Quickcheck: Caltagirone Editore

Wer wünscht sich nicht, dass man das Rad der Zeit zurückdrehen kann und in eine Aktie, die nicht so schlecht gelaufen ist, einfach noch einmal investiert? Im heutigen Quickcheck geht es um den italienischen Small Cap Caltagirone Editore (IT0001472171), der dem Unternehmen Vianini Lavori, welches ich unter anderem hier behandelt habe, verdächtig ähnlich sieht. Auch an dieser Stelle ist die Warnung angebracht, dass ich im Quickcheck nur potenzielle Value Investments vorstelle und man keinesfalls eines der Unternehmen ohne eigene Recherche kaufen soll.

Caltagirone Editore ist der zweitgrößte Zeitungsverlag in Italien, wenn man nach der Anzahl der täglichen Leser geht. Vier der größten fünfzehn Zeitschriften werden herausgegeben, unter anderem die auch mir nicht unbekannte „Il Messagero“. Ähnlich wie die Vianini ist man also in einem Geschäftszweig tätig, der auf jeden Fall schon mal bessere Zeiten erlebt hat. Im Gegensatz zur im Infrastrukturbau operativ tätigen Vianini dürfte der Betrieb von Printmedien aber generell nicht mehr zu alter Stärke zurückkehren.

Auch bei der Aktionärsstruktur sieht die Gesellschaft der Vianini nicht unähnlich. Die Kontrolle über Caltagirone Editore hat (surprise surprise) die Familie Caltagirone. Gut 65% des Grundkapitals werden von ihr kontrolliert, der Rest befindet sich im freefloat. Deren Familienoberhaupt Francesco Gaetano Caltagirone ist ein italienischer Unternehmer und Investor aus Rom.

Die Eigenkapitalquote der Caltagirone Editore liegt auf Basis der 2014er Bilanz bei knapp 76%. Das Umlaufvermögen, das zu zwei Drittel aus Cash besteht, übersteigt die Gesamtverbindlichkeiten um ca. 33 MEUR. Dementsprechend verfügt man also auch über eine solide „Net-Cash“-Position. Und im Anlagevermögen findet sich – völlig gleich wie bei der Vianini – ein Eintrag „Equity Investments and other non-current securities im Ausmaß von 136 MEUR. Konsultiert man hier die entsprechende Anhangsangabe, findet man Aktienpakete an Unicredit und Generali. An der Unicredit hält man 7 Mio. Stück, die bezogen auf den momentanen Aktienpreis rund 44,5 MEUR wert sind. An der Generali hält man 5,7 Mio. Stück, die bezogen auf den momentanen Aktienkurs rund 100 MEUR wert sind. Allein diese beiden Positionen machen also ca. 144 MEUR aus. Hier kann man noch das UV abzüglich aller Schulden dazu zählen, und erhält einen Wert von 177 MEUR. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 100 MEUR.

Operativ ist die Gesellschaft in den letzten beiden Jahren rot gewesen, allerdings liegt das großteils an den Abschreibungen der intangible assets aus dem Zeitungsbetrieb. Das EBITDA ist ungefähr im Bereich von Null, der operative Cashflow ist knapp negativ. Wenn man nach Cigar Butts sucht, kann man hier durchaus näher hinsehen. Durch die jüngste Entwicklung bei Vianini hat man zumindest gesehen, dass es kein abfindungsloses Delisting mit nachfolgendem Kurssturz in Italien gibt und es wird nicht auszuschließen sein, dass Caltagirone bei diesem Unternehmen dieselbe Masche durchzieht (Abfindung an die Minderheitsaktionäre, Delisting), wie schon bei Vianini.

Verwendete Quellen:

http://www.caltagironeeditore.com/english/group.php (Unternehmensprofil)

http://www.caltagironeeditore.com/english/structure.php (Aktionärsstruktur)

https://de.wikipedia.org/wiki/Francesco_Gaetano_Caltagirone (Eigentümerprofil)

http://www.caltagironeeditore.com/english/fullyear.php (Downloadcenter für Finanzberichte)

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