Screen der Woche: KW 4 2015

Ab sofort wird dem Samstag im Bargain Magazine von meiner Seite aus eine neue Dauerkategorie zugewiesen, die den Namen „Screen der Woche“ trägt. Hier soll ein kurzer Überblick darüber gewährt werden, welche Unternehmen ich mir diese Woche zumindest oberflächlich angesehen habe, aus welchen Gründen das geschah und warum ich den Titel entweder (wenigstens vorläufig) wieder verworfen habe oder doch weiter verfolgen werde.

Zunächst erfolgt eine kurze Wiederholung bzw. Zusammenfassung meiner Anlagephilosophie für all jene, die vielleicht noch nicht zur Stammleserschaft im Bargain Magazine gehören. Im Prinzip habe ich drei Ansätze, die ich mehr oder weniger regelmäßig nebeneinander für meine Investments verfolge:

  • Qualitativ motiverte Investments
  • Quantitativ motivierte Investments („cigar butts“)
  • Trittbrettfahrerinvestments

Im ersten Bereich „Qualitativ motivierte Investments“ versuche ich in Anwendung der heute wahrscheinlich als „state of the art“ geltenden Value-Strategie, wie sie Warren Buffett und unzählige andere erfolgreiche Investoren praktizieren, Unternehmen mit verständlichen Geschäftsmodellen, einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil bzw. zumindest guten Zukunftsaussichten, und einem guten Management zu finden, diese zu einem vorteilhaften Preis zu erwerben und solange zu halten, wie sie diese zuvor genannten Merkmale aufweisen. Für mich gehören aus dem Bargain Portfolio insbesondere IBM und Do&Co, aber auch die Ölwette insgesamt in diese Kategorie.

Im zweiten Bereich „Quantitativ motivierte Investments“ möchte ich Unternehmen erwerben, die in Relation zum Wert ihrer Assets um einen Abschlag gehandelt werden und obendrein eine möglichst gut skalierbare Kostenstruktur aufweisen. Diesen Bereich habe ich oftmals auch schon als „cigar butts“ bezeichnet. Hier geht es um den Erwerb eines Bündels derartig billiger Unternehmen und gewissermaßen einfach um das Warten auf positive Ereignisse. In diese Kategorie fallen unter anderem die Vianini, die Southern Cross Electrical Engineering, die Balda, oder auch Beta Systems.

Im dritten Bereich „Trittbrettfahrerinvestments“ geht es um Nachahmerei. Ich habe mir persönlich eine Liste mit Investoren zusammengestellt, die erwiesenermaßen über lange Zeit gut performt haben und auf ihre Art eine solide Valuestrategie praktizieren. Deren Investments verfolge ich regelmäßig mit (über die SEC-Edgar-Datenbank oder auch über Seiten wie Gurufocus) und wenn sich die Gelegenheit ergibt, dass ich eines davon zu einem Preis bekomme, der nicht höher ist, als deren Einkaufspreis und das obendrein noch meine strengen Kriterien zur finanziellen Stabilität erfüllt (sprich net cash, hohe Eigenkapitalquote, wenig intangibles, Überschuss des schnell liquidierbaren Vermögens über die Gesamtverbindlichkeiten), erwerbe ich dieses. In diese Kategorie fällt aus dem aktuellen Portfolio bisher nur SodaStream.

Wie gesagt, einmal pro Woche soll ab jetzt im Bargain Magazine quasi ein Journal über die in der abgelaufenen Woche geprüften Unternehmen erscheinen, geordnet nach diesen drei Kategorien. Freilich wird nicht jede Woche in jeder Kategorie etwas neues zu berichten sein, es wird auch Wiederholungen geben, aber unter dem Strich soll dadurch ein kleiner Einblick in mein laufendes Research gewährt werden.

Qualitativ motiverte Investments

In diesem Bereich ist mir diese Woche kein Unternehmen aufgefallen, dessen Merkmale hier hinein passen könnten.

Quantitativ motivierte Investments („cigar butts“)

Titon Holdings: Die Recherche für Titon hat sich über zwei Wochen erstreckt und wurde bereits im Bargain Magazine breitgetreten.1 Hier ist bis dato das Problem, dass das Management meine Fragen, die ich im zitierten Artikel unten erarbeitet habe, nicht beantwortet hat. Es sieht also vorerst nicht so aus, als ob sich das Unternehmen besonders um Kleinaktionäre und deren Fragen kümmern würde.

Synaxon: Das ist ein kleiner deutscher IT-Dienstleister und Händler. Weist eine sehr hohe EK-Quote mit 78% auf und hat überhaupt keine Finanzschulden. Selbst bei einer vollständigen Abschreibung aller intangibles wäre die EK-Quote noch immer bei über 50%. Das Umlaufvermögen deckt die Verbindlichkeiten mehrfach ab. Insgesamt waren sie mir aber nicht billig genug (in Bezug auf die leicht bewertbaren Assets), weshalb der Titel einfach auf die Watchlist kommt.

Tesco Corp: Nicht zu verwechseln mit der britischen Supermarktkette. Ist ein US-amerikanischer Ölfeldausrüster. Extrem hohe Eigenkapitalquote mit 85%, kaum goodwill, keinen Finanzschulden sowie einem deutlichen Nettoumlaufvermögen (knapp 290 MUSD). Mit einer Market Cap von >400 MUSD zu teuer. Wenn es aber noch ca. 20% nachgibt, könnte ich mir das noch einmal ansehen, daher auf die Watchlist.

Trittbrettfahrerinvestments

Cheniere Energy: Texanisches Unternehmen mit Fokus auf Flüssiggas. Hier ist Seth Klarman am Werk und hat laut Gurufocus2 zwischen 70 und 84 USD je Stück seine Position deutlich vergrößert. Passt mir aber letztendlich von der finanziellen Stabilität überhaupt nicht, da extrem viel langfristige Finanzschulden auf dem Unternehmen lasten.

1 siehe auch der zuletzt erschienene Artikel http://bargain-magazine.com/titon-holdings-volume-3/

2 http://www.gurufocus.com/stock/LNG

4 Kommentare Screen der Woche: KW 4 2015

  1. Robert Michel

    Cheniere Energy muss man erklären, weil die Bilanz kaum Aufschluss darüber bietet, was hinter dem Unternehmen steckt. Cheniere Energy ist gerade dabei einen Exporthafen für LNG zu bauen. Das Unternehmen ist allen anderen Unternehmen voraus und wird dieses Jahr voraussichtlich den ersten LNG-Exporthafen der USA überhaupt eröffnen. Aus diesem Grund war es in der Lage äußerst lukrative Bedingungen mit den Schifffahrtsgesellschaften auszuhandeln und diese für einen langen Zeitraum zu fixieren. Da die Erträge erst in Zukunft anfallen werden, zeigt die Bilanz nicht die eigentliche Stärkte des Unternehmens.
    Ich habe mich aus diversen Gründen gegen eine Investition entschieden: Die Bewertung ist nicht mehr konservativ. Das Management ist überbezahlt. Die Kapitalstruktur ist bewusst komplex gestaltet. Es gibt mehrere an der Börse gelisteten Töchter und zweifelhaften Instrument wie MLPs die mit mehreren verschiedenen Typen von Beteiligungskapital finanziert wurden. Insgesamt hat man den Eindruck, dass die höchste Priorität des Management die Bereicherung des Management ist.
    Überblick über einen Teil der Kapitalstruktur: http://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1582966/000119312513458389/g564653g72e82.jpg

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    1. Daniel

      @Robert: Das habe ich alles gelesen. In einer anderen Kategorie als in den Trittbrettfahrerinvestments wäre Cheniere ohnehin nicht in Frage gekommen, unter anderem wegen den von Dir genannten Gründen. Und bei den Trittbrettfahrern ist es eben wegen der Bilanz entfallen.

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      1. Robert Michel

        Das mag sein. Jedoch ist Cheniere Energy ein so außergewöhnliches Unternehmen, dass sich viel mehr dazu sagen lässt als das die Bilanz zu schwach ist.

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