Quickcheck Binder+Co

Wie im letzten Artikel zur SBO erwähnt, werden in Zukunft vermehrt auch österreichische Nebenwerte im Bargain Magazine behandelt. Ein paar Vorbemerkungen hierzu: Der österreichische Aktienmarkt als solcher ist beschönigend formuliert „relativ überschaubar“. Wenn man die Segmente prime, mid und standard market zusammennimmt, findet man 82 Notierungen, von A wie Agrana bis Z wie Zumtobel. Dieses Feld umfasst allerdings auch Titel wie Bene, BWT oder Miba, wo schon Börsenrückzüge geplant oder zumindest kolportiert werden, sowie Doppelnotierungen von Stamm- und Vorzugsaktien, wie beispielsweise bei der Schlumberger AG (dem Schaumweinhersteller, nicht zu verwechseln mit dem etwas größeren Ölunternehmen). Außerdem verstecken sich in dieser Liste beispielsweise noch Partizipationsscheine der Österreichischen Volksbanken. Wenn man ganz verwegen ist, kann man allerdings noch das Bond-Segment dazunehmen, wo es vielleicht in Zukunft bei steigenden Zinsen auch die eine oder andere Chance geben könnte. Wenn man diese Liste noch um Liquiditätsbedenken von professionellen Investoren korrigiert, fällt wahrscheinlich nochmals die Hälfte weg. Große Teile des österreichischen Marktes sind also unter dem Radar der Großen und hochgradig ineffizient. Ich glaube, dass sich hier punktuell sehr lukrative Chancen verbergen können, wenn man eine entsprechende Expertise aufbaut, weshalb ich meinen Circle of Competence hier ausdehnen möchte. Innerhalb der nächsten Monate soll an dieser Stelle also Unternehmen um Unternehmen (zumindest in einem Quickcheck, nach Möglichkeit auch umfassender) behandelt werden.

Einer dieser absoluten Nebenwerte ist eine Gesellschaft Binder+Co AG (AT000BINDER3), um die es in diesem Quickcheck geht. Wie bei allen Unternehmen in dieser Rubrik gilt folgende Warnung: Es werden Unternehmen vorgestellt, die möglicherweise und irgendwann (!) attraktive Value Investments sein oder werden könnten. Ich persönlich habe mich mit den Unternehmen noch nicht in die Tiefe gehend beschäftigt. Die Rubrik soll nur Anregungen und Gedankenanstöße in einigen Sätzen für die Leser des Bargain Magazines sein. Diese Warnung gilt doppelt für Unternehmen aus österreichischen Nebensegmenten, weil diese hochgradig illiquide sind.

Die Wurzeln von Binder+Co gehen in das Jahr 1894 zurück, wo man ein Bau- und Kunstschlossereihandwerk etablierte. Es folgte eine sehr wechselhafte Geschichte bis hin zur Verstaatlichung 1971 und zur Reprivatisierung 1991. Mittlerweile hat man sich als Spezialist für die Konstruktion von Maschinen und Anlagen für die Bearbeitung, die Zerkleinerung, Trocknung und auch Sortierung von Schüttgütern (Kohle, Erz, Glas, Altpapier, etc.) aller Art positioniert. In bestimmten Bereichen wie beispielsweise dem Glasrecycling bezeichnet man sich selbst als Weltmarktführer. Ansässig ist die Gesellschaft in Gleisdorf, in der Nähe von Graz, was sie sogar als potenziellen HV-Besuch für mich ins Spiel bringt.

Wie sieht die Eigentümerstruktur aus? Im Wiener mid market besteht keine umfassende Meldeverpflichtung, wenn man bestimmte Schwellen am Kapital überschreitet. Darum muss ich mich vorerst auf die Darstellung aus dem letzten Finanzbericht per Anfang April 2014 stützen. Damals betrug der Streubesitz etwas mehr als 25% des Kapitals, der Rest entfiel auf folgende Aktionäre:

  • Genera Holding GmbH 28,4%
  • Albona Privatstiftung 23,3%
  • Treibacher Industrieholding 16,3%
  • Dr. Veit Sorger 6,5%

Zu diesen Eigentümern und vor allem der Entwicklung der Eigentümerstruktur über die letzten Jahre sollte man natürlich noch weiter recherchieren.

Wie sehen die Zahlen der Gesellschaft momentan aus? Auf Basis des sehr „kompakten“ Halbjahresberichtes 2015 beträgt die IFRS-Eigenkapitalquote 28,7%. Das Umlaufvermögen deckt ca. 60 Prozent der Gesamtverbindlichkeiten ab. Das Gearing (auf Basis des Jahresabschlusses 2014) beträgt 70%, die Quote immaterieller Güter am Eigenkapital beträgt 32%. Oberflächlich betrachtet habe ich schon bessere Bilanzen gesehen, wobei man bei so einem Unternehmen natürlich immer genauer hinschauen muss.

Jahr 2014 2013 2012 2011 2010 2009
Konzernergebnis 2,86 3,77 6,13 6,77 5,49 5,15
EK 27,23 27,27 29,89 27,33 23,8 20,41
Bilanzsumme 90,18 80,87 77,03 68,44 49,3 42,72
EK-Quote 30% 34% 39% 40% 48% 48%
ROE 11% 14% 21% 25% 23% 25%

 Eine oberflächliche Betrachtung der Rentabilitätsentwicklung zeigt, dass man bis vor kurzem sehr solide Ergebnisse erzielen konnte, und zwar auch bei geringerem Fremdkapitalhebel. Irgendwas muss in den letzten Jahren also passiert sein. Ohne dass ich mich damit auseinander gesetzt habe, würde ich mal vermuten, dass die Nachfrage nach den Anlagen zumindest teilweise mit den Rohstoffmärkten (also z.B. den Schüttgütern Eisenerz und Kohle) zusammenhängt. Ich habe jedenfalls den nächsten Kandidaten für eine umfassendere Betrachtung a la SBO gefunden, da mich die Kombination „illiquider österreichischer Nebenwert“ + „Marktführerschaft“ + „scheinbar in einer Problemsituation“ ziemlich reizt.

Weitere interessante Themen im Bargain Magazine

Die irrationalen Schwankungen der Cross Industries AG

Skeptischer Blick auf die momentane Bewertung der Do&Co AG

Verwendete Quellen

http://www.binder-co.com/de/unternehmen/profil.php (über das Unternehmen)

https://de.wikipedia.org/wiki/Binder%2BCo (über das Unternehmen)

http://www.binder-co.com/de/investors/finanzb_geschaeftsberichte.php (Downloadcenter für die Geschäftsberichte)

2 Kommentare Quickcheck Binder+Co

  1. TomB

    Hab mich schon gefragt, wann du dir die ansiehst 😉

    Hab ich auch immer wieder auf dem Radar, aber ich glaube, da kommts noch schlimmer bevor es wieder besser wird.

    Langfristig sicher sehr interessant. Bin gespannt auf deine Analyse.

    Tom

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  2. Daniel

    Ja, wenn man ständig irgendwelche Value-Investing-Bücher liest, in denen vor dem Home-Bias gewarnt wird, fängt man das an zu glauben auch noch und verschließt die Augen vor dem Heimatmarkt :-)

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