Portfolio – Report über das Jahr 2015

Das Jahr 2015 ist Geschichte und deswegen gibt es wieder eine kurze Zusammenfassung über die Performance seit Eröffnung des Musterportfolios Ende November 2014. Seit Beginn der Performancerechnung hat sich das Bargain-Portfolio nach Abzug aller bereits bezahlten Steuern und Gebühren um 4,06% verteuert. Der erste Vergleichsindex Eurostoxx50 (als Performanceindex) stieg im selben Zeitraum von 6000 auf 6226 Punkte, bzw. um knapp 3,77%. Der zweite Vergleichsindex S&P 500 auf Total Return Basis erhöhte sich im selben Zeitraum von 3779 auf 3821 Punkte. Freilich muss man diesen Wert um Währungseffekte im EUR/USD korrigieren: Die 3779 Punkte geteilt durch den Wechselkurs zu Beginn (1,2475) ergeben rund 3029 „Euro-Punkte“ im S&P 500. Dasselbe Spiel erfolgt nun mit den aktuellen Werten und Wechselkursen (ca. 1,086), ergibt rund 3518 „Euro-Punkte“ bzw. eine währungsbereinigte Performance von 16,15%. Zum S&P 500 zeigt sich also auf den ersten Blick eine signifikante underperformance, zum Eurostoxx eine kleine outperformance. Die Wertentwicklung des Portfolios im Jahr 2015 betrug also inklusive aller Steuern und Gebühren 3,78%.

Alles in allem betrachte ich das Jahr mit gemischten Gefühlen. Fangen wir mit den negativen Aspekten an. Sehr viele Investmentideen bzw. –positionen haben sich im abgelaufenen Jahr nämlich nicht wie erhofft entwickelt.

International Business Machines (IBM)

Mit über 20 Prozent ist dieser Einzeltitel die mit Abstand am höchsten gewichtete Position im Bargain Portfolio. Die Prämissen der Investmentidee habe ich in der Rubrik IBM des Bargain Magazine wiederholt dargelegt und sie sind für mich nach wie vor unverändert aufrecht. Im Jahresverlauf wurde das Engagement angesichts der momentanen Preise noch leicht ausgebaut.

Die Ölwette im Portfolio

Wenn man alle ölverwandten Titel als eine Position sehen würde, wäre das Ölengagement der größte Bereich des Portfolios. Fast 23 Prozent entfallen auf ölbezogene Werte. Zum Teil korreliert auch die Immofinanz aufgrund der starken Abhängigkeit vom russischen Rubel mit dem Ölpreis. Der gesamte Sektor hat sich aufgrund des drastischen Verfalles des Ölpreises im Jahr 2015 schwach entwickelt. Anfang des Jahres habe ich mehrere mögliche Szenarien für den Ölmarkt grob skizziert. Eine erörterte Möglichkeit, nämlich ein eventueller schneller Rebound hat sich nicht materialisiert. Für mich ist nun das zweite Szenario, nämlich jenes einer langwierigen Marktbereinigung das wahrscheinlichste. An einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Ölsektor glaube ich demgegenüber nach wie vor nicht. Die massiven Budgetkürzungen der großen Ölmultis zeigen nämlich eindeutig, dass ein Großteil der neu zu erschließenden potenziellen Quellen nicht rentabel entwickelt werden kann. Die bestehenden Förderstätten werden derzeit auf Teufel komm raus leergepumpt und das aktuelle Überangebot dadurch noch vergrößert. Sämtliche Marktteilnehmer sind deshalb in einer bemerkenswerten Situation. Die Saudis müssen sogar Steuern erhöhen, Ausgaben kürzen und obendrein noch verschiedene Assets versilbern, um ihr massives Budgetloch zu stopfen. Überhaupt scheint es in der OPEC ordentlich zu kriseln. Russland leidet an dem Verfall des Rubels, der naturgemäß stark am Ölpreis hängt. In den USA zittert mit der Frackingindustrie auch ein ganzer Industriezweig ums Überleben. Amerika ist diesbezüglich in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite profitiert dort natürlich der Großteil der Wirtschaft und überhaupt die Verbraucher von den momentan niedrigen Ölpreisen. Auf der anderen Seite sollte es im Interesse der USA sein, die durch ihre Schieferölvorkommen erworbene Autonomie am Ölmarkt zu behaupten. Das scheint aber auf Basis der jetzigen Preise dauerhaft nicht vorstellbar. Dass der gesamte Markt nicht den blassesten Schimmer hat, wie sich die Ölpreise auf kurze Sicht entwickeln könnten, zeigt übrigens die enorme Volatilität. Schwankungen von mehr als drei oder vier Prozent pro Tag sind absolut keine Seltenheit und das in einem so riesigen und liquiden Markt wie dem Ölhandel. Nach wiederholtem reiflichem Überlegen sehe ich in dieser Ecke des Bargain Portfolios aber weiterhin keinen Handlungsbedarf. Falls es der Kurs zulässt, würde ich vor allem bei SBO aufstocken wollen. Diesem Titel habe ich im abgelaufenen Jahr auch eine umfangreiche Analyse gewidmet.

Verschiedene andere „Verlierer“

Bisher als völliger Griff in den Lokus hat sich der Kauf des Stahlherstellers Posco erwiesen. Dieser Position liegt keine tiefgreifende Analyse meinerseits zu Grunde, sondern stellt ein „Trittbrettfahrerengagement“ nach Mohnish Pabrai dar. Dessen Buch habe ich heuer im Sommer übrigens als Leseempfehlung vorgestellt. Posco ist jedenfalls bisher ein Beispiel dafür, dass auch bekannte und erfolgreiche Value Investoren wie Pabrai nicht immer sofort Kasse machen können, weil der Markt zunächst mal drastisch gegen einen läuft. Die grundsätzliche Überlegung eines Trittbrettfahrerengagements ist aber trotzdem aufrecht: Man kaufe solide finanzierte Titel zum selben oder sogar zu einem besseren Preis wie ein erwiesenermaßen über lange Zeit erfolgreicher Value Investor, der sich augenscheinlich innerhalb seines Circle of Competence bewegt. All diese Prämissen sind hier erfüllt, weshalb ich hier vorerst nichts unternehme.

Enttäuschend ist bisher die Performance der Immofinanz unter dem neuen CEO. Nicht primär wegen der Aktienkursentwicklung, sondern weil scheinbar überhaupt kein Plan vorliegt, operativ die Dinge wieder ins Lot zu rücken. Die neue Führungsriege hat offenbar auch selbst wenig Vertrauen in die Aktie, weil Directors Dealings im Ausmaß wie zu Zeiten Zehetners bisher auch Mangelware sind. Für die Eigentümer wäre eine Liquidation besser. Selbst wenn die leerstehenden Immobilien verschenkt würden, schüfe man „Wert“ für die Aktionäre, weil die Leerstandskosten dann wegfielen. Dem Grunde nach ist meine Überzeugung von einer substanziellen Unterbewertung, die ich unter anderem vor etwas mehr als einem Jahr dargelegt habe, noch aufrecht. Da mir aber immer mehr der Glaube an eine aktionärsorientierte Strategie abhanden kommt, werde ich einen Verkauf der Immofinanz zumindest genauer prüfen.

Verschiedene positive Aspekte des Jahres

Dafür, dass das Portfolio doch noch einen kleinen Wertzuwachs generieren konnte, waren insbesondere folgende Entwicklungen verantwortlich:

Zu allererst ist natürlich die hervorstechende Performance von Do&Co zu nennen. Das österreichische Cateringunternehmen war eine der größten Positionen vor ihrer Veräußerung, die im Sommer des Jahres zu 91 und 96 Euro erfolgte. Unlängst stieg der Kurs nach einer kleinen Schwäche im Herbst sogar noch auf 100 Euro. Der Verkauf hat eine enorme Steuerbelastung für das Musterportfolio ausgelöst, da ich Do&Co mit dem Einstandskurs von ungefähr 32  Euro zu Buche stehen hatte. Im Portfolio-Report zum dritten Quartal habe ich ausführlich über die steuerlichen Auswirkungen auf den Performancevergleich geschrieben.

Löblich erwähnt werden kann der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof Karton AG, der seit Beginn der Performancerechnung von 83 auf 115 Euro zulegen konnte. Obendrein hat man sogar zwei Mal Dividende ausgeschüttet, nämlich einmal die reguläre Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2014 und einmal eine kleine Akontozahlung für das laufende Geschäftsjahr, um der neuerlichen KeSt-Erhöhung ab 2016 zuvorzukommen. Dieses Unternehmen, das ich unlängst auch für die Rubrik Grahams Ecke vorgestellt habe, ist für mich der Inbegriff von Aktionärsorientierung, finanzieller Stabilität und nachhaltigem Geschäftsmodell.

Weitere erfreuliche Momente boten die beiden bereits veräußerten Engagements im österreichischen Halbleiterhersteller AT&S und dem japanischen Spielekonzern Nintendo, die sich jeweils knapp verdoppelten. Daneben konnten noch Gewinne mit Mevis, Turkcell, Vianini Lavori und Balda realisiert werden.

Last but not least spielen Dividendenausschüttungen eine große Rolle für die Performance eines jeden Aktienportfolios. Der überwiegende Teil der gehaltenen Unternehmen schüttet mindestens einmal pro Jahr Geld an die Anteilseigner aus. Vor allem IBM, BP, Mayr-Melnhof und OMV haben ein üppiges Ausschüttungsverhalten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich bei fast allen Unternehmen, die ich halte, naturgemäß derzeit Aktienrückkäufe bevorzugen würde, weil ich sie für unterbewertet halte. So muss ich die Steuer entrichten und könnte erst nach Steuern weitere Anteile an diesen Unternehmen erwerben, wenn ich meinen Anteil vergrößern möchte.

Was mich besonders freut ist die Tatsache, dass ich 2015 in regelmäßigen Abständen hier etwas „Anlegerphilosophie“ betreiben konnte. In einer Phase, wo der Markt insgesamt relativ heiß gelaufen und hoch bewertet ist, bleibt dem Value Investor oftmals „nur“ die Suche nach guten Geschäftsmodellen ohne unmittelbare Kaufabsicht und eben das Nachdenken und Reflektieren über allgemeine Konzepte. So gab es beispielsweise einige Gedanken über „Das perfekte Geschäftsmodell„, über den Zinssatz in der Unternehmensbewertung oder auch über verschiedene psychologische Fallstricke bei der Selbsteinschätzung.

Durch meine „Bloggerei“ habe ich auch im abgelaufenen Jahr wieder die Gelegenheit bekommen, Gespräche mit tollen Menschen führen zu dürfen. Die Interviews mit dem Betreiber von valueandopportunity.com, mit dem Fondsmanagershootingstar Nicolas Schmidlin, mit dem Finanz- und Vermögensplaner Bijan Kholghi, mit meinem Blogger-Kollegen und überzeugten Value Investor Michael C. Kissig, mit dem Betreiber von WertArt Capital und schließlich im Dezember noch mit Österreichs bekanntestem Kleinanlegervertreter Dr. Wilhelm Rasinger. Einmal durfte ich sozusagen die Seiten wechseln und selbst als Interviewpartner dienen, nämlich für Alois Greiners aktienkaufen24.com.

Zum Abschluss dieses Portfolio-Reports möchte ich allen Leserinnen und Lesern vor allem dafür danken, dass Ihr Eure kostbare Zeit unter anderem meinen hier niedergeschriebenen Gedanken widmet und mir Euer Feedback dazu gebt. Das ist von unschätzbarem Wert. Außerdem wünsche ich Euch allen viel Gesundheit im neuen Jahr. Der Rest ist Nebensache.

2 Kommentare Portfolio – Report über das Jahr 2015

  1. TomB

    Ein kurzer Einwurf zur währungsbereinigten Performanceberechnung:

    Ich verstehe die Logik, die (Kurs-) Performanceberechnung von Währungseffekten zu unterscheiden. Andererseits, sind Wechselkurse halt real – ich habe einfach nichts davon wenn sich meine japanischen Aktien verdoppeln, der Yen sich aber halbiert. Währungen gehören dazu. Wenn man sie rausrechnet, betrügt man sich selbst, weil man die Realität nicht beachtet.

    Ob die Performance aus Wechselkursschwankungen oder Kursgewinnen kommt, sollte natürlich dennoch im Auge behalten werden. (Bei mir persönlich kommt heuer ein guter Teil der Performance aus der EUR-Abwertung, weil ich einige in USD und GBP notierte Aktien halte).

    Irgendwie verzwickt.

    Tom

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    1. Daniel Koinegg

      Hey Tom, ich hoffe Du bist gut ins neue Jahr gekommen!

      Ich bereinige ja nur die eine Benchmark, nämlich den S&P 500. Ich will ja wissen, wie viel ich alternativ verdient hätte, wenn ich quasi den amerikanischen Markt in Dollar gekauft hätte.

      Reply

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