% n.a. 29% 50%
Randgold 92% n.a. net cash 177%

Interessant sehen von dieser Warte vor allem Cia de Minas Buenaventura, Eldorado Gold, IAmGold und Randgold aus. In kommenden Beiträgen möchte ich diese Unternehmen noch nach den anderen Kriterien (Lage der Minen und Förderkosten) sortiert ansehen.

Kommentierte Links

Zum Abschluss der Woche wieder ein paar Links zu interessanten Artikeln in den Medien und diversen Blogs:

http://valueandopportunity.com/2015/07/17/my-8-word-investing-philosophy-be-patient-think-independently-and-protect-the-downside/

Der Autor von valueandopportunity hat in einigen kurzen Worten seine Investmentphilosophie zusammengefasst. Sehr lesenswert!

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Uebergewicht-an-Boersen-Fonds-Investor-Icahn-bezeichnet-Blackrock-als-34-gefaehrliche-34-Firma-4430969

Carl Icahn nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es um seine Meinung zu Blackrock geht.

http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/4777657/Nur-Omas-Sparbuch-ist-massentauglich?_vl_backlink=/home/index.do

Sehr kritischer, aber meines Erachtens richtiger Artikel zum Thema Steuerpolitik und fehlende Massentauglichkeit von Wertpapieren

Portfolio Update Teilverkauf Do&Co AG

Ich habe heute begonnen, meine Position in der Do&Co AG (AT0000818802) zu reduzieren. Etwas mehr als ein Drittel des Bestandes hat mich heute zu 91 Euro je Stück verlassen. Über die Gründe möchte ich in diesem Artikel kurz berichten.

Zur Vorgeschichte: ich habe meine Anteile an Do&Co im September 2013 zu einem Preis von ungefähr 32 Euro je Stück erworben. Darüber habe ich noch unter meinem Usernamen „hobbyanalyse“ im Forum des Börseexpress ausführlich berichtet (der Link zu diesem Forum findet sich im Musterdepot). Die Situation bei Do&Co war damals jene, dass die Gesellschaft eine enorme Wachstumsdynamik aufwies, eine extrem stabile finanzielle Position hatte (mit einer Eigenkapitalquote von gut 55%, einem Net Cash von 60 MEUR und relativ wenig Goodwill). Außerdem ist das Management rund um den Gründer Attila Dogudan durch seinen beeindruckenden langfristigen Track Record keinen Beweis seiner Kompetenz mehr schuldig. Der Markt hatte damals Angst vor der politischen Krise in der Türkei und Do&Co macht ungefähr ein Drittel seines Umsatzes dort. Das hatte zur Folge, dass die Gesellschaft abzüglich Net Cash ungefähr um das 11-fache des aktuellen Jahresgewinnes gehandelt wurde, obwohl man durchaus das „Zeug“ zu zweistelligen Wachstumsraten in der Zukunft hatte. Der Enterprise Value lag damals also bei ungefähr 250 MEUR. Obendrein versprach die angekündigte Absicht, einen umfangreichen Corporate Bond zu attraktiven Konditionen zu begeben, zusätzliches Wachstumspotenzial.

Was seither geschah: Do&Co war eine der stärksten Aktien am Wiener Markt. Der Kurs konnte sich inklusive Dividenden fast verdreifachen und die Gesellschaft steht ante portas zum Milliardenkonzern. Der Umsatz wurde innerhalb von zwei Geschäftsjahren von 576 auf 795 MEUR gesteigert. Das EBITDA stieg von 58 auf 80 MEUR, das EBIT von 41 auf 53,5 MEUR und der Jahresüberschuss nach Minderheiten von 22,8 MEUR auf 34,8 MEUR, wobei hier ein Sondereffekt beinhaltet ist. Obendrein wurde um gut 100 MEUR mit dem „Haas-Haus“ am Wiener Stephansplatz eine der besten Immobilien in der Bundeshauptstadt Österreichs erworben. Gleichzeitig sank die Eigenkapitalquote auf 41%, und die Net Cash Position schlug um in ein Net Debt von ungefähr 125 MEUR. Der Enterprise Value liegt bei gut 1 Mrd. EUR. Durch diese Entwicklung wurde das Unternehmen am Wiener Markt also zu einer Art „hot stock“, wie auch die nachfolgende Tabelle zeigt:

Kennzahl 2012/13 2014/15
KGV (ex net cash) 11 25
KBV 1,6 4,4
EV/EBITDA 4,3 12,5
EV/EBIT 6,1 18,7

 

Egal, nach welchem Maßstab ich das Unternehmen beurteile, es zeigt sich auch bei Fortschreibung einer extremen Wachstumsdynamik eine sehr „fürstliche“ Bewertung, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, die Position zu reduzieren. Es kommt nämlich, wie zuvor erwähnt, noch dazu, dass erstens das aktuelle Jahresergebnis einen Sondereffekt aus einer geglückten Swap-Transaktion beinhaltet, der das Finanzergebnis schönt. Zweitens ist die Lage in der Türkei heute meines Erachtens nicht sicherer als vor zwei Jahren. Drittens profitiert Do&Co derzeit sehr stark von den gesunkenen Ölpreisen, da man sehr viel Geld im Airline Catering verdient und das wird meiner laienhaften Ansicht nicht immer so bleiben. Viertens wird es zunehmend schwerer, diese Wachstumsraten auch in Zukunft fortzusetzen, wenn man mal ein Milliardenkonzern geworden ist.

Nachtrag: Wenn ich mir die Bewertung so ansehe und durch den Kopf gehen lasse, drängt sich mir immer mehr die Frage auf, wer zu solchen Kursen einkauft. Ob das wirklich alles automatisierte Fonds sind, die kaufen, weil Do&Co nun eine bestimmte Marktkapitalisierung erreicht hat? Oder gibt es hier auch individuelle Käufer? Man kann zwar an der Börse kaum etwas mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wissen, aber hier lehne ich mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es zumindest keine Margin of Safety mehr gibt.

Buchvorstellung „Der Dhandho-Investor“

Im heutigen Artikel möchte ich einige Sätze zum Werk des indischstämmigen Value Investors Mohnish Pabrai verlieren, das den vollen Titel „Der Dhandho-Investor: So funktioniert Value-Investing auf Indisch“ trägt. Pabrai möchte in diesem Buch die indische Kultur mit westlichem Kapitalismus vermischen.

Zunächst zum Autor ein paar Worte: Mohnish wurde im Jahr 1964 in Bombai geboren. Nach einigen Jahren Berufserfahrung bei Tellabs gründete er sein eigenes Unternehmen mit dem Namen TransTech, welches er um die Jahrtausendwende für eine hübsche Summe verkaufen konnte. Seither betreibt er in Form eines 1-Mann-Unternehmens die Investmentgesellschaft PabraiFunds, die nach dem Vorbild der Buffett-Partnership aufgesetzt ist.

Mohnish beginnt sein Werk mit der Fallstudie der Patels, einem indischen Clan, dessen Angehörige in den 70er Jahren mittellos nach Amerika ausgewandert sind und es über die folgenden Jahrzehnte geschafft hat, dass jedes fünfte Motel im Besitz eines Angehörigen des Clans ist, verstreut über die gesamten Vereinigten Staaten. Das Buch erläutert den Begriff „Dhandho“ und übersetzt ihn als die „Bemühung, Wohlstand zu schaffen“. Pabrai grenzt den Begriff noch weiter ein und möchte diese Bemühung zur Schaffung von Wohlstand mit niedrigem Risiko verwirklicht wissen.

Er versteht dabei wie viele Value Investoren das Risiko als die Gefahr eines dauerhaften Kapitalverlustes. Davon trennt er strikt den Begriff der Unsicherheit und empfiehlt die Suche nach Investitionen, die in diesem Sinne eine hohe Unsicherheit, aber ein niedriges Risiko aufweisen und wo der Aktienmarkt diese beiden Begriffe schlichtweg verdreht. Eine Situation großer Unsicherheit, aber mit geringem Risiko war für ihn beispielsweise um die Jahrtausendwende ein Bestattungsunternehmen, das Probleme hatte, seine Kreditverbindlichkeiten zu strukturieren. Hier gab es mehrere Szenarien, wo niemand wusste, welches tatsächlich eintreten würde, wo aber in keinem Fall die Gefahr eines dauerhaften Kapitalverlustes besonders groß war, weil das Unternehmen über eine Vielzahl „funktionierender“ und vor allem eigenständiger Bestattungseinheitenverfügte. Pabrai hält nicht besonders viel von Streuung. Stattdessen möchte er wenige Wetten, die hohe Chancen bieten, mit hohem Einsatz platzieren. Dazu bedient er sich auch der Kelly-Formel.

Aus meiner Sicht ist dieses Buch eine sehr gute Einsteigerlektüre. Es ist auch in der deutschen Übersetzung sehr gut lesbar, was auf viele andere Werke von Finanzbuchverlagen nicht zutrifft. Die Rückbesinnung auf die korrekte Unterscheidung von Risiko und Unsicherheit im Sinne des Value Investoren ist aber auch für Fortgeschrittene immer wieder nützlich. Leider vereinfacht Pabrai, wie ich finde, da und dort einige Dinge zu stark: so werden beispielsweise die verschiedenen Unternehmungen von Richard Branson als klassisches „Dhandho“-Vorgehen dargestellt, weil Branson oftmals kaum eigenes Kapital riskiert. Hier wird aber übersehen, dass im Falle eines Flops einer neuen Geschäftsidee möglicherweise negative Rückkopplungen auf andere bisher funktionierende Geschäftsbereiche von Bransons Virgin Group entstehen können, die ja allesamt unter derselben Marke laufen. Es besteht also implizit sehr wohl ein höheres Risiko auch im Pabrai`schen Sinne.

Verwendete externe Quellen außer dem Buch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohnish_Pabrai (Biographie von Mohnish Pabrai)

Interview für aktienkaufen24.com

Heute darf ich mal etwas Werbung machen: Alois Alexander Greiner von aktienkaufen24.com hat mich interviewt. Das Ergebnis dieses Gesprächs findet Ihr hier online:

http://www.aktienkaufen24.com/daniel-koinegg-bargain-investments#more-1140

Seht Euch die Seite von Alois mal an, es findet sich dort unter anderem auch ein sehr spannender und interessanter Erfahrungsbericht aus dem Woodstock für Kapitalisten, der Hauptversammlung von Warren Buffetts Berkshire Hathaway.

Stelios Kanakis Follow up

Gestern habe ich mich mit dem Jahresabschluss des Jahres 2014 der Stelios Kanakis SA auseinander gesetzt, die vor kurzem in einem Quickcheck behandelt wurde. Im heutigen Artikel gibt es nun einige Erkenntnisse hieraus.

Zunächst eine Richtigstellung gegenüber dem ersten Teil des Quickchecks vom 28. Juni 2015: die Aktien befinden sich zwar wie dort behauptet in den Händen der Gründerfamilie, allerdings zum Großteil in den Händen des Sohnes des Gründers, nämlich Stylianos Kanakis (rd. 72%). Maria ist die Frau von Stylianos und hält 8%.

Die Gesellschaft ist ständig dabei, neue Produkte und Marken in sein Portfolio aufzunehmen. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 24 neue Elemente in den Verkaufskatalog aufgenommen. So hat man beispielsweise das Eissortiment der italienischen Marke Fabbri 1905 erweitert, oder eine Vertriebskooperation mit dem amerikanischen Bäckerei-Industriellen Dawn Foods lanciert. Auf verschiedenen Messen und Kundenveranstaltungen werden die Produkte den Abnehmern präsentiert. So hielt man beispielsweise ein zweitägiges Seminar für bulgarische Köche in Thessaloniki gemeinsam mit dem bulgarischen Vertriebspartner Alma Libre ab.

Der Umsatz nach Produktkategorie stellt sich wie folgt dar:

Produktkategorie Umsatz (in TEUR)
Mixtures 2.916
Margarine 2.427
Bread Mixtures 3.018
Butter 2.183
Creams 1.763
Other Items 1.821
Ice Cream Products 1.471
Rest 2.298

Die Gesellschaft vertreibt also ein gut diversifiziertes Produktportfolio und fokussiert sich sehr stark auf Dinge des alltäglichen bzw. regelmäßigen Bedarfes. Der überwiegende Teil dieser Produkte wird in Euro bezogen (lediglich ein geringer Teil entfällt auf Dänische Kronen). Im Falle eines „Grexits“ würden sich die Einkaufskosten für Stelios Kanakis natürlich drastisch erhöhen und die Bruttomarge, die derzeit bei gut 34% liegt.

Die geographische Aufteilung des Umsatzes zeigt sich wie folgt:

Region Umsatz

(in TEUR)Attica8.206Peleponnes1.106Thessaly1.074Mazedonien3.980Rest3.531

Insbesondere auf Mazedonien sollte man also Acht geben.

Das Kundenportfolio ist ebenfalls sehr breit gefächert. Unternehmensangaben zufolge hat man über 2500 Kunden, wobei keiner mehr als 5% des Umsatzes trägt, was sehr positiv ist. Von den Lieferforderungen waren per Ende 2014 ungefähr 10% mehr als ein Jahr überfällig, was eine knappe Verbesserung gegenüber 2013 darstellt. Es kann aber durchaus sein, dass durch die letzten Verwerfungen in Griechenland dieser Wert im laufenden Jahr ansteigt. Angesichts der jüngst erzielten Einigung sehe ich den Cashbestand, der zum überwiegenden Teil bei Banken liegt, wieder als sicher an.

Eine gewisse Sensibilität sehe ich auch gegenüber etwaigen Grund- und Immobiliensteuererhöhungen. Man hat zu Anschaffungskosten bzw. teilweise auch zu fair value (Immobilien werden laut Anhang alle 4 Jahre geschätzt) insgesamt 3,6 MEUR Grundstücke und knapp 4 MEUR Gebäude in der Bilanz stehen.

Die Kompensation des Managements kommt mir mit rund 500 TEUR etwas hoch vor. Hier werden 6 Mitglieder im Board bezahlt. Neben den variablen Kosten, die sich aus den Preisen für bezogene Waren bilden, ist der Personalaufwand der größte Kostenbrocken. Hier werden für 63 Mitarbeiter derzeit knapp 2,3 MEUR ausgegeben. Die Personalkostenintensität liegt derzeit also bei knapp 13%.

Es gibt keine übermäßigen Leasingzusagen. Für die nächsten 5 Jahre sind derzeit knapp 150 TEUR aus fix vorhandenen operating leasing-Verträgen vorgesehen, was die Finanzierungssituation des Unternehmens kaum verändert.

Fazit: Bisher habe ich noch nichts gefunden, was mich sonderlich abschreckt.

 

Kommentierte Links

Auch heute gibt es wieder eine Sammlung von interessanten Beiträgen aus der breiten Medienlandschaft. Die Inhalte sind so gewählt, dass sie durchaus im Kontext zu Unternehmen zu sehen sind, die auch im Bargain Magazine behandelt werden.

http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/ibm-praesentiert-den-superchip-810306

Für alle, die sich auch mit IBM beschäftigen, könnte dieser Artikel interessant sein, der über den jüngsten Forschungserfolg in der Computerchipentwicklung berichtet.

http://www.preis-und-wert.com/analyse-balda-aktie/

Der Value Investor TobiB, der den sehr lesenswerten Blog Preis und Wert betreibt, hat eine ausgezeichnete und sehr umfassende Analyse der Balda AG veröffentlicht. Schaut Euch das mal an!

http://wirtschaftsblatt.at/home/boerse/international/4773024/China-stemmt-sich-mit-radikalen-Massnahmen-gegen-die-BorsenTalfahrt?_vl_backlink=/home/index.do

Weil wir gerade erst den chinesischen Börsenkrach via Quickcheck des Pekinger Flughafens im Bargain Magazine hatten: dieser Artikel im Wirtschaftsblatt beschreibt eine bemerkenswerte Maßnahme, wie sich die chinesische Obrigkeit gegen den jüngsten Kursverfall stemmt: Veräußerungsverbote für größere Beteiligungen.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bp-kann-jetzt-auf-wachstum-umschalten-1.18574084

Dieser Beitrag ist zwar schon ein paar Tage alt, sollte aber trotzdem thematisiert werden. BP mit der amerikanischen Obrigkeit einen Kompromiss in Bezug auf die Katastrophe im Golf von Mexiko gefunden. Lest selbst.

 

 

 

 

Quickcheck Beijing Capital International Airport

In diesem Quickcheck geht es um einen Flughafen. Nicht einfach irgendeinen Flughafen, sondern den größten Flughafen in China, der passenderweise auch an der Börse notiert ist und den klingenden Namen Beijing Capital International Airport trägt (ISIN CNE100000221).

Bisher habe ich mich eigentlich nicht im Geringsten mit dem chinesischen Aktienmarkt beschäftigt, weshalb ich überhaupt keinen Überblick über die dortigen Gegebenheiten habe. Daher weiß ich auch noch nicht wirklich, ob mich bei diesem Flughafen ein mögliches Schnäppchen erwartet. Die momentane mediale Berichterstattung schreit aber förmlich danach, dass man mal anfängt, sich in China umzusehen: wenn nämlich ein Breitenmedium die Frage aufwirft, wie man denn die Abwärtsspirale aufhalten wird können, dann schlägt das Herz des Value Investors schon mal prophylaktisch höher. Wiederum soll dieser Quickcheck natürlich nicht als Kaufempfehlung missverstanden werden, sondern lediglich als Gedankenanstoß und Diskussionsgrundlage für die Leser des Bargain Magazines.

Das erste Terminal des Flughafens wurde 1980 eröffnet und in den Jahren 2004 und 2008 saniert. Das zweite Terminal wurde 1999 eröffnet. Der relativ moderne dritte Terminal scheint im Zuge der olympischen Spiele 2008 eröffnet. Zusammen mit einer weiteren Piste wurde dadurch die Kapazität auf 60 Millionen Passagiere im Jahr fast verdoppelt. Allerdings ist offenbar ein neuer Flughafen in Bau, nämlich Peking-Daxing, wo dann ab 2018 120 Millionen Passagiere jährlich abgefertigt werden können.

Laut dem Unternehmensprofil des Jahresberichts 2014 besteht das Grundkapital des Unternehmens insgesamt aus rund 4,33 Mrd. Stück Aktien, wobei 2,45 Mrd. davon sogenannte „Domestic shares“ sind, die in Händen der Regierung sind und der Rest sogenannte „H-Shares“, die für „alle anderen“ zur Verfügung stehen. Ob mit dieser Unterscheidung in zwei Aktiengattungen noch andere Fallstricke verbunden sind, muss ich erst recherchieren. Falls das jemand weiß, würde ich um Feedback bitten. Somit hält die öffentliche Hand aber offenbar (wenig überraschend) die Kontrollmehrheit.

Die Eigenkapitalquote beträgt etwas über 50%. Die intangibles-Quote ist völlig vernachlässigbar. Die Verschuldungssituation sieht so aus, dass rund 2,2 Mrd. Yuan einem Gesamtschuldenstand von insgesamt rund 12 Mrd. Yuan gegenüberstehen (wenn man wirklich alle Finanzschulden inkl. abgegrenztem Zinsaufwand berücksichtigt). Dementsprechend reicht das Umlaufvermögen auch bei weitem nicht aus, um die Gesamtverbindlichkeiten abzudecken. Aber eine solche Situation ist jetzt nicht wirklich untypisch für ein extrem kapitalintensives Geschäft wie einen Flughafen.

Von der Bewertung her lassen sich folgende erste Eindrücke ableiten. Die Gewinne pro Aktie lagen 2014 bei rund 0,32 Yuan. Wenn man den Preis der H-Aktie, die auch in Deutschland gehandelt wird, mit einem Wechselkurs von ca. 6,8 in Yuan umrechnet, kostet eine Aktie also 5,9 Yuan. Das wäre ein KGV von 18,4. Die gesamte Marktkapitalisierung liegt demnach bei rund 25,5 Mrd. Yuan. Das KBV liegt bei 1,5. Dazu kommt noch das net debt von ca. 10 Mrd. Yuan, und man hat einen EV von 35,5 Mrd. Yuan. Bei einem ausgewiesenen EBITDA von ca. 3,8 Mrd. Yuan gibt das einen EV/EBITDA-Multiple von ca. 9,3. Das alles ist ehrlich gesagt auch ohne näheren Peergroup-Vergleich keine Ausgangssituation, die mich vom Hocker reißt. Vor allem nicht, wenn man mit einbezieht, dass man de facto der chinesischen Regierung und ihren Eigenheiten ausgeliefert ist, das Währungsrisiko noch erschwerend dazu kommt, in unmittelbarer Nähe noch ein viel größerer Flughafen gebaut wird (wodurch das sonst bei Flughäfen typische Alleinstellungsmerkmal verloren geht) und man obendrein keine Ahnung von den Rechnungslegungsvorschriften hat.

