Gastartikel: Der Aktienführer Deutschland 2016

Vorbemerkungen von Daniel Koinegg: Heiko von www.superinvestors.international hat sich die Mühe gemacht und einen sogenannten Aktienführer für Deutschland erstellt. Es freut mich, dass er dieses Projekt im Rahmen eines kurzen Gastartikels auch im Bargain Magazine vorstellt. Viel Spaß beim Erkunden und Schmökern!

Ich darf euch heute in einem Gastartikel ein Ergebnis meines Projekts vorstellen.

Zu mir: Ich bin Ende Zwanzig und möchte den Zugang zu Finanzinformationen verbessern. Das mache ich für langfristig orientierte Anleger, die ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Fundamentaldaten treffen möchten.

Seit einiger Zeit erfasse ich Finanzdaten börsennotierter deutscher Unternehmen in einer Datenbank. Basierend auf diesen Daten habe ich nun einen Aktienführer Deutschland erstellt, der die 160 Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – den bekannten Indizes der Deutschen Börse AG – abdeckt.

Gestartet habe ich mit der Überlegung, welche Daten für eine Anlageentscheidung interessant sind und gleichzeitig erfasst werden können. Uninteressante Daten wollte ich vermeiden. Es wurden für alle Unternehmen prinzipiell die gleichen Daten erfasst, wobei es natürlich Unterschiede zwischen Finanz-, Immobilien- und Industrieunternehmen gibt. Zudem schrieb ich für alle Unternehmen eine kurze Tätigkeitsbeschreibung.

Herausgekommen ist ein gut 350 Seiten umfassender Aktienführer, der jedem Unternehmen eine Doppelseite einräumt. Neben allgemeinen Informationen und Tätigkeitsbeschreibung zeigt jede Doppelseite Daten für die letzten 10 Geschäftsjahre eines Unternehmens (sofern verfügbar), einige Diagramme und auch kursbezogene Kennzahlen, die natürlich nur Stichtags-aktuell sein können. Einige einleitende Seiten beinhalten zusätzliche Informationen z.B. zu Aktienarten, sodass der Aktienführer auch für Anfänger geeignet ist.

Gedacht ist der Aktienführer als Nachschlagewerk, zum Entdecken interessanter Unternehmen und als Überblick über die Aktien der bekannten deutschen Indizes. Das Format habe ich mit Din A5 bewusst handlich gewählt.

Wer mehr erfahren, mir ein Feedback geben oder ein eigenes Exemplar des Aktienführers haben möchte, darf gerne auf meiner Webseite www.zq-investor.com vorbeischauen.

Vielen Dank an Daniel, der mir uneigennützig diesen Artikel ermöglicht hat und allen Anlegern viel Erfolg beim Investieren!

Heiko

PS: Der Preis für ein Exemplar ist 24,99€ inklusive Versand nach D / AT / CH.

Portfolio-Report zum ersten Halbjahr 2016

Die erste Hälfte des Jahres 2016 ist ins Land gezogen und deswegen gibt es wieder eine kurze Zusammenfassung über die Performance seit Eröffnung des Musterportfolios Ende November 2014. Seit Beginn der Performancerechnung hat sich das Bargain-Portfolio nach Abzug aller bereits bezahlten Steuern und Gebühren um 8,5% verteuert. Der erste Vergleichsindex Eurostoxx50 (auf „total return“-Basis) fiel im selben Zeitraum von 6000 auf 5625,95 Punkte, bzw. um knapp 6,23%. Der zweite Vergleichsindex S&P 500 (ebenfalls auf „Total Return“- Basis erhöhte sich im selben Zeitraum von 3779 auf 3976,68 Punkte. Freilich muss man diesen Wert um Währungseffekte im EUR/USD korrigieren: Die 3779 Punkte geteilt durch den Wechselkurs zu Beginn (1,2475) ergeben rund 3029 „Euro-Punkte“ im S&P 500. Dasselbe Spiel erfolgt nun mit den aktuellen Werten und Wechselkursen (ca. 1,1122), ergibt rund 3575,61 „Euro-Punkte“ bzw. eine währungsbereinigte Performance von 18,03%. Zum S&P 500 zeigt sich also auf den ersten Blick eine signifikante underperformance, zum Eurostoxx aber eine klare outperformance.

Im ersten Halbjahr 2016 hat das Portfolio übrigens auch besser als der S&P abgeschnitten. Im Portfolio-Report für 2015 wurde nämlich eine zwischenzeitliche Performance für das Musterportfolio von 4,06% festgestellt, während für den S&P eine Performance von 16,15% zu Buche stand. Das Portfolio hatte somit im ersten Halbjahr 2016 trotz Berücksichtigung von Steuern und Gebühren eine Entwicklung von 4,44%, während der S&P ohne Steuerabzug auf weniger als 2% kommt. Interessant ist in diesem Zusammenhang dass gerade das erste Halbjahr 2016 von größerer Volatilität und Unsicherheit gekennzeichnet war. Eine überdurchschnittliche Performance in solchen Phasen ist typisch für Aktienportfolios mit Fokus auf Value Investing.

