Quickcheck Karelia Tobacco Company

Einem Leser des Bargain Magazines ist mein in letzter Zeit latent vorhandener Hang zu griechischen Unternehmen aufgefallen und so hat er mich netterweise mit Nachschub versorgt. Im heutigen Quickcheck geht es um ein Unternehmen mit dem Namen Karelia Tobacco Company Inc S.A. (ISIN GRS120131008). Wie bei allen Unternehmen in dieser Rubrik gilt folgende Warnung: Es werden Unternehmen vorgestellt, die möglicherweise (!) attraktive Value Investments sein könnten. Ich persönlich habe mich mit den Unternehmen noch nicht in die Tiefe gehend beschäftigt. Die Rubrik soll nur Anregungen und Gedankenanstöße in einigen Sätzen für die Leser des Bargain Magazines sein.

Worum könnte sich das Geschäftsmodell eines Unternehmens, das unter „Karelia Tobacco Company“ firmiert, wohl drehen? Richtig, es geht wenig überraschend um einen Hersteller von Tabakwaren. Das bereits 1888 gegründete Unternehmen ist der größte griechische Zigarettenhersteller, der in über 65 Länder weltweit exportiert, sodass sein internationaler Geschäftsanteil 85% des Gesamtumsatzes ausmacht. Eine von dreihundert gerauchten Zigaretten weltweit kommt von Karelia.

Es handelt sich um ein Familienunternehmen. Drei der fünf Posten im Board of Directors sind mit Angehörigen der Familie Karelias besetzt. Auch bezogen auf die Gesellschaftsanteile hält die „Familia“ das Unternehmen fest im Griff. Laut dem unten zitierten Link liegt der Freefloat bei deutlich unter 10%. Hier stellt sich für mich dann schon die Frage, warum man überhaupt an der Börse notiert. Sei es drum, sie tun es seit bald 40 Jahren. Und zumindest soweit ich den Chart auf finanzen.net in die Vergangenheit betrachten kann, hat sich die Aktie „ganz gut“ entwickelt.

Schauen wir uns wie gehabt noch ein paar Zahlen an (auf konsolidierter Basis): die Eigenkapitalquote beträgt 72%. Es steht kein Goodwill in der Bilanz, genausowenig wie sonstige Finanzschulden. Das Nettoumlaufvermögen (nach Abzug aller Verbindlichkeiten iHv ca. 130 MEUR) beträgt ca. 267 MEUR. Der Großteil des Umlaufvermögens ist die enorme Cashposition von rund 291 MEUR. Da keine Finanzverbindlichkeiten in den Büchern stehen, ist diese Cash-Position zur Gänze Net Cash. Es sollte hier aber noch recherchiert werden, ob es irgendwelche Beschränkungen in Bezug auf diesen Geldberg gibt.

Vereinfacht gesagt: Derzeit müsste man brutto ca. 626 MEUR für das ganze Unternehmen bezahlen, und bekäme im Gegenzug fast 300 MEUR finanzielle Mittel, sowie einen Geschäftsbetrieb der in den Jahren 2013 und 2014 ca. 40 bzw. über 60 MEUR Gewinn nach Steuern abgeworfen hat (wobei 2014 scheinbar ein fetter Wechselkurseffekt positiv eingeflossen ist). Karelia ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie pervers profitabel Zigarettenunternehmen (noch immer) sind bzw. sein können. Die EK-Rendite trotz der hohen EK-Quote schon zweistellig (14% in 2013 und 19% in 2014). Sie wird aber extrem durch den unproduktiven Cash-Berg verwässert. Wenn ich den fiktiv zur Ausschüttung bringe, senkt sich das Eigenkapital natürlich entsprechend und wir sind näher bei der Kapitalisierung, die wirklich für den Geschäftsbetrieb notwendig ist. Die tatsächliche Rendite auf das produktiv eingesetzte Eigenkapital liegt dann irgendwo im mittleren bis hohen zweistelligen Bereich (je nachdem wie viel man an Zinserträgen bereinigt) und das ist schon sehr ansehnlich. Das Verhältnis von tatsächlichen Produktionskosten zu Umsätzen, wenn man die diversen Steuern herausrechnet, die an den Kunden weitergegeben werden, ist auch bemerkenswert: 2014 hat man beispielsweise netto rund 196 MEUR (der mit Abstand größte Posten in Umsatz und Kosten sind ja die zusätzlichen Steuern) erlöst und musste dafür variable „costs of sales“ von 104 MEUR aufwenden. Die Bruttomarge liegt hier also bei fast 47%. Die Fixkosten lagen insgesamt auch gerade mal bei 30 MEUR, sodass eine bereinigte Nettogewinnspanne von über 30% bzw. noch immer über 20% (!) in 2014 vorlag, wenn man den positiven Währungseffekt normalisiert.

Wie heißt es so schön: „If something looks too good to be true, it usually is“. Irgendwo muss hier ja ein Haken sein, oder?

 

Sonstige verwendete Quellen:

http://www.karelia.gr/showArticle.php?article=M5tZ5WXNGl (Fakten zum Unternehmen)

http://www.karelia.gr/showArticle.php?article=FcvHxoa0W0 (Fakten zum Unternehmen)

http://www.4-traders.com/KARELIA-TOBACCO-COMPANY-I-6656326/company/ (Aktionärsstruktur)

http://www.finanzen.net/aktien/Karelia_Tobacco-Aktie (Kursentwicklung seit ungefähr 2000)

http://www.karelia.gr/showArticle.php?article=ZTeTTRx3Ac (Downloadcenter für Finanzberichte)

 

25 Kommentare Quickcheck Karelia Tobacco Company

  1. Tobi

    Möglicher Haken: Es ist nicht klar wie kreativ eine linksradikale hochverschuldete Regierung sich an die Vermögen reicher Unternehmen macht – oder zumindest ob bei andauernden Kapitalverkehrskontrollen (in Zypern sind die ja auch schon eine Weile in Kraft) irgendwelche Ausschüttungen ins Ausland fließen dürfen? Die 2014er Dividende ist ja wegen der Bankenschließung auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
    Abgesehen von dem Haken des geringen Streubesitzes, der das ganze für institutionelle unattraktiv macht, während griechische Privatanleger vermutlich andere Sorgen haben…

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  2. Daniel Koinegg

    @Tobi: Danke für Deinen input.

    Für mich stellt sich zunächst die Frage, wie lange die Regierung überhaupt noch an der Macht bleibt.

    Ansonsten besteht natürlich ein gewisses Risiko hinsichtlich noch höherer Steuern, wobei ich ohnehin davon ausgehe, dass auf absehbare Zeit nicht mehr die griechische Politik solche Entscheidungen trifft, sondern die Troika. Und soviel wirtschaftlichen Hausverstand traue ich diesem Gremium schon zu, dass sowas nicht passiert.

    An direkte entschädigungslose Enteignungen glaube ich auch nicht, weil es da eine Grundrechtecharta dagegen gibt.

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  3. Daniel Koinegg

    Ansonsten: der geringe Freefloat stört mich auch. Und er wirft vor allem die Frage auf, weshalb sie überhaupt an der Börse sind.

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  4. Richard ak

    Der Haken ist, dass die 300 Mio Cash wahrscheinlich zum großen Teil bei griechischen Banken liegen. Wegen der Kapitalverkehrskontrollen wird Karelia gar nicht mit dem eigenen Geld arbeiten können.

    Wenn Griechenland den Euro verlässt, dann ist das Geld weg!

    Einige Ökonomen sage, dass der Austritt ohnehin nur aufgeschoben wurde. Die nächste globale Rezession wird vielleicht den Austritt erzwingen.

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  5. Daniel Koinegg

    Die Hälfte des Geldes ist in USD vorhanden. Ob diese Einlagen in Fremdwährung auch bei griechischen Banken liegen, kann ich nicht beurteilen.

    Selbst wenn der Großteil der Cashreserven im Falle eines Grexits weg wäre (was ich ehrlich gesagt nicht glaube), Sollte der Geschäftsbetrieb irgendwie weiterführbar sein und das Unternehmen wäre dann einfach fair bewertet. Angesichts des starken Umsatzanteils im Ausland wäre es wahrscheinlich sogar dann ein guter Deal.

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  6. Richard ak

    USD oder Euro macht für die Kapitalverkehrskontrollen keinen unterschied. Wenn die Bank pleite geht, dann ist jedes Geld weg.

    In den Unterlagen findet sich nichts zu Karelias Banken. Wo liegen ihre liquieden Mittel? Das ist schon sehr entscheidend

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  7. Daniel Koinegg

    Ich habe auch nichts gefunden auf die Schnelle. Dass die Währung für die Kapitalverkehrskontrollen keinen Unterschied macht ist mir schon klar – wenn die Kohle in Griechenland liegt, kann man es nicht ins Ausland überweisen. Innerhalb von Griechenland schon. Ich gehe aber nicht davon aus, dass ein Unternehmen, das doch einige Auslandstöchter hat, das Ganze Geld in Griechenland liegen hat.

    Aber mal ehrlich: bei einem Grexit gehen die Banken mE nicht alle pleite sondern werden in Drachme rekapitalisiert bzw. mit einer anderen Übergangsfinanzierung in Euro/USD – entweder durch die EU oder den IWF. Niemand KANN das zulassen, dass im Falle einer Bankenpleite mehr oder weniger alle Bankeinlagen in Griechenland weg sind und somit de facto jedes griechische Unternehmen insolvent ist.

    Ich denke also, dass Du das etwas zu eng siehst.

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    1. Daniel Koinegg

      Vor allem, wenn Griechenland zwar den Euro verlässt, aber nicht die EU – wofür es ohnehin keine Rechtsgrundlage gibt.

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  8. Richard ak

    Nein, das stimmt so nicht. Im Fall eines unkoordinierten Grexit, wie er vor drei Wochen noch sehr wahrscheinlich war, gehen die griechischen Banken reihenweise in die Pleite. Der große Teil ihrer Schulden bleibt in Euro. Wer soll sie rekapitalisieren? Der griechische Staat kann es dann nicht und IWF und Co geben kein Geld nachdem sie es doch kurz zuvor verweigert haben. Die Sichteinlagen sind dann alle wertlos.

    Wenn man das Szenario für sehr unwahrscheinlich hält, dann kann man vielleicht investieren. Nur, du wolltest ja den Haken wissen. Das ist er. Und deshalb sind auch die Marktpreise wie sie sind.

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  9. Daniel Koinegg

    Und in der Tat habe ich das Szenario eines völlig unkoordinierten GREXIT für sehr, sehr unwahrscheinlich gehalten (und tue das noch immer, wenn das Thema wieder einmal auf der Tagesordnung stehen würde).

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  10. Richard ak

    Weil er dann pleite ist.
    Euros hat er nicht mehr und Dramen müssten die Banken ja selbst erst einmal in Umlauf bringen.

    Mich erinnert das an die Geschichten meiner Oma von der Währungsreform 1948. Da konnten sie die Reichsmark in den Kamin schmeißen und jeder bekam 40 DM. Und der Naturalientauschhandel hielt trotzt DM sogar noch ein paar Jahre danach an.

    Insofern ist Karelia wahrscheinlich doch ein hervorragendes Investment. Zigaretten sind immer und überall die beste Währung gewesen.

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  11. Daniel Koinegg

    Ja, nur hatte Deine Oma eben keine Notenpresse und auch nicht die Möglichkeit, Schuldscheine auszugeben, wie es für den griechischen Staat eine Zeit lang im Gespräch war, falls ein Grexit gekommen wäre.

    Diese Schuldscheine hätten als Währungsäquivalent für jene Zeit gedient, in der Notenpressen installiert und Drachmen in Umlauf gebracht worden wären. Mit der neuen Währung hätte man dann die Banken rekapitalisiert. Das Finanzsystem wäre damit zumindest irgendwie am Leben geblieben, wenngleich natürlich viele private Sparer sowie Unternehmen wie Karelia eine erhebliche Abwertung ihrer Geldvermögen, sofern sie alle in Griechenland liegen, erfahren hätten.

    Aufgrund dieser massiven Abwertung der Drachme durch so ein Maneuver hätte sich das Schuldenvolumen des griechischen Staates extrem vergrößert. Dann hätte erst ein Schuldenschnitt hermüssen, den dann die europäische Allgemeinheit frisst, weil der Großteil dieser Schulden bei der EZB und anderen europäischen Institutionen liegt. Da kann man ihnen auch gleich helfen und zumindest ein politisches Chaos in der restlichen Währungsunion und in der EU überhaupt verhindern. Was meinst Du, was außenpolitisch zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien los wäre, wenn man einen unkontrollierten Grexit zulassen würde?

    Der Unterschied zwischen dem privaten Sparer und den griechischen Unternehmen wie Karelia, deren Geldguthaben abgewertet würden, ist aber, dass zumindest die Unternehmen, die finanziell auf stabilen Beinen stehen und Umsätze im Ausland machen, relativ schnell wieder an harte Devisen kämen (wenngleich vielleicht gegen Risikoabschläge). Gleichzeitig müssten sie ihr Personal in Drachme bezahlen. Die jetzigen Cashberge wären zwar wertlos, aber das operative Geschäft würde nach einigen Stotterern und Unsicherheiten besser laufen, als jetzt.

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    1. Daniel

      Und was meinst Du, wie schnell in so einer Situation die Amis, die Chinesen oder die Russen in Griechenland wären und dort groß auf Einkaufstour gehen? Auch das KANN die europäische Gemeinschaft nicht wollen, was ich als weiteres Indiz dafür werte, dass ein unkontrolliertes Ausscheiden sehr, sehr unwahrscheinlich war und auch nach wie vor ist. Da ändert natürlich die kolossale Medienberichterstattung auch nichts.

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  12. Richard ak

    Nee, Daniel, du bringst da ein paar Sachen durcheinander.

    Wie geschrieben: Die griechischen Banken haben Euro-Verbindlichkeiten. Und die werden nicht einfach über Nacht verschwinden. Man kann sich nun einmal nicht mit der Druckerpresse aus einer Verschuldung in einer Fremd-Währung herausdrucken. Das geht nun einmal nicht.

    Die griechischen Banken würden in dem Fall pleite gehen und die Schulden müssten restrukturiert werden. Und das wird auch die Sichteinlagen miteinschließen (z.B. von Karelia). Vielleicht bekommen sie noch einen symbolischen Betrag für ihre ehemaligen Sichteinlagen in Euro.

    Aber ich stimme gerne zu: Das ist im Moment ein eher sehr unwahrscheinliches Szenario.

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  13. Daniel Koinegg

    Richard, angenommen Du hast einen Kredit in Yen laufen, verdienst Dein Geld aber in Euro. Was machst Du, wenn Du diesen Kredit zurückzahlen musst, aber keine Yen auf der hohen Kante hast?

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  14. Richard ak

    Ich würde ein anderes Beispiel für angemessener halten.

    Nehmen wir an ich hätte einen Kredit auf Euro bei meiner Hausbank, den ich monatlich tilgen müsste. Jetzt habe ich aber plötzlich keine Euros mehr aus irgendwelchen Gründen.

    Was mache ich? Na klar, ich drucke mir auf meinem Heim-Laser-Drucker Unmengen an rechteckig unterteiltem Papier mit meinem persönlichen Konterfei aus. Und dann drücke ich den Nachbarkindern Filzstifte in die Hand und wir malen das zusammen bunt aus und schneiden es mit Scheren entsprechend zurecht. Die Papierstreifen nenne ich dann den Richard-Dollar. Jetzt packen wir noch alles in einen schicken Geldkoffer, ich gehe damit zur Bank und lege das allees dem Bankangestellten auf den Schreibtisch mit der Erklärung, das ich momentan zwar keine Euros hätte, aber gedenke, meinen Kredit mit den Papierschnipseln zu tilgen. Was würde Bankmann wohl sagen?

    Oder eine andere Frage. Bei welchem Devisenhändler könnte ich meinen Richard-Dollar in Euros tauschen? Und zu welchem Kurs?

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  15. Daniel Koinegg

    Ich wollte zwar auf etwas anderes hinaus, aber wir können es auch mit diesem Beispiel durchgehen:

    Da Dein Richard-Dollar kein gesetzlich akzeptiertes Zahlungsmittel ist, mit dem Du beispielsweise in „Richard-Land“ Urlaube bezahlen oder ein paar Bierchen kaufen kannst, wird sich niemand finden, der Euros gegen Richard-Dollars tauscht.

    Da der griechische Staat bei Einführung der Drachme aber sein Recht nutzt, ein neues gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen, mit dem man überall in Griechenland Waren und Dienstleistungen erwerben kann, wird sich sehr wohl jemand finden, der hier wechselt. Wenn der Abschlag entsprechend groß ist, werden sogar enorme Mengen tauschbar sein.

    Der griechische Staat könnte aber auch noch etwas anderes machen, nämlich einfach ein Gesetz erlassen, wonach Euroguthaben in Drachme konvertiert werden und Euroschulden ebenfalls. Google mal nach „Pesifizierung“, und Du wirst ein Beispiel aus gar nicht so ferner Vergangenheit finden. Dort ist das ganze sogar asymmetrisch passiert.

