Portfolio-Report zum ersten Halbjahr 2016

Die erste Hälfte des Jahres 2016 ist ins Land gezogen und deswegen gibt es wieder eine kurze Zusammenfassung über die Performance seit Eröffnung des Musterportfolios Ende November 2014. Seit Beginn der Performancerechnung hat sich das Bargain-Portfolio nach Abzug aller bereits bezahlten Steuern und Gebühren um 8,5% verteuert. Der erste Vergleichsindex Eurostoxx50 (auf „total return“-Basis) fiel im selben Zeitraum von 6000 auf 5625,95 Punkte, bzw. um knapp 6,23%. Der zweite Vergleichsindex S&P 500 (ebenfalls auf „Total Return“- Basis erhöhte sich im selben Zeitraum von 3779 auf 3976,68 Punkte. Freilich muss man diesen Wert um Währungseffekte im EUR/USD korrigieren: Die 3779 Punkte geteilt durch den Wechselkurs zu Beginn (1,2475) ergeben rund 3029 „Euro-Punkte“ im S&P 500. Dasselbe Spiel erfolgt nun mit den aktuellen Werten und Wechselkursen (ca. 1,1122), ergibt rund 3575,61 „Euro-Punkte“ bzw. eine währungsbereinigte Performance von 18,03%. Zum S&P 500 zeigt sich also auf den ersten Blick eine signifikante underperformance, zum Eurostoxx aber eine klare outperformance.

Im ersten Halbjahr 2016 hat das Portfolio übrigens auch besser als der S&P abgeschnitten. Im Portfolio-Report für 2015 wurde nämlich eine zwischenzeitliche Performance für das Musterportfolio von 4,06% festgestellt, während für den S&P eine Performance von 16,15% zu Buche stand. Das Portfolio hatte somit im ersten Halbjahr 2016 trotz Berücksichtigung von Steuern und Gebühren eine Entwicklung von 4,44%, während der S&P ohne Steuerabzug auf weniger als 2% kommt. Interessant ist in diesem Zusammenhang dass gerade das erste Halbjahr 2016 von größerer Volatilität und Unsicherheit gekennzeichnet war. Eine überdurchschnittliche Performance in solchen Phasen ist typisch für Aktienportfolios mit Fokus auf Value Investing.

Nun ein paar Worte zu den wichtigsten Wetten im Portfolio:

International Business Machines (IBM)

Mit über 20 Prozent ist dieser Einzeltitel die mit Abstand am höchsten gewichtete Position im Bargain Portfolio. Die Prämissen der Investmentidee habe ich in der Rubrik IBM des Bargain Magazine wiederholt dargelegt und sie sind für mich nach wie vor unverändert aufrecht. Im bisherigen Jahresverlauf wurde das Engagement nicht mehr weiter ausgebaut. Innerhalb der nächsten Jahre sollten der Konzernumbau und insbesondere die üppigen Zukäufe der letzten Zeit Früchte tragen und zumindest das Schrumpfen des Umsatzes aufhören. Die Wall Street wartet zum größten Teil auf eine Änderung im Umsatztrend. Es ist nicht ausgeschlossen, dass schon ein bloßes Abstoppen des Umsatzrückganges bereits zu deutlichen Preissteigerungen bei der Aktie führt. Grundsätzlich ist das Management-Team rund um Ginni Rometty jetzt aber in einem Stadium angelangt, wo man bald vorzeigbare Ergebnisse in Form von besseren Zahlen liefern muss. Ansonsten wird man auch bei äußerst langfristig orientierten Investoren an Glaubwürdigkeit verlieren.

Öl

Wenn man alle ölverwandten Titel als eine Position sehen würde, wäre das Ölengagement nach wie vor einer der größten Bereiche des Portfolios. Zum Teil korreliert auch die Immofinanz aufgrund der starken Abhängigkeit vom russischen Rubel mit dem Ölpreis. Ähnliches gilt für den größten Neuzugang im Jahr 2016, nämlich den österreichischen Feuerwehrausstatter Rosenbauer International. Auch wenn ich mich hiermit vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne: es scheint derzeit doch eine gewisse Trendwende am Ölmarkt stattzufinden.

chart_öl_2015bis2016

Man sieht auf diesem Jahreschart die Entwicklung des Ölpreises (WTI). Ich habe im Februar 2016 einen Artikel verfasst, in dem ich die Ölproduktion in den USA näher untersucht habe. Die dort angenommenen Prämissen sind ebenfalls für mich unverändert aufrecht. Ein Teil davon scheint mittlerweile auch vom Ölmarkt und vom Ölpreis antizipiert zu werden. Man rechnet zumindest mit einem moderaten Rückgang der Produktion in den USA und einem graduellen Abbau der überschüssigen Reserven.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Folgende: Unter Berücksichtigung sämtlicher Dividenden und des teilweisen Verkaufs der BP-Position im Jänner 2016 ist die Wertentwicklung der Ölwette insgesamt nun im neutralen Bereich. Soll heißen: abgesehen von Opportunitätskosten bisher nichts gewonnen und nichts verloren. Und das, obwohl der Preis des zugrundeliegenden Rohstoffes sich halbiert hat. Ich will nichts schön reden. In dem zuvor zitierten Artikel über die US-Ölproduktion habe ich bereits angemerkt, dass der erste Einstieg in die Ölwette aller Wahrscheinlichkeit nach zu früh stattgefunden hat. Angesichts der Tatsache, dass der Ölpreis langfristig gesehen noch Luft nach oben hat, schaut es aber so aus, dass abgesehen von dem intellektuellen Gewinn durch den enormen Lerneffekt auch monetär etwas bleiben könnte.

Rosenbauer International

Mit Beginn im Jänner 2016 wurde diese Position aufgebaut. Der erste Einstieg erfolgte bei 63,3 Euro je Stück. Auf dem Weg nach unten gab es weitere Zukäufe und Rosenbauer ist mittlerweile nach Apache und IBM mit fast 7% die drittgrößte Position im Portfolio. Die Gründe für den Kauf finden sich in den Analysen, die ich in der Vergangenheit zu diesem Unternehmen veröffentlicht habe. Ich gehe davon aus, dass die von Mr. Market antizipierten Probleme vorübergehender Natur sind und innerhalb der nächsten Jahre behoben werden können. Es gibt Verzögerungen bei der Auslieferung und temporäre Effizienzverminderungen wegen Produktionsverlagerungen in ein neues Werk. Außerdem lasten die Investitionen in Saudi Arabien auf dem Kurs. Länder die stark am Ölpreis hängen werden ja noch immer als nicht besonders „sexy“ angesehen und Unternehmen, die sich dort engagieren, bekommen das auch zu spüren. Ich freue mich jedenfalls, Teilhaber an einem unangefochtenen Weltmarktführer im mehrheitlichen Familienbesitz zu sein.

Sonstiges

Ganz besonders fiebere ich einer neuen Erfahrung entgegen. Bei der im Februar 2016 erworbenen österreichischen WP AG habe ich meine Anteile vor dem Delisting nicht verkauft. Somit bin ich erstmals in meiner Investorenkarriere Miteigentümer eines nicht börsenotierten Unternehmens. Derzeit wird entsprechend den österreichischen Rechtsvorschriften die Umstellung von Inhaber- auf Namensaktien vorbereitet. Hierzu ist es erforderlich, sich nach dem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung in ein Aktionärsverzeichnis eintragen zu lassen, um die Eigentümerrechte gegenüber der Gesellschaft ausüben zu können. Soweit rechtlich nichts dagegen spricht und auch meine eigenen Interessen dadurch nicht beeinträchtigt sein könnten, werde ich hier von Zeit zu Zeit Erfahrungsberichte veröffentlichen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist mir aber schon klar geworden: es hat durchaus seine Vorteile, wenn es keinen Kurszettel gibt, auf den man regelmäßig zu schauen verleitet wird.

Die Cashquote im Portfolio liegt derzeit bei knapp 15% und ermöglicht da und dort Zukäufe, falls sich die Volatilität infolge der momentanen politischen Unsicherheit in Europa noch weiter erhöht.

Zum Abschluss dieses Portfolio-Reports möchte ich allen Leserinnen und Lesern vor allem dafür danken, dass Ihr Eure kostbare Zeit unter anderem meinen hier niedergeschriebenen Gedanken widmet und mir Euer Feedback dazu gebt. Das ist von unschätzbarem Wert. Außerdem wünsche ich Euch allen eine gesunde zweite Jahreshälfte.

8 Kommentare Portfolio-Report zum ersten Halbjahr 2016

  1. Marfir

    Hi Daniel,

    ich finde es ist nicht sinnvoll sich als Value Investor an irgend einem Index zu messen. Das machen 0815 Fonds schon. Sinnvoller wäre es wohl eher die eingegangenen Risiken mit der Performance zu vergleichen. Auch ein Vergleich mit einer „Risiko-losen“ Anlage wäre gut. Kann man diese nicht signifikant überbieten, war der Aufwand umsonst. 😉

    Ansonsten, wieso hast du EuroStoxx und S&P 500 ausgewählt? Wegen der großen IBM Position und den Ölwerten wäre Dow und STXE 600 Öl & Gas vielleicht passender. Sowie noch ATX?

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    1. Daniel Koinegg

      Hey Marfir, danke für Deinen Kommentar.

      Meine Überlegung ist die, dass ich langfristig gesehen mehr verdienen möchte als ich bekommen würde, wenn ich einfach passiv einen oder zwei Indexfonds kaufen würde. S&P 500 und Eurostoxx wären zwei Basisindizes, die für mich in Frage kämen, wenn ich einen Indexfonds kaufen würde.

      Daher auch kein Vergleich mit einer risikolosen Anlage. Das Stockpicking muss ja mehr abwerfen als risikolosen Zins + Aktienrisikoprämie (also ungefähr das was ein breiter Index über lange Zeit abwirft).

      Die Benchmark danach zu wählen, was man selbst gerade im Depot stark gewichtet hat (z.B. einen öllastigeren Index), finde ich auch nicht gut. Ich kann ja nicht in drei Jahren, wenn die Gewichtung meines Portfolios sich vielleicht ändert, plötzlich die Benchmark ändern.

      Der ATX wird sehr stark getrieben von ein paar wenigen Werten (Erste Group). Der ist mir als Benchmark zu wenig breit gefächert.

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      1. Marfir

        Hi Daniel,

        ok ich verstehe deine Idee. Wobei die Berkshire Hathaway auch so eine Art Index-Fonds ist, wegen der vielen Firmen die inzwischen darin vertreten sind. Damit hättest du noch einen 3. guten Benchmark. 😉

        Aber trotzdem sagt es nicht viel aus. Du kauft Einzelaktien und hast damit ein selektives Risiko (z. B. Firmenpleite). Der Fonds hat wiederum ein allgemeines Risiko (z. B. Börsencrash) und ein selektives (Fonds geht Pleite/wird geschlossen). Man kann zwar vergleichen wo man mehr verdient hätte. Aber wo das geringere Risiko ist weiß man noch nicht. Berkshire Hathaway ist gewachsen, weil man viele Fettnäpfchen vermieden hat. Es gab Jahre wo ein S&P 500 mehr gestiegen ist als Berkshire Hathaway. Hätte man für die einmalige Performance sich mehr Risiko aufladen sollen, in dem man Index-Fonds kauft?

        Doch, das wäre die logische Konsequenz. Wenn sich deine IT und Öl-Übergewichtung dauerhaft schlechter entwickelt als ein IT- und Öl-Index, dann hast du was gründlich falsch gemacht. Ein Vergleich mit einem allgemeinen Index sagt doch nichts aus.

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      2. Daniel Koinegg

        Hey Marfir,

        Berkshire wäre natürlich eine Idee.

        Das Problem, das ich spontan noch mit Deiner Idee habe ist dass ich nicht weiß wie ich diese Risiken von denen Du sprichst quantifizieren soll.

        Zum zweiten Punkt: natürlich, solange sich die Portfolioausrichtung nicht ändert ist das ein valider Gedanke. Aber was mache ich, wenn ich z.B. keine Ölaktien und keine IBM mehr habe?

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        1. Marfir

          Die Risiken in ein Diagramm zu pressen wird in der Tat nicht klappen. Aber wenn du als Benchmark Berkshire Hathaway und andere Value Investment Fonds/Holdings nimmst, dann passt es als Vergleich besser. Denn zum einen kannst du prüfen, ob andere deutlich besser Einzeltitel auswählen als du. Und zum anderen dürfte das Risiko-Profil ähnlicher sein, da Value Investoren Preis und Wert im Auge haben. Der Index-Fonds verteilt das Geld per Gießkannenprinzip, wodurch auch viele risiko-reiche Aktien im Depot landen. Risiko-reich im Sinne von Geschäftsmodell und/oder Preis.

        2. Daniel Koinegg

          Ich will ja genau das wissen, was jene Alternativanlage abgeworfen hätte, die ich gekauft hätte, wenn ich kein aktives Stockpicking betrieben hätte. Das wäre dann aber keine Value Holding (was ja erst recht wieder Stockpicking wäre), sondern ein oder zwei Indexfonds.

          Buffett vergleicht sich ja auch mit dem S&P 500.

  2. EasyWISA

    Hallo Daniel,

    guter Blog. Habe gesehen, dass wir Portfolio-mäßig 2 Überlappungen haben: MayrMelnhof und Cash 😀

    Denkst du nicht, dass 20 % IBM-Gewichtung vielleicht etwas viel sind? Oder ist das wirklich historisch bedingt und du willst dich nicht (teilweise) davon trennen?

    LG
    EasyWISA

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    1. Daniel Koinegg

      Hallo!

      Danke für Deinen Kommentar. Grundsätzlich ist es viel, da hast Du schon Recht. In Ausnahmefällen habe ich aber so hohe Gewichtungen auch in Kauf genommen. Ich halte sehr viel von IBM.

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