Nachtrag: Produktionsablauf MMK AG

Um ein besseres Verständnis für das Geschäft, welches die Mayr Melnhof Karton AG betreibt, zu bekommen, ist es aus Sicht des Bargain- Magazine wichtig, sich mit dem Produkt und deren Herstellung zu beschäftigen.Mayr Melnhof ist der lt. eigenen Angaben weltgrößte Hersteller von gestrichenem Recyclingkarton. Nun stellen sich aber sicher viele Leser die Frage, was eigentlich gestrichener Recyclingkarton ist, und wie dieser hergestellt wird? Als Hilfestellung dient Abbildung 1, welche schematisch und sehr einfach, den Herstellungsprozess von einseitig gestrichenen Karton (Chromokarton) erklären soll.

Prozessschaubild

Abbildung 1 Schematischer Aufbau einer Kartonfabrik zur Herstellung von gestrichenen Karton1

Altpapier

Als Rohstoff zur Herstellung von Chromokarton dient in erster Linie Altpapier/Karton. Die Verarbeitung von Altpapier/Karton ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, da sehr viel Energie, welche bei der Herstellung des frischen Zellstoffs benötigt wird, eingespart werden kann. Aus ökologischer Sicht ist ein geringerer Verbrauch an Faserholz vorteilhaft, weil eine Faustregel besagt, dass aus ca. 4t Holz 1t Zellstoff hergestellt werden kann.  Altpapier ist aber nicht beliebig oft rezyklierbar. Die Grenzen der Rezyklierbarkeit, sind durch die fortschreitende Versprödung der Zellstofffaser gesetzt, sodass diese bei 5-6 maligen Wiedereinsatz, durch die mechanische Einwirkung im Herstellungsprozess so fein vermahlen wird, dass diese keinen nennenswerten Beitrag zu den gewünschte Kartoneigenschaften mehr liefern kann.

Pulper

Den Pulper könnt Ihr Euch wie einen Mixer vorstellen, der unter Einsatz von ev. Chemikalien und Wasser die Fasern des Kartons voneinander löst, und somit den „Stoff“, wie ihn der Papiermacher umgangssprachlich nennt, pumpfähig und für die weiteren Schritte bearbeitbar macht.

Reinigung (Sieb und Cleaner)

Die Reinigung des Zellstoffs erfolgt nach dem Pulper über Drucksortierer, welche Ihr Euch schematisch einfach als Sieb vorstellen könnt. Drucksortierer trennen nach der Größe der Partikel, und erfassen somit alle Bestandteile, welche größer sind, als die Löcher im Sieb des Sortierers (z.B. Kunststofffolien). Feinere unerwünschte Stoffe werden über Cleaner abgeschieden, welche durch die Zentrifugalkraft Materialien unterschiedlicher Dichte trennen. Als Beispiel sind hierbei anorganische Stoffe zu nennen, wie z.B. kleine Steine oder Sand.

Deinking  (Entfernen der Druckfarbe von der Zellstofffaser)

Jetzt sollten noch die Druckfarben vom Altpapier entfernt werden. Das geschieht beim Deinkingprozess. Zuerst wird die Zellstoffpulpe in einem Disperger geknetet, wobei unter Einwirkung von Temperatur und Scherkräften, die Farbpartikel von der Faser herab gelöst werden, und wie der Name schon sagt, nach dem Prozessschritt, fein verteilt (dispergiert) in der Zellstoffpulpe vorliegen. Die Farbpartikel werden im nächsten Vorgang, der Flotation, unter Zuhilfenahme von fein verteilten Luftbläschen und Chemikalien abgetrennt. Die hydrophobe (wassermeidende) Druckfarbe lagert sich lieber an die Luftbläschen an, als weiter im Wasser zu verweilen, und steigt mit diesen an die Oberfläche. Von dort kann der Schaum, der mehrheitlich aus Druckfarbe besteht, abgeschöpft werden.

Mahlen

Das Mahlen der Zellstofffaser hat das Ziel, diese auszufransen und flexibler zu machen, um so eine höhere Bindungsfläche zwischen den Fasern im fertigen Karton herstellen zu können. Dies wirkt sich positiv auf die Festigkeiten aus. Zum Mahlen von Zellstoff gibt es unterschiedliche Methoden. Eine beliebte ist der Scheibenrefiner (siehe Abbildung 2). Dieser besteht aus einer rotierenden und einer stehenden Mahlscheibe. Der Zellstoff muss von innen radial nach außen wandern und wird dabei gemahlen.

Refiner

 Abbildung 22

Kartonmaschine

Nachdem der Stoff aufbereitet wurde, geht dieser auf die Kartonmaschine (siehe Abbildung 1). Die Prozessschritte dort sind folgendermaßen aufgeteilt: Zuerst erfolgt die Blattbildung auf einem rotierenden Sieb, dann wird der Karton gepresst, um weiteres Wasser zu entfernen, und anschließend getrocknet.   Streichen Der fertige Karton wird nun mit einer Mischung aus verschiedenen anorganischen Komponenten, wie Kalziumkarbonat oder Kaolin, und anderen Beischlagsstoffen gestrichen. Streichen hat den Zweck, eine glatte, homogene Oberfläche des Kartons zu ermöglichen, um ein gutes Druckbild auf dem Karton zu gewährleisten. Die „Streichfarbe“ wird meist über eine separate Filmpresse auf den Karton aufgetragen. (siehe Abbildung 3)

Filmpresse

Abbildung 33

  Somit ist der Chromokarton fertig und kann für die Faltschachtelherstellung verwendet werden. Abbildung 4 zeigt ein typisches Endprodukt, welches aus Chromokarton erzeugt wird.

Pizzaschachtel

Abbildung 44

Ableitungen für den Investor

Die Beschreibung zeigt deutlich, dass die Kartonherstellung sehr energieintensiv ist. Einerseits wird sehr viel elektrische Energie für die Aggregate verbraucht. Andererseits muss auch fossile Energie verwendet werden, um die Trockenzylinder der Kartonmaschine mit Dampf zu beheizen, damit die Trocknung des Kartons gewährleistet ist. Meist werden dafür kombinierte Gas und Dampfturbinen  verwendet. Ein weiterer Einflussfaktor sind die Rohstoffkosten, sprich der Altpapierpreis, und der Chemikalien, welche natürlich auch Schwankungen unterliegen. Altpapier ist auch ein beliebter Rohstoff zur Herstellung von Zeitungspapier, somit sollte sich der Altpapiermarkt für die Kartonhersteller positiv entwickeln, da Zeitungen immer mehr durch digitale Medien ersetzt werden.

1 http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=3&ID=1683

2 http://www.voith.com/de/produkte-leistungen/papier/refiner-twinflo-tf-e-4569.htm

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Streichfarbe

4 http://www.yopi.de/prd_5356988

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *