Zwischenupdate Bargain Portfolio

In den letzten Wochen hat sich im Zusammenhang mit dem Bargain Portfolio beziehungsweise bei Unternehmen, die sich im Portfolio befinden, einiges getan. Im heutigen Artikel möchte ich deswegen die wichtigsten Neuigkeiten in diesem Kontext – jeweils pro Unternehmen, in alphabetischer Reihenfolge – behandeln.

Apache

Bei Apache, einem Teil meiner Ölwette, hat es eine für mich überraschende Neubesetzung des Chefsessels gegeben.1 G. Steven Farris war mehr als eine Dekade CEO bei Apache und schon seit 1988 im Unternehmen. Der Rücktritt wurde per sofort bekannt gegeben. Damit ist es bereits der zweite Rücktritt binnen kurzer Zeit, weil schon im Oktober der CFO Alfonso Leon seine Segel gestrichen hat.2 Ich habe noch keine belastbare Meinung zu diesen Chefsesselrotationen und muss diese in den nächsten Tagen noch genauer recherchieren. Grundsätzlich ist es aber meist kein gutes Zeichen, wenn innerhalb kurzer Zeit sowohl der CFO als auch der CEO – für viele überraschend – das Boot verlassen. Hinsichtlich des CFOs wurde damals noch kommuniziert, dass der Rücktritt „(…) not related to any issues regarding financial disclosures, accounting or legal matters“ ist.3 Im jetzigen Rücktrittsstatement betreffend den CEO fehlt eine solche Formulierung bemerkenswerterweise. Ob das irgendeine Bewandtnis hat, kann ich (noch) nicht sagen.

1 http://investor.apachecorp.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=891971

2 http://www.bizjournals.com/houston/morning_call/2014/10/apache-cfo-resigns.html

3 http://investor.apachecorp.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=876192

Beta Systems

Die Position Beta Systems habe ich vor etwas mehr als einem Monat im Bargain Magazine erstmals in einem Quickcheck behandelt.4 Auch hier gibt es Neuigkeiten. Einerseits wurde ein Unternehmen erworben, nämlich die Horizont Software GmbH.5 Leider ist vorerst keine Information hinsichtlich des Kaufpreises bekannt, allerdings sollte in den nächsten Quartals- bzw. Jahresberichten aus dem Cashflowstatement entsprechendes ersichtlich sein. Die erworbene Gesellschaft bietet Software für Rechenzentren/Datenzentren an und sollte deshalb ganz gut in das Portfolio der Beta passen.6

Außerdem hat es auch bei Beta Veränderungen im Vorstand gegeben. Die jüngste Neuigkeit ist die Neubesetzung des Chefsessels.7 Als Grund wurden einige Tage später unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft des Unternehmens angegeben.8 Die Auflösung des Mandates wurde schließlich einvernehmlich geregelt.9 Grundsätzlich gilt hier dasselbe, was ich schon bei Apache geschrieben habe, sprich, dass plötzliche und vor allem mehrfache Veränderungen im Vorstandsgremium nicht unbedingt das beste Signal sind. Allerdings ist die Beta, wie im erstmaligen Quickcheck dargelegt, so billig, dass ich vorerst keine weiteren Überlegungen in Betracht ziehe. Außerdem fürchte ich mich hier auch wegen eines Delistings nicht bzw. nur bedingt, da die Beta in eine andere Gesellschaft aus dem Portfolio eingegliedert ist, nämlich in die Deutsche Balaton.

4 http://bargain-magazine.com/quickcheck-beta-systems-ag/

5 http://www.betasystems.de/uploads/media/um141222d-horizont_01.pdf

6 http://www.horizont-it.com/

7 http://www.betasystems.de/uploads/media/Unternehmensmitteilung_29.12.14_BS.pdf

8 http://www.betasystems.de/uploads/media/Unternehmensmitteilung_20150105_BS.pdf

9 http://www.betasystems.de/uploads/media/um150116d-aufhebungsvereinbarung.pdf

IBM

Bei IBM habe ich die Position zu Kursen knapp unter 131 Euro je Stück moderat weiter ausgebaut. Je mehr ich mich mit den langfristigen Zukunftsperspektiven dieser Gesellschaft und seinem Produktpotenzial auseinander gesetzt habe, desto überzeugter bin ich – insbesondere vom gewaltigen Potenzial durch Watson. Abgesehen davon erachte ich die Kommentare, die man derzeit an der Wall Street vernehmen kann, als völlig deplatziert. Weder ist es für die langfristige Entwicklung des inneren Wertes einer Aktie erforderlich, dass unbedingt der absolute Umsatz jedes Jahr wächst, noch verschläft IBM Investitionen in die Zukunft. Aus meiner Sicht ist die Kapitalallokation im Unternehmen mustergültig. Es werden schwache Sparten abgestoßen. Es wird genau in jene Bereiche, die in Zukunft das Schicksal von IBM bestimmen, investiert, nämlich in die Verbesserung der Kapazität und vor allem der Kühlung von Hochleistungsrechnern (beispielsweise durch Einsatz von Graphen)10 sowie in die Fähigkeit der Analysesoftware Watson. Durch die ständige Erweiterung der Effizienz dieser Software – die mit der Anzahl ihrer Nutzer und der Branchen, die sie abdeckt, immer schwerer zu replizieren wird – wird ein neuer Wettbewerbsvorteil von IBM geschaffen. Außerdem wird der weitläufige generelle Moat von IBM insgesamt ständig vertieft, indem man IT-Abteilungen von großen Konzernen auf sich outsourcen lässt – die Lufthansa war nur das letzte Beispiel. Damit positioniert man sich perfekt für das Thema Big Data, indem man von der Hardware, über die Datenauswertung bis hin zum laufenden Service alles in der Hand hat. Der Rest des free cashflow wird in Aktienrückkäufe und Dividenden geleitet. Ich weiß nicht, was den Marktkonsens hier wirklich beeinflusst, aus meiner Sicht liegt er allerdings unter Berücksichtigung der langfristigen Perspektiven völlig falsch.

10 http://www.computerbase.de/2014-01/ibm-macht-fortschritte-bei-graphen-chips/

Southern Cross

Hier wurde vor knapp einem Monat ein größerer Aktienrückkauf für bis zu 10% des Grundkapitals in die Wege geleitet.11 Das Unternehmen ist bisher auch schon ziemlich fleißig mit den Rückkäufen gewesen, wenn man sich die täglichen updates ansieht.12

11 http://www.asx.com.au/asxpdf/20141217/pdf/42vjffr87p1vf7.pdf

12 http://www.scee.com.au/index.php/investors/asx-announcements?view=category&id=21

Turkcell

Wie bereits angekündigt, wurde die Position verkauft, und zwar zu 16 USD je Stück. Da der Kurs (vor allem in Euro) danach noch so richtig schön weiter gestiegen ist, habe ich wahrscheinlich auch beim letzten Leser endgültig jeden Zweifel dahingehend ausgeräumt, ob ich nicht vielleicht doch Märkte timen könnte. Ich kann das nicht und werde es auch nie können. Weder hätte ich beispielsweise die Rahmenbedingungen des Quantitative Easings der EZB vorhersehen können, noch seine Auswirkungen auf die Wechselkurse Euro/Dollar/Türkische Lira nach der Ankündigung einen Tag nach meinem Verkauf.

Vianini

Die Cementir, das ist eine der Gesellschaften, an der die Vianini eine Beteiligung hält, hat vor kurzem eine Kapitalerhöhung angekündigt. Die Vianini wird bei dieser mitziehen.13 Der Aktienkurs der Vianini hat daraufhin natürlich einiges nachgegeben, was für mich keine Relevanz besitzt. Ich bin der Meinung, dass der Wunsch der Cementir, jetzt Geld für Wachstum einzusammeln, wo der Zementmarkt in Italien schwächelt und eine Konsolidierung zu günstigen Preisen möglich ist, eine gute Entscheidung darstellt.

13 http://www.vianinigroup.it/pages.php?cat=174

Die beiden erfolgten Transaktionen, nämlich der Zukauf bei IBM, sowie der Verkauf der Turkcell und die entsprechende Anpassung der Cashquote, werden im Rahmen des allmonatlichen Portfolio-Reports Ende Jänner in der Rubrik Bargain Portfolio erfasst.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *