Erstanalyse Maschinenfabrik Heid

Nach einer zweimonatigen Pause gibt es wieder Neues im Bargain Magazine. Der Grund für die längere Absenz ist, dass sich beruflich bei mir etwas verändert hat und ich deshalb deutlich weniger Zeit für das Verfassen von Artikeln zur Verfügung habe. Darum habe ich auch lange darüber nachgedacht, den Blog komplett einzustellen. Letztendlich scheint mir aber der Entschluss sinnvoller, weiter zu machen und lediglich die Frequenz der Artikel herunterzuschrauben. Letzteres wird aber deutlich ausfallen – schließlich wird der Großteil der verfügbaren Zeit für das Management meines privaten Portfolios notwendig sein. Es besteht aber die Zielsetzung, in einer gewissen Regelmäßigkeit neue Inhalte zu produzieren.

In den letzten zwei Monaten ist viel passiert, was man zum Gegenstand einer näheren Betrachtung machen könnte, weil es auch die im Bargain Magazine behandelten Themen tangiert. Als Beispiele seien folgende Sachverhalte genannt:

  • Der Ölpreis beginnt langsam, sich etwas zu erholen
  • IBM scheint weiterhin zu taumeln
  • Der österreichische Motorradzulieferer WP AG entwickelt sich operativ prächtig, geht aber von der Börse

Zur Maschinenfabrik Heid

Der heutige Artikel soll aber einen ersten Blick auf einen weiteren spannenden österreichischen Nebenwert eröffnen, nämlich auf die Maschinenfabrik Heid AG. Hinsichtlich dieses Unternehmens gelten ebenfalls die Warnhinweise, die ich auch schon zur UIAG oder zur WP AG formuliert habe. Ich habe diese Gesellschaft in meinem privaten Portfolio und bin deshalb nicht unbefangen. Macht Euch also selbst Euer Bild, insbesondere bei solch illiquiden Nebenwerten.

Zunächst ein paar Worte zur Geschichte des Unternehmens: Die Maschinenfabrik Heid ist eine Gesellschaft mit langer Tradition, gegründet im späten 19. Jahrhundert in Stockerau. Bereits 1901 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und scheinbar schon bald danach die Notiz an einer Börse, denn vor kurzem wurde der Heid auf der Homepage der Wiener Börse zum 110-jährigen Börsejubiläum gratuliert. Seit einigen Jahren hat die Heid ihr Selbstbild aber deutlich gewandelt, ist man doch eher eine Beteiligungsgesellschaft unter der Beherrschung des Deutschen Industriellen Senator Günter Rothenberger, dessen Gesellschaften zusammen per Stand 2014 über 90% des Stammkapitals kontrollierten.

Die wesentlichen Assets der Maschinenfabrik Heid

Vor einigen Tagen ist der Einzelabschluss 2015 der Maschinenfabrik Heid erschienen und dessen Inhalt bildet die Basis für diesen Artikel. In der Bilanz, die übrigens eine Eigenkapitalquote von etwa 95% aufweist, befinden sich vor allem zwei wesentliche Positionen, einerseits Immobilienvermögen und andererseits Finanzbeteiligungen. Das Immobilienvermögen umfasst im Prinzip das Werksgelände (Grundstücke, Werks- und Bürogebäude) der Maschinenfabrik in Stockerau mit einer Gesamtfläche von 52655 qm. Davon sind etwas mehr als 16000 qm bebaut und 36000 qm unbebaut. Ein Blick auf den Anlagespiegel offenbart, dass der Buchwert der Grundstücke möglicherweise etwas vom derzeit realisierbaren Verkehrswert abweicht. Die Anschaffungskosten (bei Grundstücken gleich dem Buchwert) belaufen sich insgesamt auf knapp 30000 Euro, was einem Äquivalent von etwa 56 Cent pro Quadratmeter entspricht. Es sei dem Leser nahegelegt, Preise vergleichbarer Grundstücke in Stockerau im Internet zu recherchieren. Als Indiz für die deutlichen stillen Reserven im Grundvermögen ist auch die Anmerkung im Jahresabschluss, dass man 2015 einen aufschiebend bedingten Kaufvertrag über einen Teil dieser Grundflächen abgeschlossen hat, aus dem man sich im Jahr 2016 einen Gewinn von rund 1 Mio. EUR erwartet. Das entspricht derzeit einem Achtel des gesamten Marktwertes der Maschinenfabrik Heid. Auch wenn es unmöglich ist, einen genauen Wert festzumachen, wird es nicht verkehrt sein, behelfsmäßig „ein paar Mio. Euro“ für diese Position anzusetzen.

Die Finanzbeteiligungen umfassen folgende Posten:

  • 7,64% an der Diskus Werke AG
  • 2,13% an der DVS Technology GmbH
  • 10% an der WMS Sinsheim GmbH
  • 10% an der Heid Werkzeugmaschinen GmbH

Die Diskus Werke AG notiert ebenfalls an der Börse. Bei einer Marktkapitalisierung von etwa 120 Mio. EUR ergibt sich ein derzeitiger Marktwert des Aktienpaketes von ca. 9,2 MEUR. Man muss sich natürlich noch die operative Performance der Gesellschaft genauer ansehen und überlegen, ob der aktuelle Börsenwert gerechtfertigt ist. Im ersten Halbjahr 2015 hat diese Gesellschaft einen Gewinn von etwas mehr als 3 MEUR erwirtschaftet. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr wären das knapp 6 MEUR, was zeigt, dass die Bewertung zumindest nicht völlig aus der Luft gegriffen ist (wenngleich je nach Wachstumsaussichten vielleicht etwas sportlich).

Die DVS Technology GmbH hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Ergebnis von rund 11 Mio. Euro erwirtschaftet. Anteilig entfallen davon also rund 234 TEUR auf die Heid. Behelfsmäßig mit einem Multiple von 10 hochgerechnet ergäbe sich ein Wertansatz von etwa 2,34 MEUR.

Die WMS Sinsheim GmbH und die Heid Werkzeugmaschinen GmbH sind mit Jahresergebnissen von 196 TEUR und -3 TEUR vernachlässigbar, genauso wie die rund 22500 Anteile an dem PIA A3 Fonds.

Aufsummiert kommt man aber zumindest auf einen Verkehrswert des Eigenkapitals (nach Abzug der Gesamtverbindlichkeiten von ca. 0,56 MEUR von etwa 14 bis 15 MEUR, je nachdem welchen Wert man für das Immobilienvermögen ansetzt. Das entspräche einem inneren Wert je Aktie von 3,55 bis 3,8 EUR. Ein möglicher bevorstehender Trigger könnte zum Beispiel der bereits angesprochene Immobilienverkauf sein.

Von Zeit zu Zeit könnte man diesen Titel also beobachten, wenngleich noch einmal darauf hingewiesen sei, dass die Maschinenfabrik Heid ein äußerst illiquider Nebenwert ist, bei dem sehr heftige Kursschwankungen schon durch Handelsvolumina von weniger als 1000 Euro entstehen. Für größere Investoren ist das aber naturgemäß nichts, ebensowenig wie für Menschen, die grundlose Schwankungen von 30% bei einer Transaktion nicht mögen.