Übernahmeangebot für die Mevis AG

Im Bargain Portfolio gibt es eine Änderung zu berichten, da gestern die Position Mevis Medical Solutions AG verkauft wurde. Den Hintergrund möchte ich hier zur Diskussion stellen, die Sektion „Bargain Portfolio“ wird am Ende des Monats upgedatet. Dann wird es auch den ersten Portfolioreport geben, den ich ab jetzt monatlich verfassen möchte, um dort die wichtigsten Entwicklungen des jeweils vergangenen Monats Revue passieren zu lassen und etwaige strategische Gedanken zu äußern.

Zur Ausgangssituation: Am 17.12. hat die VMS Deutschland Holdings GmbH ein Übernahmeangebot für die genannten Aktien gelegt.1 Die wesentlichen Bedingungen des Angebots waren bzw. sind, dass eine Mindestannahmeschwelle von 75% erreicht wird, sowie ein Kaufpreis von 17,50 EUR je Aktie. Das gesamte Angebot wird es hier2 nachzulesen geben. Hinsichtlich der Annahmeschwelle wurde weiter ausgeführt, dass sich bereits Aktionäre mit einem Gesamtstimmrecht von mehr als 70% verbindlich zu einer Annahme verpflichtet hätten.

Nach der Bekanntmachung der Beabsichtigung eines Übernahmeangebotes hat sich ein für mich persönlich sehr interessantes Phänomen eingestellt. Die Aktien der Gesellschaft wurden nämlich um einen bis zu 6% höheren Kurs gehandelt, als das Angebot als Kaufpreis vorsehen würde. Als ich darüber nachgedacht habe, was hierfür der Grund sein könnte, bin ich im Prinzip auf zwei miteinander verwandte Vorschläge gekommen. Einerseits (Szenario 1) könnte der Kurs deshalb steigen, weil ein Investor sich ein Aktienpaket in einem Umfang sichern möchte, welches ihm die Möglichkeit gibt, beispielsweise einen Squeeze-out-Versuch zu blockieren. Dieser Investor könnte dann versuchen, dem Angebotsleger sein Aktienpaket um eine Prämie auf den Angebotspreis zu verkaufen bzw. darauf spekulieren, dass im Falle einer Komplettübernahme ein höherer Preis realisiert wird. Andererseits (Szenario 2) könnte der Kurs deshalb steigen, weil manche darauf spekulieren, dass sich Szenario 1 einstellt, ohne dass dies tatsächlich der Fall ist. Auf eine andere Erklärung bin ich nicht gekommen, es würden mich aber Eure Gedanken hierzu brennend interessieren.

Die Gründe, warum ich dann verkauft habe, waren:

  1. Ich weiß nicht, ob es außer den von mir bedachten Szenarien 1 und 2 noch weitere mögliche Ausgänge gibt.
  2. Weiters ist es unmöglich, auch nur irgendwie abzuschätzen, welches dieser Szenarien mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreten könnte.
  3. Das Annehmen des Angebots war für mich keine Option, wenn ich die Aktien nach Spesen um einen besseren Preis am freien Markt veräußern kann.
  4. Das Nichtannehmen des Angebots, sohin das Verharren in der Aktie schien mir nicht sinnvoll, da ich einerseits nicht weiß, wie der neue Großaktionär die „Kleinen“ behandeln wird (Stichwort Delisting) und andererseits die alten Großaktionäre das Angebot scheinbar als attraktiv erachten, weil sie sich dazu verpflichtet haben, es anzunehmen.

Deshalb wurde die Position gestern um einen Mischkurs von 18,11 Euro je Stück veräußert. Unabhängig davon werde ich die Situation weiter beobachten und gegebenenfalls hier weiter darüber berichten. Außerdem ist jede Art von Erfahrungsbericht Eurerseits mit ähnlichen Situationen herzlich willkommen.

 

1 http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/DGAP-WpUeG-Uebernahmeangebot-DE000A0LBFE4-4088516

2 http://www.variango1.de

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *