Portfolioreport Jänner 2015

Der zweite Monat der Bargain-Portfolio-Rechnung ist um und heute gibt es eine kurze Zusammenfassung über die wesentlichsten Performance-Treiber seit Eröffnung des Musterportfolios Ende November 2014. Die aktuelle Zusammenstellung und die Entwicklung sämtlicher Einzeltitel gibt es hier.

Zur Klarstellung fehlen noch zwei kurze administrative Anmerkungen in Bezug auf die Performancerechnung:

Erstens halte ich überhaupt nichts von monatlichen oder quartalsweisen  Vergleichen. Was zählt, ist die absolute Performance über einen langen Zeitraum (zum allermindesten fünf Jahre). Aus diesem Grund wird die Entwicklung des Portfolios im monatlichen Portfolioreport jeweils in Relation zum Ausgangspunkt dargestellt. Das war in diesem Fall der Stichtag Ende November/Anfang Dezember 2014.

Zweitens darf man nicht vergessen, dass die Vergleichbarkeit mit den Benchmarks auch in puncto Steuern gewährleistet sein muss. Ich finde es bemerkenswert, wie viele Musterdepots da und dort mit den Vorsteuerergebnissen arbeiten und diese anpreisen, nur weil die Vergleichsindizes auch vor Steuern dargestellt werden. Es gibt zwei Dinge, die im Leben sicher sind, nämlich der Tod, und Steuern. Solange dieser Grundsatz gilt, wird man – wenn man eine ehrliche Selbstreflexion im Stockpicking vornehmen will – nicht umhin kommen, die Nachsteuerergebnisse (sowohl des aktiven Portfolios, als auch bei den passiven Benchmarks) zu ermitteln und diese miteinander zu vergleichen. Aus diesem Grund wird im Bargain Portfolio so vorgegangen: Die Steuern, die durch das aktive Stockpicking im Verkauf einer Position entstehen, werden ohnehin zum Verkaufszeitpunkt berücksichtigt. Zusätzlich wird einmal pro Jahr – und erstmals Ende November 2015 – ein steuerlich adäquater Vergleich vorgenommen, indem die latenten Steuern sowohl im Portfolio (seit Beginn der Performance-Rechnung), als auch bei den beiden Benchmarkindizes ermittelt und in Abzug gebracht werden. Es wird unterstellt, dass sowohl das aktive Portfolio, als auch die Benchmarkindizes zum Stichtag liquidiert, die noch fälligen latenten Steuern bezahlt und der Rest ausgeschüttet wird. So wird genau in Erfahrung gebracht, was nach Steuern und Gebühren durch die aktive Strategie im Bargain Portfolio verdient wurde, und was man gehabt hätte, wenn man im selben Zeitraum einfach den Index gehalten hätte und den zum Stichtag steuerwirksam verkauft hätte.

Seit Beginn der Performancerechnung Ende November/Anfang Dezember 2014 hat sich das Bargain Portfolio nach Abzug aller bereits bezahlten Steuern und Gebühren um 3,4% verteuert. Der erste Vergleichsindex Eurostoxx50 (als Performanceindex) stieg im selben Zeitraum von 6000 auf 6242 Punkte, bzw um 4%. Der zweite Vergleichsindex S&P 500 auf Total Return Basis verbilligte sich im selben Zeitraum von 3779 Punkten auf 3656 Punkte, was ein Minus von 3,25% bedeutet.

Die größten Verlierer seit Eröffnung des Musterdepots sind Immofinanz (-16%) und Transocean (-17%). Bei Immofinanz sind vor allem Probleme in Russland maßgeblich für den Preisrückgang, wobei ich schon im Dezember-Report darauf hingewiesen habe, dass meines Erachtens rein auf Basis der Zahlen diese Abschläge nicht gerechtfertigt sind. Außerdem wurde mit einem Aktienrückkaufprogramm begonnen, wobei zu hoffen steht, dass sich diese Vorgänge in einem größeren Ausmaß in 2015 fortsetzen (va unter dem neuen CEO ab Mai). Transocean steht nach wie vor unter Beobachtung, da ich der Meinung bin, dass es sinnvoll wäre, die hohen Dividendenzahlungen auszusetzen und das Geld in einen finanziellen Polster für die Rückführung von Schulden zu stecken. Falls sich in den nächsten Monaten diesbezüglich nichts tut, kann durchaus sein, dass ich verkaufe. Die größten Gewinner seit Eröffnung des Musterdepots sind AT&S (+27,5%) und Do&Co (+15,2%), wobei letztere freilich auf Portfoliobasis wegen der Gewichtung einen größeren Einfluss hatten. Auch die beiden stark gewichteten Ölwerte BP und Apache haben sich, trotz massivem Ölpreisverfall, seit Ende November interessanterweise zufriedenstellend entwickelt. Im Jänner wurden keine Dividenden vereinnahmt, dafür aber die Position Turkcell ADRs steuerwirksam zu 16 USD je Stück verkauft und gleichzeitig die Position in IBM zu 130,95 EUR je Stück weiter ausgebaut.

IBM ist mit fast 14% die größte Position im Portfolio und ich wäre bei deutlich niedrigeren Preisen ausgesprochen glücklich, wenn ich noch weiter zukaufen könnte. IBM bietet aus operativer Sicht gewaltige Chancen, nicht zuletzt aus den Gründen, die ich bereits mehrfach in Artikeln im Bargain Magazine dargelegt habe. Allerdings braucht man Geduld. Vielleicht mag es noch ein paar Jahre dauern, bis sich das schwächelnde Hardwaregeschäft wieder verbessert, und/oder die Geschäftszweige, auf die die Gesellschaft völlig zurecht den Fokus legt, die Rückgänge in anderen Zweigen überflügeln. Der Dollar wird sich übrigens auch nicht auf Dauer stärker als alle anderen Währungen entwickeln, in denen IBM seine Dienstleistungen anbietet. Ein großer Teil des Umsatzrückganges war aber genau diesen Effekten (Fremdwährungsdifferenzen) geschuldet.

Auch mit der Ölwette fühle ich mich so wohl, wie schon seit langem nicht. Es scheinen sich bis dato jene fundamentalen Faktoren nach und nach zu manifestieren, die ich auch zuletzt in meinem Artikel „Rechecking the oil bet“ behandelt habe. Es werden bei allen Ölunternehmen massive Kürzungen der CAPEX vorgenommen, der Rig Count lt Baker Hughes ist bereits deutlich am Sinken und auf der anderen Seite wird durch die niedrigen Preise derzeit sicherlich mehr nachgefragt. Obendrein ist es so, dass das globale Überangebot nicht so exorbitant ist, wie viele glauben, wenn man es in Relation zu den gesamten Produktions- und Verbrauchszahlen sieht (keine 2%). Wie schon mehrmals betont macht es für die Saudis beispielsweise auch überhaupt keinen Sinn, dauerhaft den Preis zu drücken. Würden sie die Produktion drosseln, könnten sie meinetwegen etwas weniger Öl verkaufen, bekämen aber den doppelten Preis dafür. Obendrein müssten sie nicht ihre Kriegskasse plündern, um den Staatshaushalt auszugleichen.

Grundsätzlich ist es so, dass ich keine Einschätzungen darüber abgeben kann, wie sich die breiten Märkte innerhalb der nächsten Zeit entwickeln werden. Ich rechne allerdings damit, dass ich mit meinem Portfolio in einer größeren Korrekturphase weniger verlieren werde, als der Markt. Niemand weiß, wann eine Korrektur kommt, aber jeder muss wissen, dass es von Zeit zu Zeit welche gibt. Erstens ist es so, dass ich im Gegensatz zum breiten Markt keine hochsensiblen Finanzwerte halte. Zweitens sind sehr viele der Cigar Butts kleine Unternehmen, die wenig Korrelation mit dem Gesamtmarkt aufweisen und obendrein durch dicke Polster an nicht betriebsnotwendigem Vermögen eine besonders gute Downside-Protection besitzen. Drittens halte ich fast ein Fünftel Cash. Insofern kann ich gewissermaßen nur hoffen, dass es bald einen signifikanten Wirbel an der Börse gibt, weil in solchen Phasen die wahre outperformance durch Value Investoren erzielt wird.

Da heute Monatsende ist, wird es den Screen der Woche, der grundsätzlich für Samstags avisiert ist, ausnahmsweise morgen am Sonntag online geben.

2 Kommentare Portfolioreport Jänner 2015

  1. Tilo

    Hallo Daniel,

    finde ich gut wie Du die Steuern bei deiner Berechnung miteinbeziehst. Ich führe das in meiner Aufstellung als laufend aktualisierte Position „unrealisierte Gewinne“. 25% davon sind dann die latenten Steuern die ich vom Depotwert abziehe. Das hat den Vorteil das ich nicht erst zum Stichtag des Verkaufs einer Position eine hohe Steuerbelastung habe.

    Den Vergleichsindex berechne ich indem ich jeweils nur 75% der Bewegung des Basisindexes auf den Wert der Vorperiode aufmultipliziere. Also wenn der ATX von 2000 auf 2200 steigt, und mein Vergleichsindex in der Vorperiode den Wert 100 hatte, wäre der Rechengang: 100 * (1 + (2200 / 2000 – 1) * 0,75).

    Da ich alle meine Vergleichsindexe (und mein Portfolio selbst auch) mit der selben Basis 100 begonnen habe kann ich sie auch schön übersichtlich in einem gemeinsamen Chart einzeichnen.

    Nur, wäre es nicht besser den S&P als Vergleichsindex auch in EUR umzurechnen, wenn du Deine US Aktien ebenfalls in EUR bewertest?

    lg Tilo

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  2. Daniel

    Tilo, müsste man wahrscheinlich machen. Auch das werde ich also in regelmäßigen Abständen – gemeinsam mit der Steuererfassung einmal jährlich – tun.

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