Die Frage, die sich mir spontan noch aufdrängt, lautet: wer zum Teufel hat die Preise vor der bereits erfolgten heftigen Korrektur bezahlt?

Verwendete Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Peking (Allgemeines zum Flughafen)

http://en.bcia.com.cn/investor/annals.shtml (Download Center für die Jahresberichte)

http://www.finanzen.net/aktien/Beijing_Capital_International_Airport_2-Aktie (H-Aktie)

Quickcheck Kleemann Hellas SA

So, nach einem kurzen Blick weg von Griechenland hin zum Baltikum gibt es nun wieder ein griechisches Unternehmen in einem Quick-Check. Es nennt sich Kleemann Hellas SA (ISIN GRS 324253004). Wie bei allen Unternehmen in dieser Rubrik gilt folgende Warnung: Es werden Unternehmen vorgestellt, die möglicherweise (!) attraktive Value Investments sein könnten. Ich persönlich habe mich mit den Unternehmen noch nicht in die Tiefe beschäftigt. Die Rubrik soll nur Anregungen und Gedankenanstöße in einigen Sätzen für die Leser des Bargain Magazines sein.

Kleemann wurde im Jahr 1983 ins Leben gerufen und hat sich auf das Angebot von Lift- und Aufzugssystemen spezialisiert. Hier bietet man sowohl Lösungen an, die auf Zug basieren, als auch solche die hydraulisch arbeiten. Man hat beispielsweise Liftkabinen, Zugsysteme, Kabel, elektronische Bedienpanele, etc. im Angebot.

Die kontrollierende Aktionärsgruppe dürfte eine Familie Kokountzos sein, die scheinbar gut die Hälfte der ausstehenden Aktien besitzt und gleichzeitig auch im Vorstand bzw. Management des Unternehmens ist.

Per 31.03.2015 weist das Unternehmen eine Eigenkapitalquote von gut 65% auf. Die immateriellen Vermögensgegenstände sind quasi völlig unwesentlich. Bezogen auf das zinstragende Fremdkapital hat man eine Net Cash Position von knapp 7,5 MEUR. Das Umlaufvermögen nach Abzug aller Verbindlichkeiten beträgt sogar rund 43 MEUR. Daneben gibt es scheinbar noch eine Immobilie als Finanzanlage um 1,5 MEUR, steuerliche Assets in Höhe von 1,4 MEUR und verschiedene langfristige Forderungen in Höhe von knapp 7 MEUR. Insgesamt gibt es also auf Basis der Buchwerte ein nicht betriebsnotwendiges Vermögen von knapp 53 MEUR. Freilich ist wahrscheinlich nicht davon auszugehen, dass vor allem die langfristigen Forderungen alle werthaltig sind. Auch bei den Lieferforderungen wird es wahrscheinlich Ausfälle geben. Möglicherweise sollte man auch den Cashbestand etwas diskontieren.

Selbst bei einem Pauschaldiskont von 20% auf diese 53 MEUR bekommt man bei einer Marktkapitalisierung von etwas über 40 MEUR das gesamte operative Geschäft geschenkt. 2014 hat dieses operative Geschäft nach Abzug der Minderheitsanteile 3,5 MEUR erwirtschaftet. Laut einer Investorenpräsentation vom März 2015 ist ein nicht unwesentlicher Teil des Geschäfts exportlastig, eine Tatsache, die bei einem „Grexit“ nicht unbedingt von Nachteil sein muss.

