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Auch in dieser Woche gibt es wieder eine Zusammenstellung von Medienartikeln, die meiner Meinung nach interessant zu lesen sind und außerdem einen gewissen Bezug mit den Themen, die auch schon im Bargain Magazine behandelt wurden, aufweisen. Wie gehabt sind die Artikel mit meinem eigenen Senf garniert.

http://valueandopportunity.com/2014/12/17/my-oil-price-forecast-and-a-few-random-thoughts-on-oil-and-oil-related-stocks/

Ich bin ein begeisterter Stammleser von valueandopportunity und deshalb habe ich mir auch diesen Artikel mit Gusto zu Gemüte geführt. Insbesondere gefällt mir die pragmatische Einsicht, dass im Prinzip niemand wissen oder gar mit Genauigkeit sagen kann, wo sich der Ölpreis in den nächsten Wochen, Monaten oder sogar Jahren hinbewegt. Die zahllosen Analystenfehlschläge in diesem Zusammenhang bezeugen diese Unfähigkeit noch zusätzlich. Auch den Schlussfolgerungen am Ende des Artikels habe ich im Prinzip nichts entgegenzusetzen, und vor allem den Ratschlag, hoch verschuldete Ölunternehmen zu meiden, kann ich besonders fett unterstreichen.

Wo ich persönlich allerdings einen anderen Standpunkt vertrete, ist (wenig überraschend), dass man aufgrund der (zutreffenden) Prämisse, dass niemand wissen könne, wie sich der Ölpreis entwickelt, die Schlussfolgerung trifft, generell Ölunternehmen skeptisch gegenüber zu stehen. Wenn man die Sache nüchtern und ehrlich betrachtet, weiß man am Aktienmarkt gar nichts mit Sicherheit. Von daher wäre die logische Konsequenz aus einer derartigen Feststellung, generell die Finger vom Markt zu lassen. Investmenttätigkeiten weisen per se eine Unsicherheitskomponente auf und können deshalb nicht im Umfeld völliger Gewissheit vollzogen werden. Es kann durchaus argumentiert werden, dass man beispielsweise Öl meidet, weil man davon ausgeht, dass die weltweite Nachfrage sinken wird, oder davon überzeugt ist, dass in der Fracking-Industrie eine technologische Neuerung die Förderkosten extrem nach unten drücken wird. Aus einer Unsicherheit, die aber jedem einzelnen Investment innewohnt, abzuleiten, dass eine bestimmte Branche gemieden werden sollte, ist aus meiner Sicht zu hart und restriktiv.

Außerdem vertrete ich die Meinung, dass die Analogie zum Stahlsektor, die im Artikel angewandt wird, nicht zulässig ist, allein schon aus dem Grund, dass alter Stahl zumindest zum Teil wiederverwendet und recycelt werden kann. Demnach wird Stahl nicht per se verbraucht, was für Öl auf der anderen Seite aber sehr wohl zutreffend ist.

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Bye-bye-Boerse-Delistings-Ab-durch-die-Hintertuer-4080870

Dieser Artikel streicht das Trauerspiel Delisting in Deutschland hervor. Ich habe bereits in einem der ersten Beiträge, die im Bargain Magazine erschienen sind, über diese Thematik geschrieben. Die Grundannahmen von damals sind noch immer dieselben, nämlich dass die Entwicklung problematisch für den Kapitalmarkt insgesamt ist, weil Aktionärsrechte zwar de iure nicht genommen, de facto aber erheblich beschnitten werden und die Herleitung der Begründung im Urteil des BGH aus meiner Sicht mehr als fragwürdig erscheint. Letzteres wird auch durch die Tabelle im Artikel von finanzen.net eklatant verdeutlicht, wo ganz klar die Kursverluste seit der Ankündigung des Börserückzuges bei den jeweiligen Titeln erkennbar sind. Wenn man in dem Zusammenhang die Behauptung des BGH liest, dass ein Kursverlust durch die Ankündigung an sich nicht zu beobachten sei, so kann man darüber nur den Kopf schütteln.

