OMV Halbjahreszahlen 2015

Der österreichische Mineralölkonzern OMV hat unlängst seine Zahlen zum Halbjahr 2015 veröffentlicht. In aller Kürze möchte ich in diesem Artikel jene Aspekte auflisten, die einem bei der Durchsicht des Berichtes ins Auge springen und auf die man als Investor achten sollte:

  • Chefwechsel: Rainer Seele folgte vor kurzem auf Gerhard Roiss
  • Im Ergebnis ist ein negativer Sondereffekt von 205 MEUR wegen einer Wertminderung auf das Kraftwerk Samsun in der Türkei beinhaltet
  • Die Beteiligung der OMV, die Borealis ist in Finnland in Steuerstreitigkeiten verwickelt. Herabgebrochen auf den Anteil der OMV droht hier im Worst Case ein Risiko im untersten Bereich eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrages.
  • Das verbesserte Downstreamgeschäft federt wie erwartet Schwächen im Upstream ab und zeigt, dass das Geschäftsmodell der OMV belastbar ist.
  • Es ist die Begebung einer neuerlichen Hybridanleihe geplant. Hier ist zu beobachten, was mit den Erlösen gemacht wird und wo die Verzinsung liegt. Ich möchte noch recherchieren, ob die bisherige Hybride abgelöst werden kann und so die Zinsbelastung sinkt.
  • Das Gearing ist leicht gestiegen (auf ca. 40%), die Konzerneigenkapitalquote inklusive Hybrider liegt bei 44%. Angesichts der stillen Reserven in Bezug auf die Reproduktionskosten der Raffinerien, des Gasnetzes und der bilanziellen Bewertung der Borealis sowie des offenkundig belastbaren integrierten Geschäftsmodelles sehe ich die finanzielle Stabilität als gegeben an
  • Der Cashflow vor Veränderung des Working Capital im ersten Halbjahr 2015 zeigt meiner Meinung nach, dass ähnlich wie die Apache Corporation auch die OMV „Fit for 50“ ist. Im Falle weiterer Ölpreiseinbrüche könnte man die CAPEX, die hauptsächlich Entwicklungskosten im Upstream-Bereich betreffen, wahrscheinlich noch deutlich kürzen.
  • Teile der Produktionsvolumina im Upstream werden derzeit gehedgt. Über Sinn und Unsinn von solchen Manövern lässt sich wahrscheinlich streiten.

Zu guter Letzt möchte ich noch meine Skepsis in Puncto Dividendenhöhe aussprechen: ich denke nicht, dass das derzeitige Niveau von 1,25 Euro je Aktie gehalten werden kann, zumindest wenn man die derzeitig geplanten Investitionsvolumina im Zeitraum 2015-2017 durchziehen möchte. Das wird zwar die Republik nicht freuen, aber es wäre gesünder für das Unternehmen. Wenn man schon was für die Aktionäre tun möchte, wäre eine Transaktion in Bezug auf die Borealis in Form eines Spin Offs, eines IPOs oder eines Verkaufs und der Verwendung der daraus generierten Mittel für einen Aktienrückkauf überhaupt die bessere Alternative, als eine Dividendenausschüttung.

Sinnverwandte Beiträge im Bargain Magazine:

Erstbeurteilung der OMV

Gedanken zum Ölmarkt

Verwendete Quellen:

http://www.wienerborse.at/marketsearch/?SEARCHVALUE=omv (Halbjahresbericht der OMV zum Download)

18 Kommentare OMV Halbjahreszahlen 2015

  1. Matthias Schober

    „Fit for 50“ wird sich erst zeigen. Bis auf die kurze Periode im Jänner, war man nicht in diesem Bereich und danach lange Zeit bei 60-65.

    ggf. muss man sogar „Fit for 40“ sein.

    Borealis IPO fände ich auch positiv.

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  2. Daniel

    Angesichts des Cashflows den man mit 60 – 65 hatte und der Tatsache, dass man im Zweifel Explorations-Capex noch weiter kürzen könnte, ist man mE schon fit for 50

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  3. TomB

    Ich bin jetzt zwar kein Experte in der Ölforderung, aber da zwischen Förderung und Verkauf/Nutzung sicher ein gewisser Zeitraum liegt, wäre ein Nicht-Hedgen in meinen Augen ökonomischer Wahnsinn.

    Ich habe die Bilanzen uä jetzt nicht angeschaut, aber wenn du schon die CFs ansprichst: Es würde mich nicht wundern, wenn die aufgrund des Hedgings so gut aussehen, wie sie es laut deinem letzten Kommentar anscheinend tun.

    Gruß
    Tom

    Reply
    1. TomB

      Ich wollte den letzten Bulletpoint zitieren, aber das mit den HTML tags habe ich offenbar nicht wirklich durchschaut, sorry

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  4. Daniel

    Ich habe nicht gesagt, dass sie so gut aussehen, aber sie sind ausreichend um die aktuellen Investitionsvorhaben 2015-2017 zu stemmen. Bzw. könnte man diese eben noch kürzen, wenn sich die Situation noch verschärft.

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    1. TomB

      ok, danke.

      Fünftel bis sechstel: wie viel der Fördermenge wird verkauft, und wie viel im Downstreambereich weiterverarbeitet? Ich finde das nämlich seltsam, einen so geringen Teil zu hedgen. Aber wie gesagt, ich kenne mich da nicht so aus.

      Vielleicht sollte ich mir die OMV mal genauer ansehen.

      Reply
    1. Matthias

      Mal ne dumme Frage, wieso sollte ich als großer integrierter Konzern überhaupt hedgen ? Also nicht die OMV, aber zb. BP, Shell etc.

      Wenn ich mir das Risiko leisten kann, gibt es doch keinen Grund abzusichern ?

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      1. Daniel

        Darum meine Anmerkung zu Sinn und Unsinn im Text.Auch die OMV meines Erachtens nicht. Aber so genau kann ich das dann auch nicht beurteilen.

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  5. Tom

    Danke. Ja macht sinn.

    @matthias.
    Warum sollte man nicht hedgen? Niemand macht gerne Verlust. Und eines ist klar; in dem Moment wo du das hedgen bleiben lässt, dreht der Markt gegen dich.

    Das sechstel bis funftel ist mir jetzt immer noch nicht klar, aber vielleicht können sie mit dem Risiko leben oder es wäre zu teuer alles abzusichern

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    1. Daniel

      Naja, sicher macht niemand gerne Verlust, aber keine Versicherung ist gratis.

      Warum soll man den Teil der Produktion hedgen, die im eigenen Unternehmen weiterverarbeitet werden.

      Reply
      1. Matthias

        Hedging sichert mich ja nicht nur gegen eine negative Preisentwicklung ab, es nimmt mir auch die Chance von einer positiven Entwicklung zu profitieren.

        und dann gibt es noch die Gebühren.

        Reply
        1. Tom

          Schon, aber das ist dann ja Spekulation. Dafür wird das Management in meinen Augen nicht bezahlt

  6. Daniel

    Die Frage ist eben, ob es Sinn macht, in diesem Umfeld noch neue Hedging-Vereinbarungen abzuschließen. Soweit ich das weiß, werden solche Kontrakte umso teurer, je höher die Volatilität ist.

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  7. TomB

    Nun gut, wie du im Artikel geschrieben hast, lässt sich über die Sinnhaftigkeit streiten. Ich habe hier sicher nicht den vollen Durchblick, aber ich scheine der zu sein, der Hedgen als sinnvoll erachtet.

    Zitat: „Ich bin der Meinung dass man mit konservativer Bilanzpolitik auch ohne Hedging ganz gut leben kann.“

    Das mag sein. Ich bin allerdings der Meinung das Hedgen eben genau eine konservative Politik ist, da das Preisrisiko dadurch abgesichert werden kann. Je nach dem wie teuer der Absicherungsvorgang ist, stellt sich die Frage, ob es sich rentiert.

    Der Wikipedia-Eintrag zu dem Thema stellt eine schöne Zusammenfassung dar:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hedgegesch%C3%A4ft

    Gruß
    Tom

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