Verwendete Quellen

http://www.kleemannlifts.de/index.php?lang=de (Allgemeines zum Unternehmen)

http://www.kleemannlifts.com/index.php?option=com_virtuemart&Itemid=223&lang=en (Produktpalette)

http://www.kleemann.gr/images/stories/financial_docs/apotelesmata/NEW__Presentation_27_03_15_eng.pdf (weitere Infos aus einer Investorenpräsentation vom März 2015)

http://www.finanzen.net/unternehmensprofil/Kleemann_Hellas_SA (Aktionärsstruktur)

http://www.kleemannlifts.com/index.php?option=com_k2&view=itemlist&layout=category&task=category&id=27&Itemid=238&lang=en (Download-Center für die Finanzberichte)

Quickcheck Harju Elekter

Im heutigen Quick-Check geht es mal nicht um Griechenland, sondern um ein kleines Unternehmen aus Estland mit dem Namen Harju Elekter (ISIN EE3100004250), welches ich den Lesern des Bargain Magazines in einigen Sätzen vorstellen möchte. Wiederum gilt die ausdrückliche Warnung, die hinter jedem Quick-Check steht: in dieser Rubrik werden Unternehmen aufs Tapet gebracht, die möglicherweise (!) attraktive Value Investments sein könnten. Mit Unternehmen, die hier vorgestellt werden, habe ich mich noch nicht in die Tiefe gehend beschäftigt. Es handelt sich hier lediglich um Anregungen und Gedankenanstöße für die Leser.

Die Gesellschaft wurde im Jahr 1968 gegründet und stellt elektronische Komponenten her. Dazu zählen unter anderem Stromzähler, Verteilerkästen, aber auch zum Beispiel Wandschränke für die Telekommunikationsbranche. Laut eigenen Angaben zählt man zu den größten Herstellern in der Baltischen Region.

Es gibt einen Hauptaktionär, nämlich die AS Harju KEK mit 32%. Dabei handelt es sich laut einem Imagevideo, das man sich auch übersetzen lassen kann, um eine Immobilienprojektentwicklungsgesellschaft mit Fokus auf Büro- und Gewerbeimmobilien. Von ING Luxemburg werden ebenfalls 11% gehalten, etwas weniger als die Hälfte der Anteile befinden sich im Streubesitz.

Das Unternehmen verfügt auf Basis der Zahlen zum 1. Quartal 2015 über eine Eigenkapitalquote von ca. 84% und über eine intangibles-Quote von weniger als 10%. Bezogen auf die Finanzverbindlichkeiten hat man knapp 8 MEUR net cash. Das Umlaufvermögen nach Abzug aller Verbindlichkeiten beträgt 15 MEUR. Interessant sind insbesondere die beiden Positionen im Anlagevermögen, „other long-term financial investments“ und „Investment property“. Bei ersterem handelt es sich unter anderem um rund 1,1 Millionen Aktien an der finnischen PKC Group, die derzeit rund 20 MEUR wert sind. Bei zweiterem handelt es sich um Fabrikhallen und Bürogebäude in Estland. Die sind schwer zu bewerten, werden aber zumindest nicht wertlos sein.

Wenn man jetzt hergeht, das Nettoumlaufvermögen nach Abzug aller Verbindlichkeiten in Höhe von 15 MEUR heranzieht, den Anteil an der PKC Group in Höhe von 20 MEUR und die Investment Properties mit einem Abschlag von 40%, also mit ca. 7 MEUR, gelangt man zu einem Wert von 42 MEUR. Das entspricht bereits fast zur Gänze der Marktkapitalisierung in Höhe von derzeit rund 47 MEUR. Wenn man die Investment Properties mit dem Buchwert ansetzt, hat man die Marktkapitalisierung sogar ganz abgedeckt. Das operative Geschäft, das in 2014, ein EBIT von über 2,2 MEUR gebracht hat, bekommt man fast bzw. zur Gänze gratis.

Verwendete Quellen:

http://www.harjuelekter.ee/en (Allgemeines zum Unternehmen)

http://www.harjuelekter.com/en/content/shareholders-structure (Aktionärsstruktur)

http://www.harjuelekter.com/en/content/financial-reports (Downloadcenter für Geschäftsberichte)

http://www.harjukek.ee/et/ (Startseite des Hauptaktionärs, wo man das Imagevideo auch anschauen kann)