Nichtsdestotrotz hat sich mein Standpunkt über die Delistings etwas erweitert. Wenngleich ich nach wie vor von der Weltfremdheit einer derartigen Gerichtsentscheidung wie jener des BGH überzeugt bin, hat sich in den letzten Wochen und Monaten in mir persönlich doch zunehmend der Schnäppchenjäger gerührt und durchgesetzt. Wenn man gewillt ist, die eine oder andere rechtliche Strapaze und Recherchearbeit in Kauf zu nehmen, könnten die kommenden Delistings wahrscheinlich durchaus enormes Potenzial bieten, stellt eine derartige Situation doch den Paradefall für ein Szenario dar, in dem viele Verkäufer ungeachtet des inneren Wertes ihre Anteile auf den Markt werfen, weil sie den Verlust der Handelbarkeit einer Aktie mit dem Verlust ihres eingesetzten Kapitals gleichsetzen. Für all jene, die ihre Lektion über Mister Market ordentlich gelernt haben, sollte allerdings klar sein, dass ein derartiger Gedanke, der Handelbarkeit und Wert völlig gleich setzt, zu kurz gefasst ist. Ich selbst muss mich hier auch bei der Nase nehmen und in Zukunft verstärkt in diesen Nischen des Marktes suchen.

http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=79687&p=irol-rigcountsoverview

Oil again… Auf dieser Seite finden sich meines Erachtens sinnvolle Informationen für all jene, die mein Interesse für den Ölmarkt teilen, sind doch die rig counts (d.h. die Anzahl der Bohrstellen) hier wöchentlich aktualisiert einzusehen. Mit 19. Dezember 2014 ist erkennbar, dass sich insbesondere im kanadischen Markt einiges getan hat. Der Rückgang um 40 rigs ist eine enorme Bewegung, wenn man sich deren Gesamtzahl für Kanada anschaut (ein Zehntel Rückgang in einer einzigen Woche). Auch die Produktion in den USA ist schon die zweite Woche rückläufig, wenngleich nicht so stark. Im Prinzip leite ich für mich hier aber schon die Schlussfolgerung ab, dass Ölpreise in den jetzigen Niederungen vor allem den förderkostenintensiven Bereichen in Nordamerika erhebliche Schmerzen bereiten und eine nachhaltige Marktbereinigung auslösen sollten. Ebenso interessant ist allerdings die (wenngleich moderate) Zunahme des rig counts im Rest der Welt. Womit das zusammenhängen mag, kann ich allerdings nicht im geringsten beantworten.

2 Kommentare Kommentierte Links

  1. Michael C. Kissig

    Das mit den Delistings kann ein lukrativer Zock sein – ich verwende bewusst diesen Ausdruck. Denn die meisten der entsprechenden Aktien nehmen den gleichen Kursverlauf: nach der Ankündigung des Delistings geht es steil abwärts, dann fängt sich der Kurs, um sich danach wieder etwas zu erholen. Je konkreter das Delisting wird bzw. je näher dann der endgültige Termin rückt, desto mehr nimmt der Kurs wieder den Zug Richtung Süden.

    Von diesem Muster ausgehend kann man versuchen, die „Zwischenerholung“ auszunutzen und hier auf Kursgewinne zu setzen. Allerdings hat dies wenig mit Investieren zu tun, sondern eher mit Casino.

    Eine andere Möglichkeit ist, nach der Ankündigung des Delistings die eingebrochenen Aktien zu kaufen, um bewusst am Delisting teilzunehmen. Die Aktien werden dann irgendwann von der Börse genommen, aber man bleibt ja Eigentümer derselben. Man kann sie „nur“ nicht mehr so einfach verkaufen – defacto eigentlich nur noch an die übrigen Miteigentümer (oder über den Zweitmarkt Valora Effekten). Man könnte also darauf spekulieren, dass der/die Großaktionär/e ein Interesse haben, einem die restlichen Aktien abzukaufen. Allerdings ist dann die Preisfindung durchaus knifflig…

    Unter dem Strich denke ich, für Kleinanleger ist dies ein (zu) gewagtes Spiel. Hier sollte man lieber die Profis ranlassen, z.B. die von Dir favorisierte Deutsche Balaton oder Scherzer & Co. oder die Shareholder Value AG oder die Allerthal Werke. An denen kann man sich auch als Kleinanleger beteiligen und deren Aktien zur Not schnell wieder versilbern.

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    1. Daniel

      Völlig richtig, Michael. Erstere Möglichkeit ist ein Zock und hat nichts mit Value Investing zu tun. Zweitere Option kann unter Umständen langfristig lukrativ und sinnvoll sein, auch unter dem Gesichtspunkt, dass mittelfristig bei den von der Börse genommenen Unternehmen ein Squeeze Out stattfinden könnte, bei dem man dann ein gerichtlich überprüfbares Abfindungsangebot bekommt.

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