    Da ist also der Unterschied zwischen Deinen Richard-Dollars und der Drachme :-)

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  16. Richard ak

    Nein, Daniel. Französische, deutsche oder andere Banken wären glaube ich nicht damit einverstanden, dass sie ihren Kredit einfach per Parlamentsbeschluss in einer anderen Währung zurückbezahtl bekommen. Die werden auf Euro bestehen. So ist es nun einmal. Die griechischen Banken haben den nicht mehr und gehe pleite. Und deshalb sind Karelias Sichteinlagen dann futsch.

    Es geht aber nicht nur um die 300 Mio Euro. Viel schlimmer ist, wie sich das auf Karelias Geschäft auswirken wird. Die machen die Hälfte des Umsatzes in Griechenland selbst. Was steckt in Zigaretten? Tabak. Wo kauft man den Tabak? Und mit welcher Währung?

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    1. Daniel Koinegg

      Ich denke, Du unterschätzt die Macht des Staates ziemlich drastisch. Wenn Dir der Hinweis auf Argentinien noch nicht reicht… wie wäre es mit Ungarn? Da haben wir sogar ein EU-Land, in dem die Umstellung einer Forderung von einer Währung (CHF) auf eine andere (Forint) per Gesetz einseitig ohne Willenserklärung des Gläubigers passiert ist.

      Klar, die ausländischen Banken können dann zivilrechtlich klagen. Wenn der griechische Staat schlau genug ist und die Banken bis zum Erfolg dieser Klage verstaatlicht hat, kann man dann versuchen, die Forderungen gegen den griechischen Staat durchzusetzen. Da könnte dann beispielsweise die Deutsche Bank versuchen, Rhodos zu pfänden. Aber mal im Ernst: es gibt keine faktische Handhabe dagegen, dass der Staat mit einer Zwangskonvertierung kurzen Prozess macht. Bitte glaub` einem Juristen mal was :-)

      Karelia verkauft übrigens 15% in Griechenland
      http://karelia.gr/showArticle.php?article=M5tZ5WXNGl

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  17. Richard ak

    15% ist nicht viel. Dann wird der Austritt Karelia nicht so negativ treffen.

    Nein, Daniel. Der griechische Gesetzgeber kann nicht beschließen, dass ausländische Forderungen in einer neuen Währung zurückgezahlt werden. Was soll das jetzt bitte mit Pfänden zu tun habe???
    Die banken sind dann vom Interbankenmarkt abgeschnitten und pleite. Die zahlen keine 300 Mio Euro mehr aus.

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    1. Daniel

      Zunächst mal: am Interbankenmarkt sind die griechischen Institute derzeit wohl kaum großartig aktiv. Es stand schon vor Monaten in der Zeitung zu lesen, dass sich das Refi-Volumen der griechischen Banken über den Interbankenmarkt gedrittelt hat (auf 13 Mrd. oder so) und der Wert wird im zweiten Quartal 2015 sicher nicht höher geworden sein.

      Und natürlich kann der griechische Staat das machen, genauso wie ich zuvor schon angedeutet habe. Er kann die Bank verstaatlichen, ein Gesetz erlassen, in dem steht, dass die Bank alle ihre Verbindlichkeiten in Drachme „neu“ zu bedienen habe und einen Aufseher bei der Bank installieren, der zu den ausländischen Gläubigern sagt: „Ich bezahle Euch jetzt in Drachme, oder gar nicht!“ Welche faktischen Hindernisse stehen dem entgegen?

      Angenommen, die Deutsche Bank hat via Interbankenmarkt noch eine kleine Position mit der National Bank of Greece in Euro offen – 1 Milliarde. Die steht als Verbindlichkeit bei der NBG in der Bilanz. Wenn nun bei der NBG ein solcher staatlich eingesetzter Aufseher am Ruder ist, der mitteilt, man könne die Verbindlichkeit entweder in Drachme begleichen oder gar nicht, dann hat die Deutsche Bank zwei Möglichkeiten: entweder die Drachme nehmen oder exekutionsrechtlich und später insolvenzrechtlich gegen die Bank (also sprich gegen den Staat) vorgehen. Hier schließt sich der Kreis zur Pfändung übrigens, weil der beste rechtmäßig erworbene Anspruch nichts wert ist, wenn ich ihn nicht durchsetzen, also jemandem etwas wegnehmen kann, das meine Forderung befriedigt.

      Je nachdem, welcher Rechtsordnung die Forderung unterliegt, muss die Deutsche Bank also entweder in Deutschland, in Großbritannien, in Griechenland oder sonstwo ein Gerichtsverfahren anstrengen und auf Zahlung der Milliarde klagen. Und so oder so bekommen sie vom griechischen Staat auf dem Rechtsweg kein Geld, wenn der nicht zahlen will. Also wird die Deutsche Bank die Drachme nehmen und sie zum stark abgewerteten Kurs in Euro tauschen, bevor sie gar nichts bekommt.

      Es ist egal, welches Szenario man durchspielt und wie man es dreht und wendet: der griechische Staat kann im Falle eines Grexit die Banken über Drachmen rekapitalisieren (ob jetzt direkt oder indirekt), die letztendlich stark abwerten. Das führt dazu, dass die Geldguthaben der Unternehmen in Relation zu ausländischen Währungen deutlich geschnitten werden (wie es bei einem Haircut oder Bail-in auch wäre), aber sie wären nicht nur einen symbolischen Betrag wert. Griechenland ist zwar in der Rezession, aber nicht in einem Nachkriegszustand, wo alles kaputt wäre.

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  18. Daniel Koinegg

    Wie gesagt, ich rate wärmstens dazu, die Währungskrise in Argentinien zu studieren, dort ging es dem Grunde nach um die selbe Problematik. Und sie zeigt, dass de facto sehr wohl Verbindlichkeiten, die in einer Währung denominiert sind, zwangsweise in eine andere Währung konvertiert werden können.

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  19. Richard ak

    Nein, ob die griechischen Banken in der Vergangenheit am Interbankenmarkt akitv gewesen sind, spielt keine Rolle. Und mit Pfänden hat das erst recht nichts zu tun.

    Die Frage war: Wie können sie die 300 Mio Euro auszahlen, wenn sie keinen Zugang zum Interbankenmarkt oder anderen Kreditquellen haben? Antwort: Das können sie nicht. Wie auch. Das Geld ist weg.

    Du verstehts glaube ich nicht, was eine Rekapitalisierung in dem FAll eigentlich ist. Eine Rekapitalisisierung in dem Fall bedeutet, dass die Banken wieder Zugang zum internationalen Kapitalmarkt haben. Und da kannst du soviel selbst gedruckte Drachmen oder Richard-Dollar zu den Banken schicken wie du willst. Solange die ausländischen Euro-Forderungen nicht bedient sind, haben die gr. Banken ein D-Rating.

    Der griechische Gesetztgeber kann nicht beschließen, dass außländische Gläubiger sich gefälligst mit Drachmen begnügen müssen. Bzw beschließen lässt sich natürlich alles. Ich kann auch beschließen, dass mir meine Bank ab sofort Geld schuldet.

    Es muss dann eine Neustrukturierung der Schulden der gr. Banken geben. Haben ich oben übrigens schon geschrieben. Das war jetzt nichts neues. Das schließt Sichteinlagen ein, weil es Forderungen sind. D.h. auch falls eine gr. Bank tatsächlich wieder neu eröffnen sollte, sind die 300 Mio futsch. Futsch ist halt futsch.

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  20. Daniel Koinegg

    Rekapitalisierung bedeutet einfach, dass man auf der Passivseite der Bank etwas tut, zuführt, neuordnet, oder was auch immer. Oftmals wird das auch synonym für die Erhöhung des Eigenkapitals verwendet. Dafür ist der Interbankenmarkt ohnehin nicht da.

    Außerdem vermischt Du jetzt verschiedene Dinge, die wir diskutiert haben: die Einlage der Karelia wird wie gesagt in Drachme umgestellt. Genau das hat die argentinische Regierung auch gemacht. Damit wird die Geldreserve zwar weniger wert, aber sie ist nicht völlig weg.
    Etwas anderes sind die Forderungen, die einem ausländischen Rechtsregime unterliegen.

    Let`s agree to disagree :-)

    Das wahre Risiko eines Griechenlandinvestments ist meines Erachtens ohnehin nicht das marode Bankensystem, sondern etwaige Verstaatlichungspläne, wie sie derzeit in den Medien kursieren.

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