Nun ein paar Worte zu den wichtigsten Wetten im Portfolio:

International Business Machines (IBM)

Mit über 20 Prozent ist dieser Einzeltitel die mit Abstand am höchsten gewichtete Position im Bargain Portfolio. Die Prämissen der Investmentidee habe ich in der Rubrik IBM des Bargain Magazine wiederholt dargelegt und sie sind für mich nach wie vor unverändert aufrecht. Im bisherigen Jahresverlauf wurde das Engagement nicht mehr weiter ausgebaut. Innerhalb der nächsten Jahre sollten der Konzernumbau und insbesondere die üppigen Zukäufe der letzten Zeit Früchte tragen und zumindest das Schrumpfen des Umsatzes aufhören. Die Wall Street wartet zum größten Teil auf eine Änderung im Umsatztrend. Es ist nicht ausgeschlossen, dass schon ein bloßes Abstoppen des Umsatzrückganges bereits zu deutlichen Preissteigerungen bei der Aktie führt. Grundsätzlich ist das Management-Team rund um Ginni Rometty jetzt aber in einem Stadium angelangt, wo man bald vorzeigbare Ergebnisse in Form von besseren Zahlen liefern muss. Ansonsten wird man auch bei äußerst langfristig orientierten Investoren an Glaubwürdigkeit verlieren.

Öl

Wenn man alle ölverwandten Titel als eine Position sehen würde, wäre das Ölengagement nach wie vor einer der größten Bereiche des Portfolios. Zum Teil korreliert auch die Immofinanz aufgrund der starken Abhängigkeit vom russischen Rubel mit dem Ölpreis. Ähnliches gilt für den größten Neuzugang im Jahr 2016, nämlich den österreichischen Feuerwehrausstatter Rosenbauer International. Auch wenn ich mich hiermit vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne: es scheint derzeit doch eine gewisse Trendwende am Ölmarkt stattzufinden.

chart_öl_2015bis2016

Man sieht auf diesem Jahreschart die Entwicklung des Ölpreises (WTI). Ich habe im Februar 2016 einen Artikel verfasst, in dem ich die Ölproduktion in den USA näher untersucht habe. Die dort angenommenen Prämissen sind ebenfalls für mich unverändert aufrecht. Ein Teil davon scheint mittlerweile auch vom Ölmarkt und vom Ölpreis antizipiert zu werden. Man rechnet zumindest mit einem moderaten Rückgang der Produktion in den USA und einem graduellen Abbau der überschüssigen Reserven.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Folgende: Unter Berücksichtigung sämtlicher Dividenden und des teilweisen Verkaufs der BP-Position im Jänner 2016 ist die Wertentwicklung der Ölwette insgesamt nun im neutralen Bereich. Soll heißen: abgesehen von Opportunitätskosten bisher nichts gewonnen und nichts verloren. Und das, obwohl der Preis des zugrundeliegenden Rohstoffes sich halbiert hat. Ich will nichts schön reden. In dem zuvor zitierten Artikel über die US-Ölproduktion habe ich bereits angemerkt, dass der erste Einstieg in die Ölwette aller Wahrscheinlichkeit nach zu früh stattgefunden hat. Angesichts der Tatsache, dass der Ölpreis langfristig gesehen noch Luft nach oben hat, schaut es aber so aus, dass abgesehen von dem intellektuellen Gewinn durch den enormen Lerneffekt auch monetär etwas bleiben könnte.

Rosenbauer International

Mit Beginn im Jänner 2016 wurde diese Position aufgebaut. Der erste Einstieg erfolgte bei 63,3 Euro je Stück. Auf dem Weg nach unten gab es weitere Zukäufe und Rosenbauer ist mittlerweile nach Apache und IBM mit fast 7% die drittgrößte Position im Portfolio. Die Gründe für den Kauf finden sich in den Analysen, die ich in der Vergangenheit zu diesem Unternehmen veröffentlicht habe. Ich gehe davon aus, dass die von Mr. Market antizipierten Probleme vorübergehender Natur sind und innerhalb der nächsten Jahre behoben werden können. Es gibt Verzögerungen bei der Auslieferung und temporäre Effizienzverminderungen wegen Produktionsverlagerungen in ein neues Werk. Außerdem lasten die Investitionen in Saudi Arabien auf dem Kurs. Länder die stark am Ölpreis hängen werden ja noch immer als nicht besonders „sexy“ angesehen und Unternehmen, die sich dort engagieren, bekommen das auch zu spüren. Ich freue mich jedenfalls, Teilhaber an einem unangefochtenen Weltmarktführer im mehrheitlichen Familienbesitz zu sein.

Sonstiges

Ganz besonders fiebere ich einer neuen Erfahrung entgegen. Bei der im Februar 2016 erworbenen österreichischen WP AG habe ich meine Anteile vor dem Delisting nicht verkauft. Somit bin ich erstmals in meiner Investorenkarriere Miteigentümer eines nicht börsenotierten Unternehmens. Derzeit wird entsprechend den österreichischen Rechtsvorschriften die Umstellung von Inhaber- auf Namensaktien vorbereitet. Hierzu ist es erforderlich, sich nach dem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung in ein Aktionärsverzeichnis eintragen zu lassen, um die Eigentümerrechte gegenüber der Gesellschaft ausüben zu können. Soweit rechtlich nichts dagegen spricht und auch meine eigenen Interessen dadurch nicht beeinträchtigt sein könnten, werde ich hier von Zeit zu Zeit Erfahrungsberichte veröffentlichen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist mir aber schon klar geworden: es hat durchaus seine Vorteile, wenn es keinen Kurszettel gibt, auf den man regelmäßig zu schauen verleitet wird.

Die Cashquote im Portfolio liegt derzeit bei knapp 15% und ermöglicht da und dort Zukäufe, falls sich die Volatilität infolge der momentanen politischen Unsicherheit in Europa noch weiter erhöht.

Zum Abschluss dieses Portfolio-Reports möchte ich allen Leserinnen und Lesern vor allem dafür danken, dass Ihr Eure kostbare Zeit unter anderem meinen hier niedergeschriebenen Gedanken widmet und mir Euer Feedback dazu gebt. Das ist von unschätzbarem Wert. Außerdem wünsche ich Euch allen eine gesunde zweite Jahreshälfte.